Die Bundesregierung unterhält seit Mai 2009 einen sog. »Redaktionsstab Rechtssprache«. Das Bundesministerium der Justiz gönnt sich somit eine Sprachberatung der Gesellschaft für deutsche Sprache. Nach eigenen Angaben hilft der Redationsstab bei der sprachlichen Feinarbeit von Gesetzestexten. Er arbeite adressatengerecht, frühzeitig, kontinuierlich, fachübergreifend und unabhängig.
Gleichzeitig sind verständliche Gesetze ein wichtiger Beitrag zu Bürgernähe und Bürokratieabbau.
In der Praxis geht es um Verschleierung und die Schaffung von wohlklingenden Euphemismen. Im neuen ALG2-Gesetz fehlt demnach der Begriff »Hartz4« völlig. Stattdessen überlege man Begriffe wie »Chancenförderungsgesetz«, »ChaföG« – in Anlehnung an BAföG – oder »Chancenförderungsgeld« zu verwenden.
Niemand soll mehr daran erinnert werden, wie menschenfeindlich das Gesetz ist und dass es nach einem korrupten VW-Mann benannt wurde. Ich werde auch in Zukunft bei »Hartz4« bleiben. Wir machen uns durch Sprachnormierung die Welt so, wie sie uns gefällt.
Ein gutes Beispiel wie Öffentlichkeitsarbeit bei Unternehmen funktioniert, bieten die Berliner Nahverkehrsbetriebe (BVG). Serviceabbau, Personalabbau, Fahrpreiserhöhungen, Zugverspätungen und zunehmende Unfreundlichkeit der Mitarbeiter werden als »Serviceoffensive« verkauft. Wie viele andere Unternehmen auch, ist die BVG sehr geschickt in ihrer Propaganda. Kamera-Überwachung auf Bahnhöfen z.B. soll 

Kann es Authentizität in einer Welt voller Verkäufer, Marken, Images, Logos und Corporate Identitys überhaupt noch geben? Woran erkennt man, dass man ganz bei sich selbst ist und nicht fremdbestimmt handelt? Sich zu verkaufen, sich positiv zu präsentieren und zu inszenieren, unabhängig von der eigenen Gemütslage und Persönlichkeit, wird nicht nur in der Lohnarbeitswelt gefordert, sondern ist auch gang und gäbe im zwischenmenschlichen Bereich. Vielen geht das ins Blut über. Besucht man diverse Singlebörsen, präsentieren sich die Nestsucher von ihrer vermeintlichen Schokoladenseite. Sie möchten, dass ein verkaufsförderndes Bild im Persönlichkeitsmarkt über sie entsteht. Der Glaube an Marken, Bilder und Images hat zunehmend den Rang eines religiösen Dogmas.