Mediales Dauerfeuer — was wissen wir wirklich?

In diesen Tagen kann man das System der bürgerlichen Presse und ihre Methoden hervorragend beobachten und analysieren. Es passiert nämlich nur selten, dass gleich zwei Großereignisse die Bildschirme und die Zeitungen dominieren. Beide, der »Libyen-Krieg« und die »Japan-Krise«, verdrängen fast alle anderen Themen (Guttenberg, Wikileaks usw.) Wer im gesellschaftspolitischen Diskurs mitreden will, kommt an diesen Themen nicht vorbei. Ein paar Gedanken zur medialen Diskurssteuerung. Weiterlesen →

Serdar Somuncu Interview

Der Radiosender 1LIVE hat Anfang März Serdar Somuncu interviewt (wir hatten hier schon ein paar Videos von Serdar verlinkt). Bei einem ZG-Treffen hatten wir mal überlegt, eine Interviewanfrage zu starten, da uns die eine oder andere Frage auf der Zunge lag. Jetzt wird in dem Interview aber im Großen und Ganzen alles beantwortet. Man erfährt ein paar Dinge aus seiner Jugend und die Motivation hinter dem Provozieren. Er sagt noch mal ganz offen, dass er von den angesagten Comedians nichts hält und es schlimm findet, wenn das Publikum immer für blöde gehalten wird.

Wer es jetzt auch mal hören will, hier gibt es den Podcast zur Sendung: Lustig. provokant, politisch — Talk mit Serdar Somuncu (09.03.2011) (mp3)

Menschen, Macht und Spiele (Teil 1)

http://www.flickr.com/photos/scalino/4654934962/#/

An sich wollte ich nur einen Kommentar zum Blogbeitrag »Eine süße Droge« schreiben, aber es kam halt anders als geplant, vor allem umfangreicher. Außerdem dachte ich mir dieser Beitrag würde womöglich an Reife gewinnen, wenn ich ihn noch länger stehen lasse. Leider sind Blogbeiträge aber kein Wein und sind schon nach einigen Monaten eher Essig, so dass ich euch heute nach einer Revision und nach entsprechendem Druck meiner Vorgesetzten mit dem ersten Teil dieser Gedankensammlung zum Thema Spielen beglücke. Weiterlesen →

Mord bleibt Mord

Gibt es in Deutschland einen Amoklauf oder macht ein prominenter Selbstmord, wie der Fussballer Robert Enke, dann gibt es Betroffenheitsmienen, politische Kundgebungen oder sogar groß inszenierte Open-Air Trauer mit Eventcharakter.  Für Opfer von rechtsextremen Straftaten gilt dies nicht. In Deutschland sind seit der Wiedervereinigung im Jahre 1990, nach Recherchen von »tagesspiegel« und »Zeit«, 137 Menschen durch rechtsextreme Gewalttäter brutal ermordet worden. Nach Angaben der Polizei gab es aber »nur« 47 rechtsmotivierte Morde. Im folgenden einige Beispiele aus der Recherche von »Zeit« und »tagesspiegel«. Weiterlesen →

Wenn Oskar Lafontaine stirbt, dann...

...wird es so (oder so ähnlich) in den Gazetten stehen:

In der Nacht vom ... zum ... erlag der Linkspolitiker seinem Krebsleiden. Lafontaine war stets ein Kämpfer für die Schwachen und für mehr soziale Gerechtigkeit. Er war ein großartiger Redner und Buchautor. Ihm ist unter anderem die Gründung der Linkspartei zu verdanken. Auch warnte Lafontaine seine Wähler vor den Kosten der Deutschen Einheit, während Helmut Kohl von den »blühenden Landschaften« sprach, um wiedergewählt zu werden. Er blieb stets in der Tradition von Willy Brandt und der Friedensbewegung. Lafontaine war auf der Seite des Volkes und positionierte sich gegen Lobbyinteressen. Als linker Vordenker sprach er sich für einen Generalstreik als politisches Mittel aus.

Vielleicht wird es eine heuchlerische Einsicht geben. Wahrscheinlicher ist aber, dass folgendes verschwiegen wird: Weiterlesen →

ZG-Rückblick: Dschungelcamping

Vor gut zehn Jahren gab es einen Aufschrei durch die Medienlandschaft als sich ein Zlatko mit einer Menge Kameras in einem Container einschliessen ließ. Heute heißt es, aus was weiß ich für einer Quelle, jeder vierte Akademiker schaue regelmäßig das Dschungelcamp. Wobei wohl auch ergänzend erwähnt wurde, dass sich dies auf alle überhaupt regelmäßig fernsehschauenden Akademiker bezieht und wenn ich mal spekulieren darf, vermute ich auch, dass diese alle in der Medienbranche arbeiten. Wie auch immer, neulich sitzt im öffentlich rechtlichen Fernsehen Markus Lanz, seines Zeichens regelmäßig Dschungelcamp schauender Akademiker, in seiner Sendung zusammen mit einigen »Promis«, die fast alle keinen direkten Bezug zum Thema zu haben scheinen, und tauscht Meinungen über die »Camper« aus. Es scheint so, als seien wir endlich endgültig über die medienethische Diskussion hinaus und endlich können und wollen alle mitsprechen beim Thema. Wieso eigentlich? Egal, jetzt müssen die ZG’ler auch ran, ob sie wollen oder nicht.

(Nebenbei ist das ganze schon wieder vorbei und nach letzten Informationen scheint jemand »gewonnen« zu haben, dessen Namen ich noch nie gehört habe) Weiterlesen →

Sprachrohr der Macht

SpiegelOnline beweist wieder einmal, dass die Redaktion ein Lakai der Macht ist:

Einflussreiche Finanzexperten rechnen beim Spitzentreffen in Davos mit einem schnellen Ende der Schuldenkrise. [...] Die Elite der globalen Finanzwelt ist sich nahezu einig: Europa ist auf dem besten Weg, seine Schuldenkrise zu überwinden. [...] Das ist die Quintessenz dessen, was die meisten Großen der Branche in diesen Tagen beim Weltwirtschaftsforum in Davos der Öffentlichkeit mitteilen wollen.

»Einflussreiche Finanzexperten, die Elite, die Großen der Branche« — das soll Respekt einflößen und die Glaubwürdigkeit der Aussagen erhöhen.  Weiter unten im Artikel werden dann der Deutsche Bank Chef Ackermann, Chef der US-Investmentbank JP Morgan Chase, Zurich-Financial-Finanzchef Wemmer sowie die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro erwähnt. Das sind also die Großen, die Mächtigen, die Herrschenden. Nur was sie sagen oder entscheiden, ist von Bedeutung. Kritische oder gegenteilige Meinungen ‑abseits der Großen und der Experten- gibt es in dem Artikel nicht.

Bewerbungsanalphabeten

In der vermeintlich linksbürgerlichen Süddeutschen Zeitung gibt es einen Artikel vom 28. Oktober 2010 mit Tips und Ratschlägen für das Bewerbungsschreiben und das Vorstellungsgespräch. Mithilfe von Bewerbungstrainern, wird den jobhungrigen Bewerbungsanalphabeten nahe gelegt, dass die Chance, eine sozialversicherungspflichtige Lohnarbeit zu erhalten, einzig und allein vom richtigen Verhalten der Bewerber abhängt. Beziehungen, sozialer Status, Glück und Aussehen spielen dabei natürlich eine untergeordnete Rolle. Folgendes sollte, laut dem lustig-lustig geschriebenem SZ-Bewerbungsknigge beachtet werden (mit bissigen Kommentaren von mir): Weiterlesen →