Andreas von Duckhome hat mich auf die interessante Video-Sammlung der Dresdner Sozialwacht aufmerksam gemacht. Diese zeigen deutlich, wie menschenunwürdig die Jobcenter mit ihren »Kunden« umgehen. Jede Willkür, Schikane und Drangsalierung ist erlaubt. Hartz4 soll Angst machen und diejenigen, die noch Lohnarbeit haben, eine deutliche Warnung sein. Hier ein Beispiel (von vielen!):
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Freiheit im Gefängnis
»Ein leistungsfähiges Individuum ist jemand, dessen Verhalten nur insofern Aktion ist, als es die richtige Re-Aktion auf die objektiven Anforderungen des Apparates ist und dessen Freiheit sich beschränkt auf die Wahl des angemessensten Mittels, um den Zweck zu erreichen, den es selbst nicht gesetzt hat.«
— Herbert Marcuse. (Dieses Zitat ist nicht aus »Der eindimensionale Mensch«, sondern aus »Einige gesellschaftliche Folgen moderner Technologie‹, in: Schriften Bd. 3. »Dem User »Blub« war das wichtig.)
Anmerkung: Oder auch: Selbstentfremdung durch den Lohnarbeitszwang. Heute wird euphemistisch behauptet (auch in linken Kreisen), dass der sozioökonomische Druck zum Lohnarbeits-Fetisch, nicht entfremden, sondern die Menschen an der Gesellschaft teilhaben lassen würde. Das Leben in Lohnarbeits-Knechtschaft und finanzieller Abhängigkeit mache also aus Menschen freie Persönlichkeiten?
Mentale Maulkörbe
»Um zu erfahren, wer über dich herrscht, finde einfach heraus, wen du nicht kritisieren darfst.«
- Voltaire (1694−1778)
Anmerkung: Politiker und Abgeordnete werden von den Massenmedien, von Unternehmen, Verbänden und Nicht-Regierungsorganisationen, der Wissenschaft und letztlich von der Bevölkerung in großem Umfang kritisiert. Sie sind der Boxsack, an dem sich Wut, Frust und Ohnmacht entladen darf. Aber sie haben nicht die Kontrolle, wenn man nach Voltaire geht. Wen wir nicht in Frage stellen dürfen, sind unsere Geldgeber, »Arbeitgeber«, Anzeigenkunden, Sponsoren, Investoren und Förderer. Alle, von denen wir ökonomisch abhängig sind. Da halten wir komplett die Schnauze. Sie sind es, die über uns herrschen.
Der perfekte Lohnarbeiter
- Macht nur den Mund auf, wenn er etwas gefragt wird oder für das Unternehmen relevante Informationen hat.
- Ist gegenüber der Geschäftsführung nicht hinterfragend. Engagiert sich nicht im Betriebsrat und ist kein Gewerkschaftsmitglied.
- Verlangt nie eine Gehaltserhöhung und ist stets mit dem zufrieden, was er bekommt.
- Berichtet dem Chef zuverlässig und regelmäßig von aufsässigen und kritischen Mitarbeitern.
- Macht freiwillig unbezahlte Überstunden und Mehrarbeit.
- Sein Selbstbewusstsein hängt von seiner Lohnarbeit ab.
- Wird niemals krank, hat keine Kinder, will niemals Nachwuchs und hat auch sonst keinerlei arbeitsfremde Verpflichtungen.
- Besucht nach der Arbeit und am Wochenende freiwillig arbeitsrelevante Fortbildungen, Kurse und Seminare, die er komplett alleine bezahlt.
- Ist während seines Urlaubs telefonisch und per E‑Mail immer erreichbar.
- Benötigt keine Einarbeitung und übernimmt gerne fachfremde Aufgaben.
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (Teil 3)
[In der Kaffeeküche]
Frau Hein: (verärgert) Oh man, schon wieder über 500 Akten sortieren. Dafür habe ich doch nicht fünf Jahre studiert!
Frau Sonntag: Ja, das macht wirklich keinen Spaß. Aber gehört nun mal leider zur Arbeit dazu. Ach, wann fängt eigentlich der neue Praktikant bei uns an?
Frau Hein: Ich glaube, der kommt morgen früh.
Frau Sonntag: Naja, Du kannst das ja dem Praktikanten übertragen. So wird er gleich eingearbeitet. Weiterlesen
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (Teil 2)
[Im Büro vom Chef]
Chef: (angespannt) Sie wollten mich sprechen, Frau Lange?
Frau Lange: Ja.
Chef: Gut. Worum geht es? Bitte machen Sie schnell, ich habe gleich noch einen wichtigen Geschäftstermin.
Frau Lange: Die Frau Uhlig erzählt in der Firma Lügen über mich. Sie behauptet, ich würde faul sein, keine Fachkenntnisse haben und Kunden vergraulen. Außerdem sei ich nicht flexibel und belastbar, weil ich eine alleinerziehende Mutter sei. Weiterlesen
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn
[Im Pausenraum]
Chef: (wütend) Das ist unglaublich! Was erlauben die sich eigentlich?
Sekretärin: Entschuldigen Sie, was ist denn passiert?
Chef: Mein Sohn hat einen Strafzettel bekommen, weil er angeblich zu schnell gefahren ist. Aber das ist unmöglich, denn ich habe ihm persönlich beigebracht, wie man sich im Straßenverkehr zu verhalten hat.
Sekretärin: Ich verstehe. Und was haben Sie nun vor? Weiterlesen
Arbeit. Anpassung. Ausbeutung.
Die Menge an Euphemismen für einen Sachverhalt, kann als ein Indikator dafür dienen, wie unangenehm eine Wahrheit für die Herrschenden ist. Die Realität soll, im Dienste von Partikularinteressen, so zurecht gebogen, verdrängt, verharmlost und schöngefärbt werden, bis sie in die vorherrschende Ideologie passt. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Euphemismen, wenn es um die Kündigung von (Lohn-)Arbeitskräften geht, also wenn Menschen ihrer finanziellen Existenzgrundlage entzogen und zum Bittsteller beim Arbeitsamt gemacht werden:
- Den Mitarbeiter freistellen oder freisetzen.
- Umstrukturierungs- oder Restrukurierungsmaßnahmen.
- Das Unternehmen sanieren.
- Personalumbau.
- Gesundschrumpfung.
- Sich neu aufstellen.
- Sozial verträglicher Stellenabbau. Betriebsbedingte Kündigung.
Die Euphemismen sollen mit allen Mitteln verhindern, dass ein wirtschafts‑, unternehmens- oder gar kapitalismuskritisches Weltbild entstehen könnte. Außerdem sind sie stets aus der Position des Unternehmens formuliert, also beschreiben, was das Unternehmen will, ohne jedoch die Verantwortlichen beim Namen zu nennen. Dies verdeutlicht zum Einen, dass die Sprache immer die Sprache der Herrschenden ist und zum Anderen, dass Lohnarbeiter als reine Verfügungsmasse für den Profit betrachtet werden. Denn was Lohnarbeiter denken und fühlen, findet in unserer Sprache erst dann Berücksichtigung, wenn es zur »Depression« oder zum »Burnout-Syndrom« kommt.
Freiheit?
»Ein Arbeiter ist nicht frei wie ein Bürger, er ist nicht frei, zu denken und zu handeln wie ein Bürger, er hat nur die Freiheit, zwischen der Revolution und der Resignation zu wählen.«
- Jean-Paul Sartre. »Der Mensch und die Dinge«. Rowohlt 1978. S. 194
Anmerkung: Zu ergänzen wäre noch die Freiheit der Lohnarbeit und des Konsumierens. Laut Human Development Index 2013 (HDI), der die menschliche Entwicklung messen soll, ist Deutschland auf Platz 5 von insgesamt 186 Plätzen. Nach der aktuellen Rangliste von Reporter ohne Grenzen für die Pressefreiheit steht Deutschland auf Platz 14 von insgesamt 180 Plätzen. Wir müssten insofern doch ein Land sein, in dem die Menschen eine hohe individuelle Freiheit genießen, oder etwa nicht?
Ein geldwertes Leben?
Wenn sich die eigene Existenz fast ausschließlich nur noch um den Geld-Erwerb dreht, wenn Empathie, Nächstenliebe, Solidarität und schöpferische Energie verkümmern, wenn die zwischenmenschliche Kommunikation und die eigenen Gedanken sich auf materielle Befindlichkeiten, den eigenen Kontostand und auf einen Haben-Konsum reduzieren, wenn die Vorstellung auf eine Welt ohne Krieg, Leid, Armut und Ungerechtigkeit, der Resignation und dem Egoismus gewichen sind – dann gibt es keine Hoffnung. Die Gier nach dem immer mehr regiert uns. Diese Gier ist jedoch nur eine Ersatzbefriedigung für eine nicht vorhandene innere Ruhe, für nicht vorhandenes persönliches Glück und für fehlende Zufriedenheit. Echte Lebenskraft wird man durch Konsum niemals erreichen können, sondern nur durch gelebte Liebe und schöpferisches So-Sein im Augenblick.