Fördern. Fördern. Fördern.

Die Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft produziert nicht nur systematisch ein ausgegrenztes Prekariat, sie verdient auch an und mit der Angst. Insbesondere Eltern sind stellenweise ganz gezielt massiv verunsichert worden. Jahrzehntelang haben vermeintliche Erziehungsexperten durch allerlei mediale Kanäle (TV, Buch, Web, Radio, Zeitung etc.) die elterliche Intuition nachhaltig beschädigt. Man müsse und solle seine Kinder so und so erziehen, man solle das sagen, das unternehmen, sich so verhalten und so weiter. Dann wird wieder genau das Gegenteil erzählt und propagagiert. Hinzu kommt ein Dschungel an pädagogischen Konzepten, Haltungen und Werten, die sich nicht nur gegenseitig widersprechen, sondern alle von sich behaupten, dass sie die »einzig wahre Erziehungsmethode« betreiben würden.

Das Ergebnis sind pränatale Frühförderung (»Je früher desto besser!«), Kindergarten-Chinesisch sowie die Auffassung, dass alles Tun pädagogisch wertvoll, also Förderung sein muss. Es ist der Zeitgeist der uns sagt, dass Kinder und Jugendliche arbeitsfähig genormt werden müssen. Ihre ökonomische Verwertbarkeit und Funktionstüchtigkeit sollen hergestellt werden. Oder anders: »Unsere Kinder sind unsere Zukunft«. Eine Ware. Ein Rohstoff. Ein Objekt. Das soll eben bestmöglich optimiert werden.

Was häufig fehlt, ist eine subjektbezogene, ehrliche und authentische Seins-Haltung zu Kindern und Jugendlichen. Sie in ihrem Wesen so annehmen können, wie sie sein wollen und nicht, wie Unternehmen, Politiker oder Eltern sie nach ihren eigenen Vorstellungen formen wollen. Es ist insofern absolut nicht verwunderlich, dass psychische Kinderkrankheiten zugenommen haben: man behandelt sie allerorten wie Knetmasse.


»Elternängste«
»Familienkonflikte«
»Der pädagogische Happen«

Familienkonflikte

Der Großteil aller familiären Konflikte entstehen, weil die Eltern ihre Kinder nicht selbst entscheiden lassen. Weil sie den Sprung von der Erziehung zur Beziehung nicht geschafft haben oder ihn bewusst nicht machen wollten. An der familiären Hierarchie will man unbedingt festhalten. Wir (Eltern) hier oben und Ihr (Kinder) dort unten. Die Kinder haben womöglich andere Vorstellungen von der Partner‑, Berufs‑, oder Lebensmittelpunktwahl, als die Eltern. Sie haben eventuell eine andere Vorstellung davon, was ihnen Spaß macht, was sie als wichtig und erstrebenswert erachten. Sie haben vielleicht eine andere sexuelle Orientierung. Oder sehen einen anderen Sinn in ihrem Leben. Dabei wäre es so einfach, sämtliche Konflikte und Missverständnisse in allen Familien auf ein Minimum zu reduzieren. Weiterlesen

Medial verstrahlt

Wer in einer Schule, einem Hort oder in einer Kindertages‑, Jugend- oder sozialen Einrichtung arbeitet, erlebt relativ schnell die Folgen der Digitalisierung. Immer mehr Kinder haben eine Aufmerksamkeitsspanne von 30 Sekunden bis maximal 5 Minuten. Sie können alle »Fortnite«-Tänze, bauen tolle »Minecraft«-Welten, wissen schon sehr früh wie man mit smartphones und Tablets umgeht, aber können sich mit 6 Jahren nicht mehr die Schuhe zu binden, geschweige denn eine analoge Uhr lesen. Es ist daher völlig unverständlich, dass es von wissenschaftlicher Seite immer wieder heißt, man habe dafür »noch keine Daten« oder man müsse das Phänomen »noch untersuchen«. Die digitale Versumpfung von Millionen von Smartphone-Junkies ist jeden Tag überall zu beobachten.

Besonders bigott sind viele linksgrüne Bio-Öko-Alternativ-Eltern, die alles Digitale für ihre Kinder verbieten, aber selbst den ganzen Tag an der WhatsApp- und Facebook-Nuckelflasche hängen. An vielen Schulen und Kindertageseinrichtungen sind die Dummphones verboten. Es hängen Verbotsplakate. Es wird überall darüber informiert. Aber was interessiert das die Süchtigen. Bei Kita- und Schulveranstaltungen sitzen die Eltern nur noch mit erhobenen Händen da, um alles aufnehmen zu können. Wer Bus und Bahn fährt, glaubt in einem dystopischen Thriller zu sein. Übrigens: der Vergleich mit der Tageszeitung ist nur noch lächerlich. Offline ist das neue Bio!


»Automatisierung. Digitalisierung. Industrie 4.0.«
»Handystrahlung produziert Zombies«
»Digitale Dystopien«

Inklusion predigen. Neoliberalismus leben.

Auf jeder Arbeitsstelle müsste ein Schild hängen: »Beim Betreten endet die Demokratie! Willkommen im Neofeudalismus!«

Die Welt der Pädagogik ist nicht selten eine realitätsverweigernde Glasglocke, in der mit schillernden Fachbegriffen ein humanistisches Weltbild proklamiert wird, das vor allem in der real existierenden Lohnarbeitswelt (aber auch sehr häufig im zivilgesellschaftlichen Leben) schlicht nicht existiert. Da wird von...

  • Partizipation
  • Selbstwirksamkeit
  • Wertschätzung
  • Ganzheitliches Lernen
  • Inklusion

...und vielem mehr gesprochen. In der Regel interessiert das weder Politiker, Manager, Banker oder Unternehmensbosse. Für sie zählt nur der persönliche Vorteil und der Profit. Die pädagogische Arbeit ist daher in großen Teilen nicht nur ein Kampf gegen Windmühlen, sondern auch eine ermüdende Sisyphos-Arbeit. Kinder lernen vor allem: »Wasser predigen. Und Wein saufen!«


»Die zehn Gebote des Neoliberalismus«
»Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik«
»Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn«

Wo soll ich anfangen...

So einen Scheiß drucke ich nicht. Du bist unser Autor. Du hast uns nicht in den Rücken zu fallen.“ (Stellvertretende Chefredakteurin der »ZEIT«, Sabine Rückert, zum ehemaligen Bundesrichter Thomas Fischer, im Januar 2018, nachdem er die Vorverurteilung der »ZEIT« im Fall Dieter Wedel kritisiert hatte.)

...und wo aufhören? Der tägliche Irrsinn will einfach kein Ende nehmen.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) schlägt beispielsweise vor, Eltern (gemeint sind Väter), die keinen Unterhalt zahlen, den Führerschein zu entziehen. Giffey wörtlich: »Wir wollen die Daumenschrauben anziehen. [...] Wer nicht zahlt, läuft!« Für viele Lohnarbeiten benötigt man ein Auto, insbesondere in ländlichen Regionen. Viele besitzen gar kein Auto. Vielleicht verdienen viele auch nicht genug im Niedriglohn-Paradies Deutschland, um Unterhalt zahlen zu können? Und was genau haben jetzt die Kinder von dem Fahrverbot? :nene:

Auf einer Pegida-Demonstration in Dresden ruft ein Demonstrant, der zufällig ein LKA-Beamter ist, seine Polizei-Kumpels, die dann gegen das ZDF-Kamerateam von »Frontal 21« vorgehen. Sie werden von der Polizei beschimpft und fast eine Stunde lang festgehalten. Es gibt ein bisschen Bullshit-Bingo ‑der Vorfall werde untersucht- und das wars dann. Selbst viele der mehr als 500 Kommentare beim Tagesspiegel verteidigen noch das Verhalten des LKA-Beamten. RECHTSstaat Deutschland. Willkommen in der Bananenrepublik! :sick:

Presseblick (74)

»Nähme man den Zeitungen den Fettdruck weg, um wie viel stiller wäre es auf der Welt.« (Kurt Tucholsky)

SEO und Clickbait wohin man nur schaut. Kaum ein Online-Medien-Erzeugnis redet gern darüber, aber die Google-Algorithmen bestimmen längst, was, wann, wo und in welcher Form geschrieben und veröffentlicht wird. Vorbei sind die Zeiten, wo ein Redakteur für die Leser geschrieben hat, weil er das Thema für relevant hielt. Nun richten sich ganze Online-Redaktionen nach Google-Richtlinien und SEO-Begriffen. Foto-Klickstrecken mit 30 Seiten, kaum externe Links (oder Quellenangaben) sowie künstlich aufgeblähte Texte. Und das sieht man immer wieder an den Nicht-Artikeln. Beiträge, die keinerlei Informationswert haben, aber in denen wichtige Google-SEO-Keywords platziert werden, damit man bei der großen Suchmaschine schneller gefunden wird: »ist das aber leider alles nur heiße Luft.« Egal, Hauptsache wir haben den Klick kassiert. :euphorie:  Weiterlesen

Der pädagogische Happen (23)

 

 

 

 

(Tag 1. Schulhort. Abholsituation.)
Mutter: »Du Jonas, jetzt komm endlich, wir müssen dringend zum Judo!«
Pädagoge: »Jonas, Du räumst aber bitte noch das Lego auf!«
Mutter: »Muss das jetzt wirklich sein? Wir haben es sehr eilig!«
Pädagoge: »Das Aufräumen gehört zum Spielen dazu!«
(Die Mutter zieht ein langes Gesicht.)
(Tag 2. Klassenzimmer. Elterngespräch.)
Mutter von Jonas: »Mein Sohn will Zuhause nie aufräumen. Es gibt immer Streit. Habt Ihr da vielleicht ein paar Tipps?«


Der pädagogische Happen (1−22)

Kinder in Deutschland; Teil 44: »Problemkinder«

Das Web ist voll mit Artikeln und (Blog-)Beiträgen von Lehrern, Eltern und Redakteuren, welche die Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten von Kindern gerne verdrängen, verleugnen und verschweigen. Ganz im Zeitgeist der Eigenverantwortung, sollen schon 6 bis 18 Jährige vollkommen selbst dafür verantwortlich sein, wenn sie regelmäßig Grenzen überschreiten, keine Höflichkeit mehr kennen, respektlos und/oder komplett unselbstständig sind, Sprach-Schwierigkeiten haben, sozial-emotionale Defizite besitzen, ein gestörtes Nähe-Distanz-Verhalten aufweisen, Wahrnehmungsprobleme zeigen und so weiter. Der Grundtenor lautet meist: »Es sind nicht immer wir Eltern schuld!« »Doch«, sage ich! In 80 Prozent aller Problem-Fälle wird nicht erzogen, sondern verzogen. :jaja:  Weiterlesen

Eltern können nicht lesen!

Was? Wie? Wo? Ich?

Was? Wie? Wo? Ich?

Tatort: Schule.

  • An jeder Tür steht in großen Lettern und in bunt: »Im Winter bitte die Türen geschlossen halten!« Die Eltern lassen die Türen offen.
  • Vor und in der Schulmensa gibt es viele Hinweise darauf, dass dieser Ort ausschließlich nur für Kinder und Schulpersonal da ist. Die Eltern mögen bitte im Foyer warten. Machen viele aber nicht.
  • Smartphones sind auf dem ganzen Schulgelände für alle verboten. Jeder weiß das. Viele Eltern setzen sich irgendwo hin, zocken oder chatten.
  • An der Tür der Schulbibliothek steht in großen Buchstaben mit Bild: »Schuhe bitte ausziehen!« und »Ausleihe nur Mittwochs und Freitags!« Eltern ignorieren das regelmäßig und/oder machen auf doof-vorwurfsvoll: »Wieso kann mein Sohn/meine Tochter heute nichts ausleihen?«
  • Bei jedem Elterngespräch, bei Infoabenden und Elternbriefen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Kleidungsstücke, Trinkflaschen und Schulsachen mit den Namen des Kindes versehen werden sollten. Wird leider nur selten gemacht. Dann aber Pädagogen dazu auffordern, Jacken und Trinkflaschen suchen zu gehen.

Neulich auf dem Schulhof

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Ein Vater spricht zwei Pädagogen in einem deutlich aggressiven Ton an: »Ich möchte Sie nur darauf aufmerksam machen, dass Sie gerade Ihre Aufsichtspflicht verletzen! Da hinten prügeln sich mehrere Jungs und einer wird mit einem Schlüsselbund gewürgt!« Die Pädagogen reagieren leicht überrascht und geschockt: »Okay, wir schauen uns das mal an!« Nachdem sich die zwei Erzieher ausgiebig mit den Kindern unterhalten haben, es keine Würgemale und/oder weinende Kinder zu finden gibt, stellt sich heraus, dass  die Jungs komplett im Einvernehmen miteinander gespielt haben. Der Vater, der in der Nähe geblieben und gelauscht hat, kommentiert süffisant ‑und ohne jede Einsicht- aus kurzer Entfernung: »Zumindest habe ich Sie darauf hingewiesen!«

Danke. Du mich auch.