Mord bleibt Mord

Gibt es in Deutschland einen Amoklauf oder macht ein prominenter Selbstmord, wie der Fussballer Robert Enke, dann gibt es Betroffenheitsmienen, politische Kundgebungen oder sogar groß inszenierte Open-Air Trauer mit Eventcharakter.  Für Opfer von rechtsextremen Straftaten gilt dies nicht. In Deutschland sind seit der Wiedervereinigung im Jahre 1990, nach Recherchen von »tagesspiegel« und »Zeit«, 137 Menschen durch rechtsextreme Gewalttäter brutal ermordet worden. Nach Angaben der Polizei gab es aber »nur« 47 rechtsmotivierte Morde. Im folgenden einige Beispiele aus der Recherche von »Zeit« und »tagesspiegel«. Weiterlesen →

Joschka Fischer, der (auf)rechte Linke

Im Rückblick ist mir auch aufgefallen, wie viel wir mit Rot-Grün angepackt und geleistet haben. Darauf bin ich stolz, und auch Gerhard Schröder hat allen Grund dazu. Bloß: Als aufrechter Linker darf man ja alles Mögliche sagen, aber auf keinen Fall, ich war erfolgreich.

- Joschka Fischer im Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 16. Februar 2011

Auch nach Jahren gibt es keine Einsicht oder zumindest einen Funken Selbstreflektion. Der Blick auf die Mehrheit der Bevölkerung, bleibt Fischer versagt. Die Grünen haben damals nur deshalb keinen Sturzflug bei den Wahlen erlebt, weil die SPD für alles verantwortlich gemacht wurde. Die Grünen haben, mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Christian Ströbele beim Afghanistan-Krieg, brav zugestimmt. Halten wir mal fest, worauf Fischer und Schröder so stolz sein können. Weiterlesen →

Wenn Oskar Lafontaine stirbt, dann...

...wird es so (oder so ähnlich) in den Gazetten stehen:

In der Nacht vom ... zum ... erlag der Linkspolitiker seinem Krebsleiden. Lafontaine war stets ein Kämpfer für die Schwachen und für mehr soziale Gerechtigkeit. Er war ein großartiger Redner und Buchautor. Ihm ist unter anderem die Gründung der Linkspartei zu verdanken. Auch warnte Lafontaine seine Wähler vor den Kosten der Deutschen Einheit, während Helmut Kohl von den »blühenden Landschaften« sprach, um wiedergewählt zu werden. Er blieb stets in der Tradition von Willy Brandt und der Friedensbewegung. Lafontaine war auf der Seite des Volkes und positionierte sich gegen Lobbyinteressen. Als linker Vordenker sprach er sich für einen Generalstreik als politisches Mittel aus.

Vielleicht wird es eine heuchlerische Einsicht geben. Wahrscheinlicher ist aber, dass folgendes verschwiegen wird: Weiterlesen →

Volksentscheid in Berlin

Am 13. Februar findet in Berlin, aufgrund des jahrelangen Drucks der Bürgerinitiative Berliner Wassertisch, ein Volksentscheid über die Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben statt. Im Jahre 1999 verkaufte der damalige CDU/SPD-Senat die Berliner Wasserbetriebe zu 49,9 Prozent an den Stromkonzern RWE und den französischen Wasserkonzern Veolia. Seitdem sind die Wasserkosten für alle privaten Verbraucher um ca. 35 Prozent gestiegen. Der Senat hatte im Jahre 1999 den Konzernen eine Profitsicherung zugesprochen, die notfalls auch das Land Berlin übernehmen müsse. Bei dem Volksentscheid am 13. Februar, geht es nun um die Offenlegung der dubiosen Geheimverträge. Der Senat argumentiert indessen, dass das Informationsfreiheitsgesetz die Offenlegung aller Verträge, bei denen es um die öffentliche Daseinsvorsorge ginge, sicher gestellt sei. Nach den Argumenten des Berliner Senats sei der Volksentscheid also überflüssig. Das Informationsfreiheitsgesetz sieht jedoch keine Sanktionen vor, wenn gegen die Offenlegung von Verträgen verstoßen wird.

Rotdorn-Radio hat am 21. September 2010 die Bürgerinitiative Berliner Wassertisch interviewt. Das Interview kann hier kostenlos runtergeladen werden.

Sprachrohr der Macht

SpiegelOnline beweist wieder einmal, dass die Redaktion ein Lakai der Macht ist:

Einflussreiche Finanzexperten rechnen beim Spitzentreffen in Davos mit einem schnellen Ende der Schuldenkrise. [...] Die Elite der globalen Finanzwelt ist sich nahezu einig: Europa ist auf dem besten Weg, seine Schuldenkrise zu überwinden. [...] Das ist die Quintessenz dessen, was die meisten Großen der Branche in diesen Tagen beim Weltwirtschaftsforum in Davos der Öffentlichkeit mitteilen wollen.

»Einflussreiche Finanzexperten, die Elite, die Großen der Branche« — das soll Respekt einflößen und die Glaubwürdigkeit der Aussagen erhöhen.  Weiter unten im Artikel werden dann der Deutsche Bank Chef Ackermann, Chef der US-Investmentbank JP Morgan Chase, Zurich-Financial-Finanzchef Wemmer sowie die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro erwähnt. Das sind also die Großen, die Mächtigen, die Herrschenden. Nur was sie sagen oder entscheiden, ist von Bedeutung. Kritische oder gegenteilige Meinungen ‑abseits der Großen und der Experten- gibt es in dem Artikel nicht.

Alles ist Meinung

Alles ist Meinung. Das Streben nach Objektivität und das Ideal der Versachlichung und Neutralität ist ein demagogischer Schachzug, um das ideologische Denken hinter den Aussagen zu verstecken. Jetzt werden vielleicht einige einwenden, dass die Wissenschaft der Forschung verpflichtet sei und demnach zumindest versuche, objektiv und empirisch vorzugehen. Schließlich wird jedem Studenten einer Sozialwissenschaft nahegelegt, im Laufe seines Studiums stets empirisch, objektiv und wertfrei zu sein. Andere werden vielleicht behaupten, meine These sei zu radikal und ich versuche eh nur das Meinungsbloggen hochzuschreiben. Mag sein. Weiterlesen →

Der Fall Carsten Maschmeyer

Klaus Baum hat schon einiges zum Multi-Millionär Carsten Maschmeyer geschrieben. Sein Vermögen wird auf über 650 Millionen Euro geschätzt. Der Finanzdienstleister ist tief in Kumpanei, Filz und Korruption verstrickt. Gerhard Schröder, Christian Wulff, Thomas Gottschalk, Guido Westerwelle und viele andere Prominente nennen ihn einen »Freund«. Seine Frau Veronica Ferres findet sicher seinen Charakter ganz toll und nicht sein Geld.  Wer wirklich reich werden will in Deutschland, muss skrupellos, kriminell und rücksichtslos sein. Der folgende Film klärt über den Fall Maschmeyer auf. Unter anderem gibt es ein sehr aufschlußreiches Interview mit Albrecht Müller von den Nachdenkseiten (ab Minute 20:24).

Maschmeyer wehrte sich juristisch bis aufs Äußerste gegen diesen Beitrag! Ein Fortsetzungsvideo gibt es hier!

Was macht eigentlich...Horst Köhler?

Am 31. Mai 2010 ist der damalige Bundespräsident Horst Köhler überraschend von seinem Posten zurückgetreten. Seine Begründung war die heftige Kritik an seiner Äußerung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr:

Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen. Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten – mit sofortiger Wirkung.

Inwiefern das wirklich zutrifft oder Köhler auch andere Beweggründe hatte, wird bis heute scharf diskutiert. Einige Wochen später verflog der Medienwirbel um den, von der Presse so zitierten, »Mann des Volkes«. Heute gibt es so gut wie keinen Beitrag mehr über ihn in der bürgerlichen Presse. Was aber macht Horst Köhler heute? Weiterlesen →

Expertengewäsch

Sie sind seit jeher die Speerspitze zur Argumentationsverstärkung: vermeintliche Politik- und Wirtschaftsexperten. Wir begegnen den Doktoren, Professoren, Hochschulabgängern, selbsternannten Sachkundigen, Wissenschaftlern oder sonstwie mit einem Titel versehenen Menschen, in jedem Medium. Ob Radio, Fernsehen, Printmedien oder Internet — sie sind überall. Die oft selbstverliebten Lackaffen fungieren häufig als erste und letzte Instanz, um bestimmte Interessen durchzusetzen. In Deutschland gibt es eine große Expertenhörigkeit und Expertengläubigkeit. Was ein Fachmann sagt und denkt, muss ja stimmen. Er oder Sie hat schließlich studiert, es gelernt, sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Oft wird vergessen, dass auch Experten Menschen und keine Halbgötter in Weiß sind. Sie haben Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Ängste. Und auch sie gehen aufs Klo.

Hinter einem vermeintlich objektiven Expertengewäsch steckt nur zu oft, eine Ideologie, ein Welt- und Menschenbild von der alle Gedanken getragen werden. Das Wissen von Fachidioten richtet sich, meiner Meinung nach, eben nicht nach dem NichtGott der Objektivität und der Neutralität, sondern nach Interessen und Weltbild. Oft genug reicht es,  bei Experten-Texten und Reden, das Welt- und Menschenbild sowie die Ideologie dahinter zu suchen und zu erkennen.  Denn bestimmte Weltbilder folgen immer bestimmten Argumentationsrichtlinien. Den Rest des Geschwurbels kann man sich dann gleich sparen.