
Eine dunkle Gasse...
Es ist ein eher unbequemes Thema, das jedoch negative Folgen für die kindliche Entwicklung haben kann: die übertriebenen Ängste der Eltern. Um vorweg einem Missverständnis vorzubeugen: auch die Ängste der Eltern haben ihre Berechtigung und gehören zu einer gesunden Bindungs- und Erziehungsarbeit mit Kindern dazu.
In diesem Beitrag geht es jedoch um die übersteigerten und oft wenig zielführenden Panikreaktionen und Sorgen von Eltern, mit denen es, vor allem Lehrer, Erzieher, Therapeuten und Sozialpädagogen täglich zu tun haben.
Drei wichtige Merkmale in der kindlichen Entwicklung werden in den letzten Jahren immer mehr vernachlässigt: Selbstwirksamkeit, Selbstverantwortung und Selbstständigkeit. Phänomene wie Überbehütung, »Elterntaxis«, Smartphone-Tracking sowie »Helikopter-Eltern«, die Kinder präventiv vor jeder vermeintlichen Gefahr und jedem Scheitern beschützen wollen, sorgen nachhaltig dafür, dass Kinder immer weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zur Lebensbewältigung entwickeln können. Im sozialen Lebensraum Schule kann man das mittlerweile jeden Tag beobachten.
Mutter: »Hätten Sie mal kurz eine Minute?«
Ich habe manchmal den Eindruck, dass die heutigen 30–40jährigen die letzte Generation sind, die noch als Kinder wenig Verbote, kaum elterliche Überwachung, aber dafür viele Explorationsmöglichkeiten hatten. Ob alte Fabrikgelände, Ruinen, Mauern, Brachflächen, Hinterhöfe, Müll- und Schrottplätze, Hinterhöfe oder Waldgebiete: wir haben alles allein oder mit Freunden erkundet und erforscht. Wir haben den Sozialraum erobert. Wir durften bis 20 Uhr oder sogar 22 Uhr alleine draußen bleiben. Unsere Eltern haben uns blind vertraut und damit sehr stark unser Selbstbewusstsein und unsere Selbstständigkeit gefördert, ohne jemals an (früh-)kindliche Förderung gedacht zu haben. Dieses Zeitalter ist vorbei.