Der Datenmensch

Wir sehen keine Patienten, wir sehen Daten.

- Aussage eines anonymen Managers eines Unternehmens, dass klinische Studien in Osteuropa betreibt. Zitiert aus »Arme Schlucker«, Dezember-Ausgabe der le monde diplomatique, von Carl Elliot, Seite 12

In der Dezember-Ausgabe der le monde diplomatique gibt es einen interessanten Artikel über das Millionen-Geschäft der klinischen Studien. Menschen als Versuchskaninchen für neue Medikamente. Die Pharmaindustrie nennt sie euphemistisch Probanden. Nachdem es in den USA einige spektakuläre Skandale im Rahmen von klinischen Studien gab (Probanden an denen Psychopharmaka und Antidepressiva getestet wurden begannen Suizid), starteten große Pharmakonzerne, wie z.B. Eli Lilly, eine PR-Kampagne. Demnach sind Versuchskaninchen auch keine Probanden mehr, sondern Medical Heroes: Helden der Medizin.

Wer rettet die Berliner S‑Bahn?

Nachdem die Berliner S‑Bahn ab dem 3. Januar 2011 ihren Notfahrplan zu einem Super-Notfahrplan umgestaltet hat (was soviel bedeutet wie: ab jetzt fährt noch viel weniger als vorher!) hat sie endlich Konsequenzen aus dem Chaos gezogen: pünktlich zum Jahresbeginn hat die Berliner BVG samt S‑Bahn die Fahrpreise erhöht! Schließlich bedeuten weniger Züge und höhere Wartezeiten, mehr Service für die Fahrgäste: sie müssen sich nicht in vollen Bahnen drängen, sondern  können gemütlich auf den Bahnhöfen frieren! Da es aber immer noch Schwarzseher, Nörgler und Pessimisten da draußen gibt, muss ein S‑Bahn-Retter her! Wer könnte dieser Aufgabe gewachsen sein?

Das Wort zum Sonntag

Im August 2009 schrieb ich einen Beitrag über Einsamkeit und Stille. Meine Gedanken zu diesem Thema möchte ich an dieser Stelle etwas vertiefen. Alleine zu sein setzen viele mit einsam sein gleich, was z.B. bedeutet keine Liebesbeziehung zu führen. Für mich gibt es zunächst eine grundlegende Unterscheidung zwischen allein sein und einsam sein. Wer allein ist, also z.B. kaum oder wenig soziale Kontakte pflegt, wenig mit Menschen zu tun hat oder eben alleine wohnt, ist nicht zwingend einsam. Sich einsam fühlen können auch Menschen, die in einer Beziehung sind oder in einer großen Familie leben. Als allein sein bezeichne ich den Zustand einer temporären oder dauerhaften sozialen Isolation und als einsam sein, ein inneres Befinden, sich nicht verstanden, akzeptiert oder geborgen zu fühlen. Zwischen beiden Sachverhalten wird oft ein Zusammenhang hergestellt, der meiner Meinung nach zu Missverständnissen und zu zweifelhaften Entscheidungen führen kann. Weiterlesen →

Expertengewäsch

Sie sind seit jeher die Speerspitze zur Argumentationsverstärkung: vermeintliche Politik- und Wirtschaftsexperten. Wir begegnen den Doktoren, Professoren, Hochschulabgängern, selbsternannten Sachkundigen, Wissenschaftlern oder sonstwie mit einem Titel versehenen Menschen, in jedem Medium. Ob Radio, Fernsehen, Printmedien oder Internet — sie sind überall. Die oft selbstverliebten Lackaffen fungieren häufig als erste und letzte Instanz, um bestimmte Interessen durchzusetzen. In Deutschland gibt es eine große Expertenhörigkeit und Expertengläubigkeit. Was ein Fachmann sagt und denkt, muss ja stimmen. Er oder Sie hat schließlich studiert, es gelernt, sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Oft wird vergessen, dass auch Experten Menschen und keine Halbgötter in Weiß sind. Sie haben Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Ängste. Und auch sie gehen aufs Klo.

Hinter einem vermeintlich objektiven Expertengewäsch steckt nur zu oft, eine Ideologie, ein Welt- und Menschenbild von der alle Gedanken getragen werden. Das Wissen von Fachidioten richtet sich, meiner Meinung nach, eben nicht nach dem NichtGott der Objektivität und der Neutralität, sondern nach Interessen und Weltbild. Oft genug reicht es,  bei Experten-Texten und Reden, das Welt- und Menschenbild sowie die Ideologie dahinter zu suchen und zu erkennen.  Denn bestimmte Weltbilder folgen immer bestimmten Argumentationsrichtlinien. Den Rest des Geschwurbels kann man sich dann gleich sparen.

Überwachungsstaat

Die Stasi-Keule wird oft geschwungen. Die Linke als SED-Haufen beschimpft. Und reaktionäre, konservative Politiker schreiben die DDR als einen Unrechtsstaat hoch. Jeder, der es auch nur wagt die DDR mit der heutigen BRD zu vergleichen,  wird in den Mief des Geschichtsrevisionismus gestellt. SED- und Stasi-Vergleiche mit der BRD haben sich zu verbitten. Warum eigentlich? Vielleicht würde dem einen oder anderen auffallen, dass die heutigen Überwachungsmethoden der BRD weitaus umfassender sind,  als sie es bei der Stasi jemals waren? Das liegt sicher am technologischen Fortschritt, aber eben auch am politischen und wirtschaftlichen Interesse seine Bürger zu überwachen. Weiterlesen →

Fällt euch was auf?

Die große Wirtschafts- und Finanzkrise ist vorbei. Natürlich wird es auch keine mehr geben. Natürlich nicht. Die nächste Wirtschaftskrise ist zwar schon längst da, aber sie heisst eben nicht so. Aus Wirtschaftskrise macht man nun die Eurokrise. Ob Finanz‑, Wirtschafts- oder Eurokrise, die Bezeichnung ändert sich, das korrupte und völlig marode System bleibt. Leider wird ein Großteil der Bevölkerung diese Zusammenhänge nicht erkennen. Man stülpt der Krise einen anderen Zusatz auf und will uns damit weismachen, dass jede Krise einzigartig sei und mit der letzten nichts zu tun habe. So werden wir noch viele Krisen durchleben und den Blick für das große Ganze verlieren.

Die Krise heisst Kapitalismus.

Verkorkste Lieblichkeit

Schwülstige Drehbuch-Tränen necken die sexuelle Gleichschaltung. Immunschwache Liebesklammern verlieben sich in stachelige Produkte. Romantik als berechnender Wohlfühlmarkt. Niedliche Maschinen verleidenschaften sich. Nichtdenken als vorzeigbare Sinnlichkeit. Sein als Störfall. Haben als Machbarkeit. Rosarote Mondüberlegenheit kokettiert mit schönen Allzeitmenschen. Eigennutz als Eleganz getarnt. Anmutige herzlose Püppchen. Knuspriges Erlebnisprickeln als Vertragsfundament. Inszenierte Gefühlsmarken als süße Selbsterfahrung.

Ist das Liebe?

Verschenken Sie zu Weihnachten ein NeuHartzTier!

Statt Schwerter zu Pflugscharen, heisst es jetzt: Arbeitslose zu Haustiere! Langzeitarbeitslose können sich fortan auf Hunde, Katzen, Hamster und Aquariumsfische umschulen lassen. Absurde Idee, meinen Sie? Mitnichten! Das Konzept hat viele Vorteile für Erwerbslose und den Staat! Hartzis bekommen Nahrung, Obdach, Liebe und Aufmerksamkeit und der Staat spart Millionen. Weiterlesen →

Gehirnschreck und Gefühlsdreck

Das Fernsehen ist unterirdisch schlecht. Darüber wird allerorten viel geschrieben (Zum Beispiel hier). Mir ist auch gar nicht daran gelegen, das Fernsehprogramm zu verbessern, da die Fernsehanstalten auf Einschaltquoten und Marktanteile schielen, bekommt die Masse ihren Müll. Ich hingegen schalte einfach ab. Da bin ich gnadenlos. Weiterlesen →