Doppelte Viktimisierung

Ein Phänomen, welches bei der Medien‐Hetze gegen Hartz4 Empfänger immer wieder zu beobachten ist, kann man als eine »doppelte Viktimisierung« bezeichnen. Viele Arbeitslose, die sich schon häufig als traumatisierte Opfer fühlen, da ihnen Anerkennung, Würde und gesellschaftliche Teilhabe nicht nur ökonomisch schwer, sondern auch ideologisch aberkannt wird, werden zusätzlich noch Opfer falscher Beschuldigungen. Arbeitslose  werden zu Tätern gemacht, da sie ja »selbst schuld« seien.  Das wirklich Bedenkliche, wenn nicht gar Erschreckende ist meines Erachtens, die ideologische Aneignungsweise dieser Opfer‐Täter‐Verkehrung vieler nicht‐Betroffener Menschen. Schließlich wurden die Juden auch zu Tätern gemacht, bevor man sie in die Gaskammern geschickt hatte.

5 Gedanken zu “Doppelte Viktimisierung

  1. »devide et impera«
    Das ist das einfache Konzept, daß dahintersteckt. Denn, wenn jemand selbst schuld ist, dann trägt niemand anderes Verantwortung für seine Situation, also braucht man sich auch nicht um ihn zu kümmern.
    Wo kämen wir denn hin, wenn auch noch die Gesellschaft für die Situation einen Hartz IV -Empfängers verantwortlich ist oder gar die hohe Politik? Wenn ich manche gelackten Jungspunde die großen Sprüche kloppen höre, ein Herr Mißfelder ist auch sein Sprachrohr, dann weiß ich, daß gerade diese Persönlichkeiten niemals in ihrem Leben in einer Situation waren, über die sie sich so trefflich äußern können. Diese Typen kommen aus gesicherten Elternhäusern, meist großbürgerlicher Natur, haben in ihren Leben nie eine richtige Arbeit gemacht und maßen sich in ihrem gottgewolltem Unverstand an, andere zu beurteilen und vor allem — zu verurteilen.
    Wir brauchen mehr Solidarität, daß wäre beispielsweise eine Aufgabe für Gewerkschaften. Wenn sich die von der bisherigen Rolle als Vertreter von beschäftigten Arbeitnehmern zu einer Vertretung Abhängiger bewegen würden, hätten sie möglicherweise wieder eine richtige Zukunft. Sie hätten die Möglichkeit, das neoliberale Denken der jetzt Regierenden zu einem sozialeren Denken umzuwandeln — ohne Glaubwürdigkeitsproblem. Und mit dem Mittel des politischen Streiks wäre neben der gesellschaftlichen Legitimation auch eine neue Machtposition gegeben.

  2. Treffender Artikel. Auch der Judenvergleich!
    Noch größerer Abschaum biste für die gute Gesellschaft, wennste Dich nicht nur erdreistest arm zu sein (und zu bleiben), sondern auch noch krank zu werden. Denn grade an Deinem Gesundheitszustand bist nur Du alleine Schuld, Deine Lebensweise ist das heil zu ewiger Kraft, Jugend und Stärke. Wie in einem Leni Riefenstahl‐Film.

    Man »wir« stecken noch immer so verdammt tief im braunen Gesumpfe, es ist zum Mäusemelken und aus der Haut fahren. Wobei mich die Tatsache an sich weniger aufregt, als das Gutmenschen‐Getue dem seie nicht so. Danke für jeden der das Kind beim richtigen Namen nennt!

  3. @Roberto: Vermutlich mit der üblichen, der Unvergleichlichkeit des Holocaust.

    Ich dagegen finde, je schärfer der Vergleich, desto größer die Chance, daß der eine oder andere mal die Augen aufmacht und genauer hinsieht.

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