Der gute Kapitalismus

gutkapi_titelNach dem Mauerfall und dem weltweiten Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, hat der Kapitalismus sein Gegenmodell verloren, vielleicht mit Ausnahme heutiger lateinamerikanischer Sozialismus-Formen. In diesem Zusammenhang behauptet er, die einzige wirtschaftspolitische Alternative zu sein. Da aber jedes System als Abgrenzung, Legitimation und Polarisation ein Gegenmodell benötigt, wird nun mehr und mehr versucht innerhalb des Kapitalismus selbst, zwischen vermeintlich guten (Biokonsum, Fair Trade, Emissionshandel, Öko-Siegel etc.) und schlechten Ausprägungen (Finanzkapitalismus, Hedge Fonds, Heuschrecken, Neoliberalismus etc.)  zu unterscheiden. Dabei ist und bleibt das gesellschaftliche Eigentum stets ungerecht verteilt und das Dogma der Profitorientierung sowie des unendlichen Wachstums bleiben immer unangetastet. Weiterlesen →

Selbstverschuldete Erwerbslosigkeit

  1. Zu ausländisch. Ein nicht-deutscher Nachname, ein Akzent und/oder ein arabisch-asiatisch-afrikanisches Aussehen.
  2. Zu dick und/oder zu stark übergewichtig bzw. zu vermeintlich unattraktiv.
  3. Zu selbstbewusst, zu intelligent und/oder zu hochqualifiziert (und damit zu anspruchsvoll, was die Gehaltsvorstellungen angeht)
  4. Zu schwanger, zu sehr Mutter mit Kind oder mit Kinderwunsch.
  5. Zu ehrlich und zu anständig.
  6. Zu links und/oder zu kritisch.
  7. Zu krank und/oder zu alt.
  8. Zu wenig »Vitamin B«.

Letztendlich sind das natürlich nur haltlose Behauptungen und Übertreibungen von mir. In Deutschland herrscht ein Diskriminierungsverbot. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), oder auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, schützt effektiv vor Benachteiligungen im Arbeitsmarkt. Die wahren Gründe, warum viele Millionen Menschen in Deutschland keine Arbeit finden, sind Faulheit, Dummheit und Anpassungsverweigerung. Und die Behauptung von einer strukturell fest verankerten Massenerwerbslosigkeit, die politisch und wirtschaftlich gewollt ist, entspringt nur den fixen Ideen von linken Spinnern, die ihren Arsch nicht hoch kriegen und immer nur nörgeln wollen.

Selbstverwirklichung durch Fremdbestimmung

Wer einer Lohnarbeit nachgehe, verdiene sein eigenes Geld, sei nicht mehr vom Staat abhängig, sorge für sich selbst und seine Familie, verwirkliche sich selbst und nehme aktiv an der Gesellschaft teil. So lautet eine der üblichen, allgemein gültigen und selten in Frage gestellten Dogmen der westlichen Industriegesellschaften. Manche Menschen sind gar »selbstständig« oder gründen eine »Existenz«. Wer als ein vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft anerkannt, ja als Mensch respektiert und nicht zu den Überflüssigen zählen will – der muss einer Lohnarbeit nachgehen. Unabhängig davon, welche Vorstellungen er oder sie vom Leben hat. Individualismus bedeutet, die eigene Lebensgestaltung, Selbstfindung und Sinnerfüllung der vorhandenen sozioökonomischen Struktur zu unterwerfen. Weiterlesen →

Der Praktikantenstaat

1.    In der Oberschule: dreiwöchiges Praktikum.
2.    Während des Studiums oder der Ausbildung: Praktikum.
3.    Nach dem Studium oder der Ausbildung: Praktikum.
4.    Während der Fortbildung oder der Umschulung: Praktikum.
5.    Praktikumsbörsen werden manchmal von Praktikanten organisiert.
6.    Absagen auf Praktikastellen werden häufiger von Praktikanten geschrieben.
7.    Praktikanten werden nicht selten von Praktikanten eingearbeitet.
8.    Das Gehalt eines Praktikanten wird in Form von Lob und Zeugnis ausbezahlt.

Praktika gehören zur Berufswahl dazu. Irgendwann macht fast jeder eines. [...] Ein Praktikum kann die Eintrittskarte in die Job-Welt sein. [...] Die Tatsache, dass man seine Freizeit dafür geopfert hat, zeigt Motivation und Leistungsbereitschaft.

- Bundesagentur für Arbeit

Eigennützig Gemeinnützig

Sponsoren: Deutsche Bank, Allianz-Versicherung, McKinsey

Der soziale Sektor bzw. der ehrenamtliche Bereich in Deutschland, ist ein Dschungel von Tausenden Projekten, Förderstellen und Sponsoren. Es gibt Projekte für Integration, Kinder- und Tierpatenschaften, Umweltschutz, Inklusion, Aidsaufklärung- und Prävention, Bildung, Engagement für mehr Toleranz, gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus und viele mehr. In der Regel handelt es sich nur um zeitlich befristete Projektförderung mit Leuchtturmprinzip, statt um eine echte Infrastrukturförderung. Politik und Wirtschaft unterstützen soziale Projekte, um Sozialausgaben zu sparen und um Imagepflege zu betreiben. Weiterlesen →

Personalfreisetzung

by epikur

Bald ist es soweit! Es dauert nicht mehr lange! Die massenhaften kreativen Freisetzungen sind in vollem Gange. Endlich haben viele Menschen wieder Zeit für ihre Hobbys, zum Spazieren gehen oder auch zum Lesen. Auch wenn sie vorerst weniger Geld haben und dann nach einem Jahr in die staatlich verordnete Armut (auch »Hartz 4« genannt) gedrückt werden. Schuld für die Entlassungen sind eine mangelnde Eigenverantwortung, keine vorhandene positive Lebenseinstellung, zuwenig individuelle Flexibilität und die schicksalhafte Krise, für die niemand verantwortlich ist. Im folgenden ein kleiner Auszug kommender Massenentlassungen.

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Demütigung statt Motivation

Originalfoto: Andreas Praefcke (wikimedia)

  1. Um Almosen zu betteln, ist demütigend.
  2. Sich für seine Erwerbslosigkeit zu rechtfertigen, ist demütigend.
  3. Zu einem Niedriglohnjob gezwungen zu werden, ist demütigend.
  4. Zu einer sinnlosen Maßnahme gezwungen zu werden, ist demütigend.
  5. Die Aberkennung von individuellen Abschlüssen und Berufserfahrungen, ist demütigend.
  6. In den Medien als wertloser Schmarotzer und Ballastexistenz beschimpft zu werden, ist demütigend.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

- Grundgesetz, Artikel 1, Absatz 1

erniedrigt, gedemütigt, diskriminiert

Aus aktuellem Anlass, der tödlichen Messerattacke auf eine Jobcenter-Mitarbeiterin, ein ZG-Beitrag vom April 2011. Ergänzt werden sollte noch: »möchte menschenwürdig behandelt werden«.

Die Überflüssigen

Mann mittleren Alters, unsportlich, in einer 1 Zimmer-Wohnung lebend, kein Job, kein Geld, kein Auto, möchte respektiert und geliebt werden.

Kleinkind, neugierig auf die Welt, spricht, lacht und weint lebensfroh, tobt und spielt gerne in der Wohnung, möchte respektiert und geliebt werden. Weiterlesen →

Die Destruktivität des Leistungsgedanken

Im Sinne der sog. »Leistungsgerechtigkeit« hat jeder soviel verdient, wie er leistet. Das heißt jeder leistet soviel, wie er verdient. Insofern leistet ein Manager zweihundertmal soviel wie seine Angestellten und das rechtfertigt auch seine zweihundertfach höhere Bezahlung.

Dieses Denken ist in großen Unternehmen, konservativen Kreisen und Konzernen weit verbreitet. Mittlerweile wird leider auch der soziale Bereich davon vergiftet. Die Ökonomisierung des Sozialen, im Sinne eines Kosten-Nutzen-Kalküls, ist in Deutschland seit über 20 Jahren gang und gäbe. Nun übernehmen immer mehr soziale Träger das sog. »Leistungsbeurteilungsverfahren«, mit dessen Hilfe die Arbeit in sozialen Einrichtungen (Pflegeheime, Kindergärten, Beratungsstellen, soziale Notdienste, Jugendeinrichtungen usw.) vermeintlich objektiv gewertet und gemessen werden soll. Weiterlesen →