Enzyklopädie des relativen Wissens — Reloaded

Tada! Geschafft. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, haben wir unser 10-jähriges zum Anlass genommen, eine Buch-Version der EdrW zu gestalten. Also mit korrigierten Texten, 1–2 Bildern und auch mehr als nur einer Farbe. Aber leider nicht gedruckt, sondern nur in digitaler Form. Ist ja auch viel zeitgemäßer und umweltfreundlicher.

Wer jetzt zum ersten Mal etwas von der EdrW hört kann sie sich auch gerne vorab online anschauen, bevor ihr euch für den Klick auf das PDF entscheidet. Hier erst mal zwei Dateigrößen:

Enzyklopädie des relativen Wissens, 1. Auflage (Sommer-Edition)

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Ökonomie hemmt Würde

Den Preis für die »menschenfreundlichste« Bildunterschrift erhält diese Woche SpiegelOnline im Artikel »Entwicklungsländer: Millionen Kinder sterben an Mangelernährung«. Zitat: »Hunger verhindert Bildung und wirtschaftlichen Erfolg«. Bildung ist in diesem Kontext (und nicht nur hier) ein Synonym für beruflichen Erfolg. Der humanistische Blick ist wohl schon völlig flöten gegangen? Wie wärs mit: »Hunger hemmt Leben?« Wir sind wohl nur auf der Welt, um zu lohnarbeiten, oder wie? »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen« vom Menschenfreund Franz Müntefering (SPD) kann wohl getrost in »wer nicht arbeitet, soll auch nicht leben« erweitert werden. Zum Trost wirbt dann noch die Techniker Krankenkasse mit »Gesund in die Zukunft«.

Nordkorea

wikimedia. Kristoferb.

Im Fall Nordkorea scheinen sich alle einig zu sein. Über alle politischen Lager hinweg, wird das Land und dessen Führung als gefährlich, unberechenbar und wirtschaftspolitisch zurückgeblieben bezeichnet. Ob Welt, TAZ, BILD, die Bundesregierung, vermeintlich linke oder rechte Blogs, ja selbst die Blätter und die Le Monde sehen in Nordkorea eine Bedrohung. Das Land und seine Regierung seien niederträchtig, böse und barbarisch.  Dabei wird fast immer von außen auf das Land geschaut und geurteilt, anstatt einmal zu versuchen, sich politisch in die Rolle von Nordkorea zu begeben. Nicht unbedingt, um dessen Politik besser nachvollziehen zu können, aber um zumindest einmal die eigene Perspektive zu hinterfragen. Weiterlesen →

Presseblick (3)

Auf taz.de gibt es ein interessantes Interview mit Andrew Feinstein, ehemaliger Politiker aus Südafrika, der sich lange mit dem internationalen Waffenhandel beschäftigt hat: »Die Deutschen zählen zu den Korruptesten in Europa und die Europäer zu den Korruptesten weltweit«. Wie jetzt? Ich dachte immer, sowas denken nur Verschwörungstheoretiker, Pessimisten und Linksextremisten? Wir haben doch eine tolle Demokratie und eine wunderbare freie Marktwirtschaft, oder etwa nicht?

Auf tumblr.com gibt es Fotos vom türkischen Protest. Die Polizeigewalt kennt hier keine Grenzen. Erdogan lässt ohne Gnade auf seine Landsleute einprügeln.

Drei Atommächte rüsten ihr Atomkontingent auf, USA und Russland würden ihre Atomwaffen reduzieren, schreibt welt.de. Dennoch besitzen beide Staaten rund 8.000 Atomsprengköpfe. Eine Reduzierung bedeutet hier wohl eher eine quantitative Ab- und eine qualitative Aufrüstung. Fazit: außer Nordkorea und Iran dürfen (fast) alle Atomwaffen haben. Weiterlesen →

In der Gegenwart...

...fragt ein Schüler seinen Lehrer:

»Was versteht man heute unter Datenschutz?«

Die Lehrkraft antwortet:

»Datenschutz bedeutet, bei Facebook, Amazon, Skype, Apple, Microsoft, Ebay, Electronic Arts, Google und einem Freemail-Anbieter seine persönlichen Daten zu hinterlegen. Denn dort werden sie sicher verwahrt«.

Kinder in Deutschland; Teil 25: Knetmasse

Ich habe es hier schon öfter angesprochen: was Kinder wollen, was ihre Bedürfnisse und Wünsche sind, interessiert häufig nicht. Politiker und Unternehmer erst Recht nicht. Sie werden in Wirtschaft und Politik als Produkte, Ressourcen und Objekte betrachtet, die ganz nach den eigenen Interessen zurecht gebogen und abgerichtet werden dürfen. Weiterlesen →

Presseblick (2)

Ein Gipfel jagt den Nächsten: »Zweieinhalb Stunden hat der Integrationsgipfel im Kanzleramt gedauert [...] Mehr als 120 Vertreter aus Bund, Ländern, Kommunen, Migrantenverbänden, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden und Religionsgemeinschaften haben darüber diskutiert [...]«, steht auf welt.de. 120 Vertreter in 150 Minuten, da ist sicher jeder zu Wort gekommen. Das war eine vermutlich sehr lebhafte »Diskussion« mit viel Mehrwert. Feuchtkalter Wahlkampfgestank.

Audrey Magis, eine belgische Psychologin, war zwei Monate in Syrien und berichtet von ihren Erfahrungen auf aerzte-ohne-grenzen.de: »Aber wenn man etwas näher auf die Menschen eingeht, merkt man, dass die meisten von ihnen traumatisiert sind [...]«. Solche Berichte schaffen es natürlich nicht in die Tagesschau, dort zeigt man nur Kriegsvideos mit anonymer Internet-Quelle.

Auf focus.de will uns der »Top-Ökonom« (was ist das eigentlich?) Daniel Gros erzählen, wir sollen ordentlich konsumieren, um »die Wirtschaft« zu fördern (also um die Reichen reicher zu machen). Er kommt zu folgender Erkenntnis: »Das heißt nicht, dass jeder ärmer wird. Es heißt aber, dass keiner reicher wird«. Geiler Bullshit. Die Zahl der Vermögenden und Millionäre, die Boni-Auszahlungen sowie die Managergehälter sind in den letzten Jahren in Deutschland, trotz Krise, deutlich gestiegen (siehe faz.net vom 30. Mai 2013), genauso wie die Armut. Es müsste wohl eher heißen: »Es heißt, dass fast alle ärmer werden und nur sehr wenige reicher werden«.

ZG-Rückblick: Tote für die Mode

Am 24. April 2013 sind über 1.000 Menschen bei einem Fabrikeinsturz in Bangladesch ums Leben gekommen. Die Textilfabrik hat für internationale Textilkonzerne wie Kik, H&M, Ernstings und viele andere Kleidung hergestellt. Die Arbeiterinnen mussten für einen sehr niedrigen Lohn arbeiten und die Bedenken am Sicherheits- und Brandschutzsystem waren schon seit Jahren bekannt, da es immer wieder Tote gegeben hatte.

Sind nun die Verbraucher in der Verantwortung durch einen gezielten Fair Trade Konsum oder einen Boykott, die Textilkonzerne zum Umdenken zu bewegen? Helfen internationale Abkommen, um weitere Tote zu verhindern? Oder sind die Toten »Kollateralschäden« für unseren Luxus, billig Kleidung einkaufen zu können? Weiterlesen →

Neusprech: Babypause

»Bundesgesundheitsminister Bahr entdeckt die Familie. Nach Geburt seines ersten Kindes will er pausieren. Genau drei Wochen. Das Handy bleibe aber an, versichert der Mann«

- manager-magazin.de vom 17. Mai 2013

Der Begriff »Babypause« ist in den Massenmedien ein oft verwendetes Wort. Es ist ein Synonym für die Elternzeit, in der die Eltern sich intensiv um ihr neues Leben kümmern. Während »Elternzeit« jedoch wertneutraler ist, suggeriert die »Babypause« als würde Frau einen, vom Unternehmen bezahlten, Urlaub wahrnehmen. Babybilder, emotionale Reaktionen und Glückwünsche sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass der Begriff eher negativ besetzt ist, da die »Babypause« oft als »Karriereknick« gewertet wird. Weiterlesen →

Presseblick (1)

Inge Jacobs fragt auf stuttgarter-zeitung.de, wie es wohl gelingen kann, mehr Menschen in den Erzieher Beruf zu bringen? Natürlich nicht, indem man Erzieher endlich ordentlich bezahlt, sondern indem man millionenschwere Werbe-Kampagnen ins Leben ruft und laut darüber spricht.

In der Wirtschaftswoche (wiwo.de) wird geschildert, wie die Deutsche Bahn Graffiti Sprüher mit Drohnen-Kameras »jagen« will: »Der neue Hightech-Spürhund mit Logo der Bahn koste 60 000 Euro«. Hundert Stück und dann wären wir bei 6 Millionen Euro, Wartung noch nicht mit gerechnet. Gibts die auch mit Laser-Upgrade, falls die Terror-Sprüher Widerstand leisten?

Das Sprachrohr der Neoliberalen auf welt.de, Dorothea Siems, meint, so schlimm sei das alles mit der prekären Beschäftigung in Deutschland gar nicht: »Der in den vergangenen Jahren gewachsene Niedriglohnsektor bedeute keineswegs eine Verdrängung von gut bezahlter Arbeit, sondern sei vielmehr zusätzlich entstanden«. Da helfen auch keine Medikamente mehr.