ZG-Rückblick: GTA V

ZG-Rückblick

Am 17. September, als in Deutschland fast alle nur über Politik redeten und schrieben, wurde Grand Theft Auto 5 veröffentlicht und brachte in den ersten drei Tagen mehr als eine Milliarde Dollar ein und ist somit das am schnellsten verkaufte Produkt in der Entertainment-Branche (also inklusive Kinofilme, wobei das vielleicht nicht ganz fair ist). Das Spiel war einem extremen Hype ausgesetzt, aber scheint die nun spielende Gemeinde auch nicht enttäuscht zu haben. Oder sie will es geschlossen nicht zugeben?

jtheripper
Mein GTA war Vice City, welches ich bis zu Unendlichkeit und noch viel weiter gezockt habe. Die nachfolgenden Teile konnten mich dann nicht mehr begeistern, da das Spielprinzip sehr wiederholend war. Nur die Hauptgeschichte änderte sich mit der Umgebung und dem Charakter, aber die kamen meiner Meinung nach nicht mehr an Vice City heran. Mit dem neuen Teil gehen die Entwickler Rockstar natürlich noch weiter. Da GTA schon immer der König des Sandbox-Spielprinzip war, gibt es nun auch noch mehr zu tun. Neben Tennis, Tauchen und Fliegen darf man wohl auch das eigentliche Spiel spielen, was ich wahrscheinlich auch irgendwann tun werde, wenn sich der erste Sturm gelegt hat. Rockstar hat es jetzt wohl endlich geschafft, den Spielplatz groß genug zu machen und durch das umfangreiche Angebot an Möglichkeiten alle Spielertypen anzusprechen. Auch der Clueless Gamer hat GTA V angespielt und die GameOne-Redaktion eine komplette TV-Folge dem Spiel gewidmet. gtavtodesglupsch:
Spieletechnisch bin ich gegenwärtig ein bißchen raus. Aber den Hype um GTA 5 konnte man kaum entkommnen. So habe ich auch in weniger spielespezifischen Medien der Berichtererstattung nicht entkommen können. Eigentlich klang alles wie immer bei Triple-AAA-Produkten der letzten Jahre. Großer Hype, tolle Aufmachung, atmosphärisch dicht, Spielfläche größer als alle anderen Open-World-Spiele in Kumulation erreichen (oder so ähnlich), aber spielerisch auch nicht so wirklich neu. Vermutlich kann man also wenig falsch machen mit dem Spiel, aber es bringt der Branche wohl kaum den längst überrfälligen Innovationsschub. Es ist nicht nur das am schnellsten verkaufte Entertainmentprodukt aller Zeiten, sondern wohl auch das Entertainmentprodukt, welches den Status Quo der Branche am stärksten zementiert.

epikur:
Der Hype ist vor allem auch ein Zeichen dafür, dass die Marketing-Ausgaben explodieren, während der Etat für Produktentwicklung und Personal immer weiter zurückgehen. Es gilt nach wie vor das Prinzip, dass man nur laut genug schreien, alle Multiplikatoren die es gibt vereinnahmen und verwenden muss, um auch Scheiße verkaufen zu können. Ob das nun auf GTA V zutrifft, ist natürlich Geschmackssache. Ich war jedoch noch nie ein Fan der Serie und das aus ganz anderen Gründen. Hier zitiere ich gerne den Chefredakteur Jörg Luibl aus seiner Kolumne auf 4players.de:

Wenn ich Grand Theft Auto 5 spiele, fühle ich mich wie ein Erwachsener, den man in den Zirkus seiner Kindheit entführt. Aus den Elefanten und Clowns sind eben Schrotflinten und Nigger geworden – es wird geflucht, geballert, gefickt und gerast. Da ist so viel Schwanz, Muschi und Porno drin, dass sich der Kauf nicht nur für Männer in der Midlife-Crisis, sondern auch für Kids in der Pubertät lohnt.  All das, was einem als Jungen rote Backen und vielleicht Lust auf mehr macht, lässt mich hier allerdings kalt. Mal muss ich schmunzeln, mal lachen, aber von Immersion ist keine Spur. Ich sehe da weder etwas Skandalöses noch etwas Faszinierendes.

- Jörg Luibl, Chefredakteur von 4players.de

So ähnlich ging es mir schon immer bei der GTA-Serie. Traurig ist hierbei nicht nur, dass es in der Spielebranche keine Entwicklung/Innovation gibt, sondern in den Ansprüchen der meisten Spieler eben auch nicht.

2 Gedanken zu “ZG-Rückblick: GTA V

  1. Innovation in der Spieleindustrie. Sicherlich könnte man, wenn man nicht Rücksicht nehmen wollte. Man will/muss vor allem Geld verdienen. Man will Spiele nicht nur exklusiv für eine kleine Gemeinde von Zockern machen, die die entsprechende Hardware dann dafür haben. Ich kann nur für den PC sprechen. Viele laufen mit der Grafikkarte am Rande ihrer Möglichkeiten. Neue Hardware wird aber vielfach nicht gekauft, weil das kostet. Und nicht alle Spieler können sich ihren eigenen PC zusammenbauen. So werden Spiele immer ein Kompromiss sein müssen. Wenn Modder für Spiele erlaubt sind, dann gibt es eben in diesem eng begrenzten Bereich wirklich gute Sachen, aber eben nicht für jeden — siehe Hardware.

  2. Nun gut, ein Innovationsschub mag es wohl nicht sein, aber zumindest ist es interessant, dass sie mehrere, vom Charakter her unterschiedliche, Protagonisten steuerbar gemacht haben.
    Ganz innovativ ist das auch nicht, das Konzept gibt es in der RPG-Branche schon sehr lange. Aber zumindest ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Schade finde ich hingegen, dass der Plot und Charakterentwicklung im Vergleich zu GTA IV und Red Dead Redemption abgeflacht wurde. Das mag vielleicht daran liegen, dass sie für IV gerade dafür einen Backslash bekommen haben, eben weil die Missionen nicht in einen hirnloser Spaß endeten und die Handlung in keinem »Happy End« münden konnte. Der Humor ist davon teilweise auch betroffen, auch wenn das Spiel zum Teil recht gute Satiren beinhaltet.

    Es sieht so aus, als ob die Entwickler unsicher wären wohin die Reise gehen soll. Auch wenn sie zum Teil etwas ausprobieren was Potential hat, trauen sie sich nicht wirklich das voll auszunutzen und versuchen stattdessen Spieler von jedem Rand glücklich zu machen, was aber nicht gelingen kann.

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