ZG‐Rückblick: Finanzkrise

In dieser Rubrik erscheint gegen Ende eines jeden Monats ein gemeinsamer Rückblick der ZG‐Redaktion. Das vorgegebene Thema wird abwechselnd bestimmt. Heute geht es um die weltweite Finanzkrise.

Seit dem Herbst 2008 bestimmt das Thema der Weltwirtschaftskrise die Medien. Zurzeit reduziert sich die öffentliche Debatte  weitestgehend auf die »Bankenrettung«, die Konjunktur und den Autohandel. Die bald rasant steigende Arbeitslosigkeit wird zwar hier und da beschworen, aber die Folgen werden selten konkret thematisiert. Was wird passieren, wenn die Arbeitslosigkeit in Deutschland um mehrere Millionen steigt? Wo werden sich zukünftige Regierungen ihre Milliarden wiederholen, die sie jetzt großzügig den Banken vermachen? Sind wir an einem entscheidenden Wendepunkt der Geschichte angelangt oder ist alles nur heiße Luft?

todesglupsch sagt:

Ich befürchte die Finanzkrise wird eine wirtschaftliche zur Folge haben. In welchem Ausmaß ist reine Spekulationssache (und Spekulation hat uns ja laut den Medien erst in diese Situation gebracht). Das Vernichten von Arbeitsplätzen scheint nun begonnen zu haben und ich habe Verlautbarungen in den Medien gehört die von 4 — 4,5 Millionen Arbeitlosen bis Ende dieses Jahres in Deutschland sprechen.

Unabhängig von dem Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen gehe ich davon aus das der »Aufschwung« am Arbeitsmarkt der letzten Jahre vor allem durch die Struktur der geschaffenen Arbeitsplätze entstand also vor allem Teilzeit, Minijobs oder einfach unterbezahlte Stellen (Stichwort: Prekariat) und die nun wegfallenden Arbeitsplätze vor allem »ordentliche« sind. Die sozioökonomische Situation könnte damit kritischer werden als es die Bundesrepublik jemals erlebt hat.

Die Wirkung der Maßnahmen der Regierung sind für mich als Laie (und ich befürchte auch für Fachleute) schwer einzuschätzen, da ein globales Wirtschaftssystem wohl durchaus als extrem komplex bezeichnet werden kann. Ich kann nicht beurteilen, ob die Regierung nicht einfach durch blinden Aktionismus noch nebenbei größere Mengen Geld verbrennt ohne nennenswerten Effekt oder eine tatsächlich stabilisierende Wirkung, und wenn ja in welchem Ausmaß, von den Maßnahmen ausgeht.

In jedem Fall habe ich das Gefühl das in der modernen Mediengesellschaft die berechtigte Wut über diese Situation zu kurz kommt. Ich denke das eine fast komplette Branche potentiell unsere Zukunft verspielt hat und vermutlich weitestgehend ohne eigene Haftung davonkommt. Sollte sich die Situation tatsächlich zuspitzen tut eine Solidarisierung in der breiten Masse Not und eine entsprechende Reaktion in Richtung der Machthaber und Verantwortlichen wird dann längst überfällig sein.

aboutpixel.de / © kamikazefliege

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epikur sagt:

Auch wenn viele die Finanzkrise nicht tangieren mag, frei nach dem Motto — Hauptsache mein Hintern ist im trockenen — sie wird meines Erachtens weitgreifende Folgen haben. Im Moment können wir wieder das typische mediale Spiel beobachten, dass die Medien das Problem tagtäglich behandeln und bei den Zuschauern auf die Dauer eine Art von »Abnutzungseffekt« eintritt. Diese beiden Erscheinungen: Egoismus und Abnutzungseffekt sorgen dafür, dass das Problem der weltweiten Finanzkrise von vielen nicht ernst genug wahrgenommen wird. Womöglich dauert es noch ein paar Jahre bis die Arbeitslosigkeit drastisch steigen und eine knallharte Kürzungspolitik der nächsten Bundesregierung durchgedrückt wird, denn irgendwoher müssen die Milliarden Geschenke an die Banken ja wieder herkommen? Und dass wirklich die  Verantwortlichen dafür bluten müssen,  glaubt nicht einmal mehr der Weihnachtsmann. Insofern würde ich schon sagen, befinden wir uns an einem Scheideweg der Geschichte. Auch wenn er von vielen nicht wirklich wahrgenommen wird, da im Moment für viele noch alles so läuft wie bisher.

jtheripper sagt:

Ein System das nicht funktioniert, geht irgendwann kaputt. Dies ist nun der Fall und ich glaube, die Maßnahmen die nun ergriffen worden sind, stammen immernoch von dem defekten System und werden nicht greifen. Viel zu schnell und völlig ohne Transparenz werden weitere Karten in ein zusammenbrechendes Kartenhaus gesteckt. Die Begründung, dass durch das »Rettungspaket« Arbeitsplätze gesichert werden, stimmt natürlich. Nur ist die Frage welche? Sicher nicht die von den Arbeitnehmer, die auch schon bei Rekordeinnahmen entlassen wurden.

Aber das wichtigste ist ja, das Vertrauen wieder herzustellen. Das Vertrauen in unsere Banken und in das System, was uns die ganze Krise eingebracht hat. Also zerschlage ich mein pinkes Sparschwein (ja, ich zerschlage es, obwohl es unten eine Öffnung hat, damit ich ein Neues kaufen muss. Das kurbelt die Sparschweinindustrie wieder an) und bringe es auch mal zur Hypovereinsbank. Vielleicht hilft es ja.

2 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Finanzkrise

  1. »Ich befürchte die Finanzkrise wird eine wirtschaftliche zur Folge haben.«

    Die sog. »Finanzkrise« ist m. E. nicht Ursache einer Wirtschaftskrise, sondern Teil einer Wirtschaftskrise oder einer kriselnden Wirtschaft.

    »An anderer Stelle habe ich bereits darzulegen versucht, dass die Finanzkrise mitnichten ursächlich für die Krise der sog. »Realwirtschaft« ist, sondern dass durch sie vielmehr eine lang schwelende realwirtschaftliche Krise nur ans Licht, bzw. zur vollen Entfaltung gebracht wurde. Das eigentliche Problem sind nicht die faulen Hypothekenkredite, sondern eine Wirtschaftsweise, die eine Vermögensverteilung zum Ergebnis hat, bei der es nicht länger möglich ist, aus den Masseneinkommen auch den Massenkonsum, als notwendige Bedingung für fortgesetzte massenhafte Mehrwertrealisierung, zu gewährleisten, ohne dass entweder um den Preis rapide ansteigender Staatsverschuldung sozialstaatlich eingegriffen (was auch offene und verdeckte Subventionen an Unternehmen einschließt!) oder eben der (private) Kauf auf Pump so leicht wie möglich gemacht wird. In aller Kürze: wer mehr produzieren lässt, als an diejenigen, deren Arbeitskraft für die Produktion in Anspruch genommen wird, an Kaufkraft ausgeschüttet wird, der muss früher oder später an den Punkt kommen, an dem sein Warenangebot die diesem gegenüberstehende Kaufkraft übersteigt. Spätestens von diesem Moment an muss er auf Kredit verkaufen oder auf seinen Produkten sitzen bleiben. Verkauft er nicht auf Kredit, dann bleibt ihm, will er nicht sein akkumuliertes Kapital durch fortgesetze unrentable Überschussproduktion sukzessive aufzehren, nur übrig die Produktion einzustellen, was zur Folge hätte, dass die Kaufkraft noch weiter abnimmt usw. usf. Dieser grundlegende Widerspruch ist systemintern nicht zu lösen und durch extrasystemische Zuflüsse nur so lange zu dämpfen, als sich externe Wirtschaftszonen zur ruinösen Ausbeutung auffinden lassen. Eine Rolle, die bis dato der sog. »Dritten Welt« zugedacht ist und die freilich bis zum Ende des Kalten Krieges auch die sog. »realsozialistischen« Staaten zumindest zum Teil übernommen haben. Ohne solche Entlastungspotentiale muss die Menge »unbezahlbarer« Güter indes stetig zunehmen (Deflation). Der Trick, der Gefahr einer Deflation (vorläufig) zu entgehen besteht nun darin, das Verhältnis von Kaufkraft und Warenangebot dadurch ins »Gleichgewicht« zu bringen, dass man die umlaufende Geldmenge erhöht, indem z. B. verstärkt Kredite vergeben werden. Zu einem solchen Ungleichgewicht kam es im Nachkriegs(west)deutschland erstmals in 60er Jahren.«
    Quelle

    In aller Kuerze auch hier formuliert: Fords Problem

  2. Was wir erleben, ist die Unverschämtheit von Leuten, die sich mit fremden Geld an den Spieltisch gesetzt haben und jetzt von den unbeteiligten Zuschauern verlangen, ihre Spielschulden zu übernehmen.
    Die Finanzkrise ist eine seit Jahren geplante und vorbereitete »künstliche« Krise, mit der die gesellschaftliche Umverteilung in eine neue Dimension gehoben werden soll.

    Wer profitiert eigentlich davon und wer zahlt die Zeche?
    Es profitieren die Regierenden und die 5% richtig Reichen der Welt. Die Regierenden werden systematisch korrumpiert ( mit Beraterverträgen, Posten, Geld), damit sie den Reichen den Weg frei machen und sie von den strafrechtlichen und zivilrechtlichen Konsequenzen schützen. Diesen Mechnismus haben wir nicht nur in der Finanzwirtschaft (sie ist keine Industrie, da sie nichts produziert!), sondern auch im Gesundheitswesen (z.B. durch die Pharmaindustrie, die Lobbyisten der Ärzte, Versicherungen), in der Energiewirtschaft, usw.. Die aktuellen Regierungen sind alle auf Schmusekurs mit den Lobbyisten gegangen. Und so ist verständlich, warum eine Kassierin wegen eines Verdachts gekündigt werden kann, während ein Manager, der Milliardenverluste verursacht, sich vor Gericht dafür noch Bonis wegen guter Leistung erstreiten kann.

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