Der pädagogische Happen (3)

_happen_»Warum ist das Schwimmbad jetzt in diesem Jahr schon wieder teurer geworden? Briefe verschicken auch? Und Lebensmittel?«

»Weil wir in einer Welt leben, in der Geld mehr zählt, als Freude, Liebe und Menschen.«

»Und warum leben wir in so einer Welt?«

»Weil manche Menschen nie genug bekommen können und sie ihren großen Reichtum nicht teilen wollen.«

»Aber kann man das nicht ändern?«

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Presseblick (49)

Am 13. Januar 2016 hat die Berliner Polizei zusammen mit zwei Sondereinsatzkommandos (SEK) ein von der alternativen Szene bewohntes Haus regelrecht überfallen. Türen wurden eingetreten, sämtliche Wohnungen durchsucht, Möbel und Haushaltsgeräte zerstört. Der Grund war ein vermeintlicher Angriff auf einen Polizisten einige Stunden zuvor. Die World Socialist Web Site schreibt treffend: »Großeinsatz der Berliner Polizei: eine Bürgerkriegsübung zur Unterdrückung sozialer Unruhen.« Oliver Höfinghoff Mitglied der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kommentiert den Fall im Neuen Deutschland und schreibt: »So hat mir selbst die Berliner Polizei schon versucht, als recht prominentem Kritiker der Polizeiarbeit in zwei Fällen Straftaten vorzuwerfen.« Und während mehr als 4.000 Menschen gegen Polizeiwillkür in Berlin-Friedrichshain demonstrierten, bezeichnet Innensenator Frank Henkel (CDU) das Wohngebiet der Alternativen als »Gefahrengebiet«, das »Terroraktionen« ausführen würde. Weiterlesen →

Den Ehrgeiz besänftigen

ehrgeiz_titelWelche Ziele hast Du im Leben? Was willst Du später einmal werden? Du willst doch sicher auch reich und vermögend sein, nicht wahr? Sparst Du denn wenigstens für ein Haus oder ein Auto? Was genau willst Du eigentlich im Leben erreichen? So oder so ähnlich prasselt es auf uns ein. Von den Eltern, der Familie, der Verwandtschaft, von Freunden, Arbeitskollegen, den Massenmedien und allerlei Bekannten. Demut, Genügsamkeit und Bescheidenheit gelten als Charakterschwäche. Ellenbogenmentalität, Haben-Wollen-Habitus und beruflicher Ehrgeiz als vorzeigbare Tugenden. Weiterlesen →

Nützliche Idioten

idioten_titelAus der Perspektive von Reichen und Mächtigen gibt es einfach viel zu viele nützliche Idioten. In jeder Branche gibt es etliche Hanswurste, die für ein paar Brotkrumen und ein bisschen Aufmerksamkeit, ihr Gewissen verkaufen und ihre Seele dem Mammon opfern. Hätten wir mehr Mut und weniger vorauseilenden Gehorsam, so würde man auch die Herde der Idiotenspiel-Zombies effektiver eindämmen können. Weiterlesen →

Gekaufte Politik

»Es gibt 17 republikanische Kandidaten für das weiße Haus. Die New York Times enthüllt, dass fast alle auf die Unterstützung eines Milliardärs zählen können, weshalb ihr Wahlkampf nicht mehr damit zu tun hat, bei den Wählern Spenden einzuwerben.«

- Serge Halimi. »Vorwahlen für Milliardäre«. Le Monde Diplomatique. September 2015. S. 23

Anmerkung: Ein Blick in die USA ist stets auch ein Blick in die Zukunft Deutschlands. Schon heute werden CDU/SPD/FDP/GRÜNE großzügig von Banken und Konzernen alimentiert. Auch das Konzerninteressenabkommen (auch TTIP oder euphemistisch: Freihandelsabkommen genannt) ist ein Beispiel dafür, dass die Politik von den Superreichen gekauft wird. Nur wer das öffentlich sagt, gilt als Verschwörungstheoretiker. Dabei ist und bleibt die größte Verschwörungstheorie, dass der freie Markt für Frieden und Wohlstand sorgen würde.

Konzerne. Kunden. Kranke.

schere_titel»Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander«, ist ein beliebter Satz, auch und gerade von linken und progressiven Vertretern. Ich frage mich, gibt es auch nur eine Gemeinsamkeit zwischen Hedgefonds-Managern und Hartz4-Empfängern? Ist die Schere hier nicht die völlig falsche Metapher? Muss der Versuch, an die Solidarität und den politischen Willen von Reichen und Vermögenden zu appellieren, nicht zwangsläufig scheitern?

Reichtum. Ausbeutung. Entfremdung.

In vielen Artikeln, Analysen und Abhandlungen ist von der »wachsenden sozialen Ungleichheit« die Rede. Von der immer größer werdenden sozialen Spaltung, der Kluft und der Schere zwischen Armut und Reichtum. In der Regel wird damit ausgedrückt, dass die Einkommens‑, Vermögens‑, Besitz- und Eigentumsverhältnisse zwischen dem reichsten Prozent der Weltbevölkerung und dem ganzen Rest, den 99 Prozent, aufgeteilt ist. Oder anders: 85 Milliardäre besitzen soviel wie die halbe Menschheit (Oxfam-Bericht). Das Verb »wachsend« ist in diesem Zusammenhang ein regelmäßig auftauchender Euphemismus. Denn die weltweite krasse Ungleichheit ist bereits Realität. Heute. Jetzt. Und nicht erst morgen. Was soll da bitte noch groß wachsen?

Markthelden

»Es laufen soviele Raubmörder herum, wirkliche und moralische, mit Brillanten an den Fingern und einer dicken Perle in der Halsbinde oder goldenen Sternen auf den Achseln, denen jeder Ehrenmann die Hand drückt und sich dabei noch geehrt fühlt. Jede Klasse hat ihre Raubmörder. Die der meinen werden gehenkt; diejenigen, die nicht meiner Klasse angehören, werden bei Mr. Präsident zum Ball eingeladen und dürfen auf die Sittenlosigkeit und Rohheit, die in meiner Klasse herrscht, schimpfen.«

- B. Traven. »Die Baumwollpflücker«. Rowohlt Taschenbuch 1962. S. 47

Anmerkung: Klassen? So etwas gibt es heute doch gar nicht mehr. Schließlich teilen arme und reiche Menschen viele Interessen miteinander. Beispielsweise Fußball. Die oberen Zehntausend sind in den letzten 30 Jahren vor allem deswegen immer reicher geworden, weil sie enorm viel geleistet haben. Beispielsweise eine flächendeckende Enteignung der Bevölkerung.

Wer ist Wir?

»Nach den ungeheuren Untaten des vergangenen Jahrhunderts sind wir heute die wohlhabendste Nation Europas, die sogar von der jüngsten Euro-Krise noch profitiert.«

- Albrecht von Lucke. »70 Jahre Befreiung: Deutsche Kälte, deutsches Glück«. Blätter. Ausgabe Mai 2015. S. 8

Anmerkung: Die emotionale Solidaritäts-Konditionierung des Wir wird mittlerweile inflationär gebraucht. Wir sind Papst. Wir sind Pizza. Wir sind Deutschland. Das aber auch vermeintlich Linke das Narrativ des wir sind wohlhabend häufig gedankenlos übernehmen, ärgert mich. Denn wohlhabend, reich und vermögend sind in Deutschland die oberen zehn Prozent. Der ganze Rest wird jedes Jahr ärmer. Von einem wir sind wohlhabend kann einfach keine Rede sein.