ZG‐Rückblick: Kein Kommentar

ZG-RückblickDie Süddeutsche hat auf ihrem Online‐Portal die Kommentarfunktion bei ihren Artikeln abgeschafft. Die FAZ deaktiviert sie nur bei einigen Beiträgen. Ist die Lösung wirklich so einfach? Trollen einfach gar nicht erst die Tür aufmachen? Oder muss man wirklich allen mit Internetzugang eine Plattform bieten?

jtheripper
Ohne die erste Kommentarfunktion wäre das Internet heute nicht zu so einer einfachen Vernetzung möglich. Die technische Hürde war in den Anfangszeiten einfach noch zu hoch, so dass man nur durch eine gewisse Lernbereitschaft publizieren konnte. Selbst mit HTML‐Grundkenntnissen musste man sich noch einen werbeverseuchten oder teuren Webspace suchen. Alles nicht so einfach. Und heute? Heute verbindet sich mein Smartphone automatisch mit meinem WLAN‐Router und ich schreibe einem Autor wie falsch er doch mit seiner Meinung liegt. Ganz besonders falsch, weil es seine Meinung ist und nicht meine. Oder ich kommentiere ein Video von einer Coverversion, wie scheiße sie doch ist. Nichts kommt an das Original heran. Das schöne ist, wenn man nicht zu weit herunter scrollt, bekommt von diesen Untiefen der Menschheit gar nichts mit.
»Boah ist das lame!« »Mach doch besser« »duh, Meinungsfreiheit«

epikur
Ich empfinde die Begründung der SZ für die Deaktivierung ihrer Kommentarfunktion als wenig überzeugend (Vergleich: Beitrag der »fliegenden Bretter«). Denn Trolle, Spinner und Idioten hat es immer gegeben und wird es immer geben. Insofern gibt es wohl eher andere Interessen dafür. Offensichtlich wäre, dass sie keinen Moderator mehr abstellen können oder wollen, der die Kommentar‐Beiträge filtert und gegebenfalls zur Etikette aufruft. Ich vermute hier aber auch, dass es viel mit der einseitigen Putin‐Berichterstattung unserer Massenmedien zu tun hat. Schon vor Monaten hat »die Zeit« einen Artikel veröffentlicht, der alle, die nicht mit »Putin ist der neue Hitler und das unsagbar Böse auf Erden« einverstanden waren, als potentielle Putin‐Schreiber und Geheimagenten des Kreml diffamiert hat.

Abgesehen davon ob das nun stimmen mag oder nicht, wer Besitz‐ und Eigentumsverhältnisse in Deutschland hinterfragt, gilt den bürgerlichen Medien ohnehin als Verschwörungstheoretiker. Hier jedoch, wird die VT‐Keule auf einmal von den Massenmedien selbst verwendet. Denn es ist äußerst fraglich, dass alle Leser im Namen Russlands handeln. Und da die Gegenargumente und der Widerspruch der Leser immer zahlreicher wurden, bin ich der Meinung, dass dies der eigentliche Hauptgrund für die Abschaltung ist. Denn auch wenn die Massenmedien kriseln (Stern, FAZ, Spiegel), die Meinungshoheit wollen sie dennoch um jeden Preis aufrecht erhalten.

todesglupsch
Vor allem als Medium mit hoher Reichweite ist das Sperren von Kommentaren eine Gratwanderung. Man hat das Recht Kommentare nach belieben zu sperren, aber wenn man sich einem journalistischen Ethos verpflichtet fühlt, sollte dies nicht zur Meinungssteuerung verkommen.
Dabei können aber auch qualitativ zweifelhafte Kommentare eine sinnvolle Diskussion unterbinden und wenn diese einhergehen mit einer konträren Meinung, so schlecht diese auch begründet ist, wird man sich dem Verdacht von Voreingenommenheit aussetzen müssen und auch schwer einen entsprechenden Vorwurf vollständig entkräften können.
Letzendlich ist also Moderieren in gewissem Maße willkürlich, es ist aber womöglich auch nicht immer zu vermeiden. Gutes Moderieren ist also minimales Moderieren, vor allem aus ethischen, politischen, aber womöglich bei entsprechend großen Portalen auch aus praktischen Gründen.

 

2 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Kein Kommentar

  1. ....ist doch klar....zu viele Leser können mit dem Geschwurbel dieser »Journalisten« eben nicht mehr einer Meinung sein....

  2. Einfach herrlich so was immer mehr und wieder zu lesen.
    Es entwickelt sich seit Jahren sehr rasant genau das,was man uns in der DDR nach der »Wende« täglich 24 Stunden gebetsmühlenartig vorgeworfen hat.Diesselbe Form der »Demokratie«,köstlich,wenn es nicht so wütend machen würde.Mit einem kleinen aber feinen Unterschied :d ie heutigen »Demokraten« sind die Guten,die Sieger,die Alleskönner,die perfekten Fehlerlosen die die die .........

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