Von der Notwendigkeit der Faulheit

Roberto J. De Lapuente (ad sinistram) lag nun wieder monatelang auf der faulen Haut. Seine Bequemlichkeit zur Tugend erhoben, hat er uns ein neues Buch mit dem Titel »Auf die faule Haut« beschert. Ich muss gestehen, dass ich sein Erstling »unzugehörig« als einen Tick spannender, runder und geschliffener empfunden habe. Dennoch ist sein zweites Werk durchaus empfehlens- und lesenswert. Eine durchweg verspielte Sprache, viele kritische Analysen sowie eine Auseinandersetzung mit vielen dunklen Flecken unserer Zeit, verspricht und hält Robertos zweites Werk. Weiterlesen

Filmtipp: 72 Stunden — the next three days

Für mich gibt es immer weniger Filme, die ich als spannend, mitreißend oder »gut« befinden würde. Viele Charaktere handeln mir zu unglaubwürdig, sind zu glatt, zu stark, zu perfekt. Seit einiger Zeit gibt es jedoch einen Trend in der Filmbranche,  die Hauptrollen menschlicher, also durchaus mit Schwächen zu versehen: »the Wrestler« oder »the big Lebowski« sind zwei solcher Filme. Die Serie »breaking bad« ebenso. Der Kinofilm »72 Stunden« mit Russel Crowe in der Hauptrolle wagt diesen Schritt zwar nicht ganz, ist dafür aber glaubwürdig und spannend inszeniert. Weiterlesen

Mediales Dauerfeuer — was wissen wir wirklich?

In diesen Tagen kann man das System der bürgerlichen Presse und ihre Methoden hervorragend beobachten und analysieren. Es passiert nämlich nur selten, dass gleich zwei Großereignisse die Bildschirme und die Zeitungen dominieren. Beide, der »Libyen-Krieg« und die »Japan-Krise«, verdrängen fast alle anderen Themen (Guttenberg, Wikileaks usw.) Wer im gesellschaftspolitischen Diskurs mitreden will, kommt an diesen Themen nicht vorbei. Ein paar Gedanken zur medialen Diskurssteuerung. Weiterlesen

Serdar Somuncu Interview

Der Radiosender 1LIVE hat Anfang März Serdar Somuncu interviewt (wir hatten hier schon ein paar Videos von Serdar verlinkt). Bei einem ZG-Treffen hatten wir mal überlegt, eine Interviewanfrage zu starten, da uns die eine oder andere Frage auf der Zunge lag. Jetzt wird in dem Interview aber im Großen und Ganzen alles beantwortet. Man erfährt ein paar Dinge aus seiner Jugend und die Motivation hinter dem Provozieren. Er sagt noch mal ganz offen, dass er von den angesagten Comedians nichts hält und es schlimm findet, wenn das Publikum immer für blöde gehalten wird.

Wer es jetzt auch mal hören will, hier gibt es den Podcast zur Sendung: Lustig. provokant, politisch — Talk mit Serdar Somuncu (09.03.2011) (mp3)

Menschen, Macht und Spiele (Teil 1)

http://www.flickr.com/photos/scalino/4654934962/#/

An sich wollte ich nur einen Kommentar zum Blogbeitrag »Eine süße Droge« schreiben, aber es kam halt anders als geplant, vor allem umfangreicher. Außerdem dachte ich mir dieser Beitrag würde womöglich an Reife gewinnen, wenn ich ihn noch länger stehen lasse. Leider sind Blogbeiträge aber kein Wein und sind schon nach einigen Monaten eher Essig, so dass ich euch heute nach einer Revision und nach entsprechendem Druck meiner Vorgesetzten mit dem ersten Teil dieser Gedankensammlung zum Thema Spielen beglücke. Weiterlesen

Mord bleibt Mord

Gibt es in Deutschland einen Amoklauf oder macht ein prominenter Selbstmord, wie der Fussballer Robert Enke, dann gibt es Betroffenheitsmienen, politische Kundgebungen oder sogar groß inszenierte Open-Air Trauer mit Eventcharakter.  Für Opfer von rechtsextremen Straftaten gilt dies nicht. In Deutschland sind seit der Wiedervereinigung im Jahre 1990, nach Recherchen von »tagesspiegel« und »Zeit«, 137 Menschen durch rechtsextreme Gewalttäter brutal ermordet worden. Nach Angaben der Polizei gab es aber »nur« 47 rechtsmotivierte Morde. Im folgenden einige Beispiele aus der Recherche von »Zeit« und »tagesspiegel«. Weiterlesen

Wenn Oskar Lafontaine stirbt, dann...

...wird es so (oder so ähnlich) in den Gazetten stehen:

In der Nacht vom ... zum ... erlag der Linkspolitiker seinem Krebsleiden. Lafontaine war stets ein Kämpfer für die Schwachen und für mehr soziale Gerechtigkeit. Er war ein großartiger Redner und Buchautor. Ihm ist unter anderem die Gründung der Linkspartei zu verdanken. Auch warnte Lafontaine seine Wähler vor den Kosten der Deutschen Einheit, während Helmut Kohl von den »blühenden Landschaften« sprach, um wiedergewählt zu werden. Er blieb stets in der Tradition von Willy Brandt und der Friedensbewegung. Lafontaine war auf der Seite des Volkes und positionierte sich gegen Lobbyinteressen. Als linker Vordenker sprach er sich für einen Generalstreik als politisches Mittel aus.

Vielleicht wird es eine heuchlerische Einsicht geben. Wahrscheinlicher ist aber, dass folgendes verschwiegen wird: Weiterlesen