Das große Fressen

Kurz vor Weihnachten »erblühen« überall in Deutschland die Weihnachtsmärkte. Außer allerlei Plunder und Kram gibt es dort vor allem jedemenge (oder eigentlich sogar fast nur) zu Fressen und zu Saufen.  Zuckerwatte, Würstchen, Nackensteaks, kandidierte Äpfel, gebrannte Mandeln und vieles mehr. Als wenn die Großstädte in Deutschland nicht eh schon genug Imbisse und Fressbuden hätten.

Schalte ich ausnahmsweise mal den Fernseher an, was bei mir eher selten vorkommt, und zappe ziellos herum, gibt es vor allem Koch‐ und Fresssendungen oder Themen die sich indirekt ums Fressen drehen. Egal zu welcher Uhrzeit und egal an welchem Tag — gefressen wird im Fernsehen immer irgendwo.

Bin ich auf irgendwelchen Weihnachtsfeiern oder Bekannten‐Treffs wird sich vor allem gerne übers Fressen unterhalten: »Hast Du schon mal Hai gegessen oder Pferd? Schmeckt echt toll, solltest Du mal probieren«, ist z.B. so ein Satz. Oder es werden mit Vorliebe Rezepte ausgetauscht oder sich anderweitig irgendwie über das Thema »Fressen« unterhalten.

Dabei stellen doch sämtliche Studien fest, dass die Deutschen immer dicker werden. Insofern sollte ein »weniger essen« doch zum Ideal oder Vorbild werden. Stattdessen hat »Fressen« Hochkonjunktur. Zuweilen erinnert mich das an Erich Fromms Gedanke, dass die Menschen im Kapitalismus Säuglingen ähneln, die ewig an der Flasche hängen und die ganze Welt in sich aufsaugen und konsumieren wollen.

5 Gedanken zu “Das große Fressen

  1. Hallo,

    guter Text, gerade deine Bemerkung mit den »[...]Zuweilen erinnert mich das an Erich Fromms Gedanke, dass die Menschen im Kapitalismus Säuglingen ähneln, die ewig an der Flasche hängen und die ganze Welt in sich aufsaugen und konsumieren wollen.[...]« erinnert mich fatal an ein Buch, dass ich gerade gelesen habe. Der Autor — ein Mitbegründer von Attac‐Österreich — kommt zum selben Schluß mit den Säuglingen — nur in einem anderen Zusammenhang. Der Titel des Buches »Neue Werte für die Wirtschaft« — Autor Christian Felber, http://www.christian-felber.at. Vielleicht kannst du ihn mal anschreiben? Herr Felber, Jahrgang 1972, meint auch, dass Manager eher »Säuglingen gleichen, die immer nach der Mama schreien, wenn etwas schief geht.« — eben keine Verantwortung für das Scheitern des Neoliberalismus übernehmen wollen.

    Gruß
    Nachdenkseiten‐Leser

  2. lol, ja lass es raus epikur^^ Aber auf was für Weihnachtsfeiern drückst du dich denn rum? Hai???

    Nun ist aber »Essen« eben ein Thema, bei dem jeder etwas zu sagen kann. Über das Wetter darf man ja nicht mehr reden^^

    Naja und da das öffentlich‐rechtliche Fernsehen einen Bildungsauftrag hat, wir aber die politische Bildung nicht mehr annehmen und inzwischen alles essen (Hai?), sollten wir doch wissen wie wir es zubereiten.

  3. Werter Kollege Ripper, Sie müssen sich im wohlgeübten »Fressen« wohl noch üben wie mir scheint ;)

    Ich treibe mich wohl oder übel hier rum.

  4. Mag sein, dass die Deutschen dicker werden. Es liegt aber nicht am zu‐viel‐Essen, sondern an ungegelmäßiger und unausgewogener Nahrungsaufnahme.

    Um dünner zu werden, sollte paradoxerweise mehr gegessen werden — das allerdings zu geregelten Zeiten.

  5. *LOL*
    Erstmal muß ich meinem Vorredner zustimmen.

    Dann muß ich sagen, ich wundere mich auch über diese Entwicklung mit der maßlosen Zunahme der Fressbuden und -Läden allenortens.

    Drittens habe ich da so eine Idee zu:
    Am Fressen läßt sich gut verdienen. Es befriedigt den Konsumenten direkt, wohlig und zeitnah, allerdings nur kurz. Das ist für den Produzenten allerdings der entscheidende Vorteil gegenüber weniger schnell verderblichen Produkten. In gesättigten Märkten und im Überfluß läßt sich mit Fressen noch einiges an Konsum mobilisieren.

    Den ja schon psychonalytischen Aspekt von Fromm finde ich sehr interessant. Der gut gefütterte Säugling an der Brust der Fressbuden‐Konsumtempel. Leben um zu Fressen, Fressen um zu Leben! ;)

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