Quelle: Internet‐Video

In den letzten Wochen ist mir in der Tagesschau um 20:15 Uhr aufgefallen, dass sie bei Beiträgen über Syrien als Quelle »Internet‐Video« angeben. Bei mindestens drei verschiedenen Beiträgen an drei verschiedenen Tagen hat die ARD das als Quelle angegeben. Sucht man ähnliche Beiträge in der Online‐Mediathek landet man letztendlich bei youtube. Aber auch das dürfte eine reichlich dünne Quelle sein, schließlich kann fast jeder sein Video bei youtube hochladen. Ich dachte immer, die Tagesschau sei die TV‐Sendung schlechthin? Mit sachlicher Recherche, einwandfreien Quellenanangaben usw.? Können die Beitragbastler selbst nicht einmal den Ursprung zurückverfolgen oder wollen sie womöglich die Quelle einfach nicht nennen?

»Quelle: Internet‐Video« jedoch, ist, als würde ich einen ZG‐Beitrag schreiben und sagen »Quelle: aus einem Buch« oder »Quelle: Digicam«. Sicher, ich veröffentliche hier auch manchmal ein Video von Youtube, das irgendwer hochgeladen hat. Dabei handelt es sich jedoch meist um Musik oder Reden von Politikern. Wenn aber die Tagesschau Beiträge über bürgerkriegsähnliche Zustände in Syrien mit schwer zurückverfolgbaren Youtube‐Videos unterfüttert, dann wird die Glaubwürdigkeit der traditionsreichen Nachrichtensendung stark beschädigt.

Die von den Massenmedien oft benutzte Verantwortungsobjektivierung, die letztlich im Nirvana endet, findet auch hier seine Anwendung. Die üblichen Phrasen von »der Markt fordert«, »Experten raten«, »Beobachter meinen« oder eben auch »Quelle: Internet‐Video« ist der Versuch Personen und Verantwortliche hinter einer vermeintlichen Versachlichung zu verstecken. Die Frage, die ich mir stelle ist: wer meint, rät und fordert denn nun etwas? Und wie lautet die genaue Quelle des Videos, in denen ich gerade Menschen schießen sehe?

6 Gedanken zu “Quelle: Internet‐Video

  1. Der Typ der auch Klartext sprechen kann ohne Arbeitslosen das Warmwasser abzustellen, den man aber doch im großen und ganzen als Arschloch bezeichnen könnte, allerdings auch relativ gesehen, wohlgemerkt sagte am :

    Isch hab da auch so ein Internätfideo geßen:
    http://www.youtube.com/watch?v=EcIYZkhah_Q&feature=plcp
    Glei ma intervenieren oder intravinieren oder sone Sachen, näh!!

    Jetzt mal ernsthaft: Das sind doch alles abgefuckte Kriegstreiber.
    Hofberichterstatter an die Front! -,-

  2. Hinsichtlich der »Beiträge« der öffentl.-rechtl. Anstalten gibts es keinen Unterschied zu allen anderen medialen Propagandaspuckern, die Videobeiträge und die »Meinung« der Opposition (in diesem Falle der bewaffneten »Freien Syrischen Armee«) verwerteten.

    (Video-)Beiträge zahlreicher bewaffneter Söldner (vorher auf Seiten der Rebellen in Libyen unterwegs, bezahlt von Katar und den Saudis) — die über Routen durch Libyen mit Waffen versorgt werden — werden kommentarlos übernommen.

    Letztendlich ist es doch so, dass eine UN‐Resolution nur Assad zu einem Waffenstillstand verpflichten würden, nicht aber die bewaffneten Aufständischen. (So die Resolution am 15.Dez11, http://www.alarabiya.net/articles/2011/12/15/182807.html, eingebracht von den USA, GB, FRA)

    Interessant dazu ein Beitrag des ehem. CIA‐Offiziers Giraldi:

    »Unmarked NATO warplanes are arriving at Turkish military bases close to Iskenderum on the Syrian border, delivering weapons from the late Muammar Gaddafi’s arsenals as well as volunteers from the Libyan Transitional National Council who are experienced in pitting local volunteers against trained soldiers, a skill they acquired confronting Gaddafi’s army. Iskenderum is also the seat of the Free Syrian Army, the armed wing of the Syrian National Council. French and British special forces trainers are on the ground, assisting the Syrian rebels while the CIA and U.S. Spec Ops are providing communications equipment and intelligence to assist the rebel cause, enabling the fighters to avoid concentrations of Syrian soldiers.«
    http://www.theamericanconservative.com/articles/nato-vs-syria/

    Wie »die Medien« mit all dem umgehen, hat Jürgen Todenhöfer in der taz dokumentiert, er war selbst vor Ort und hat mitbekommen, wie Journalisten Infomaterial verwenden und — so kann man es nicht anders sagen — umdeuten! Den sehr lesenswerten Artikel gibts hier:
    https://www.taz.de/!89947/

    Um nicht ganz am Thema vorbeizuschrammen, ich denke, eine generelle Kritik an den »Informationsjournalien« der öffentl‐rechtl. Anstalten täte uns ganz gut, es geht hier nicht nur um all die Telenovellas, Kochsendungen und um die — jetzt gebührenfinanzierte — Champions League, die das ZDF für €40m erworben hat, da kann man sich nur bedanken...nehmt nur die Zwangsgebühren und zahlt €40mio dafür, vorher war es für uns kostenlos — werbefinanziert — auf SAT1 zu sehen!

    Wenn dann mal wieder Geld gebraucht wird verweist man einfach auf den »Bildungsauftrag«, damit lässt sich alles legitimieren, »wir brauchen Geld, haben immerhin den Bildungsauftrag [auch wenn wir dem nciht nachkommen]«...allein die Erfindung der Quote für den ÖRR ist so dermaßen deplatziert, dass...mir fehlen die Worte.

    Ich wünschte M.Hanfeld wäre hier ;)

    PS: Niggemeier hat die »136 superlativsten Programmideen der Dritten« mal aufgelistet, ein Blick auf diesen BS genügt, um zu wissen, was Bildung für den ÖRR bedeutet!
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-136-superlativsten-programmideen-der-dritten/

  3. Hihi. Möglicherweise, ist das die mediale Version von; — »Im Internet steht....«, — oder »Gestern hab ich im Internet gelesen ...«. Ist wie; »wissenschaftlich bewiesen«, — nach Genuss eines dieser Regenbogen‐Oma‐Blätter. (Nix gegen Omas ;)

  4. Wir haben weder unvoreingenommene noch investigative Medien. Auch die öffentlich‐rechtlichen Sender unterliegen dem Zwang des Mainstreams. Und wenn in Youtube etwas zu finden ist, was die eigenen Vorgaben erfüllt, dann wird das eben verwendet — ob es stimmt oder nicht, ist dabei vollkommen egal.

    Gerade Syrien zeigt, mit welchen manipulativen Mitteln eine einseitige Sicht dargelegt wird. Uns wird z.B. verschwiegen, daß die terroristischen Aufständischen von den Erdölländern und dem Westen mit Waffen und Logistik versorgt werden. Außerdem wird uns wohlweislich verschwiegen, daß die gleichen Söldner, die gegen Gadhafi gekämpft habe, auf einmal einen Teil der syrischen Opposition darstellen.

    Aber auch in anderen Bereichen wird heute manipuliert, was das Zeug hält. Wenn ich mir das einseitge Gesülze der FDP in Sachen EEG betrachte, wird mir übel. Oder der medizinische Bereich, wo fast ausschließlich die profitorientierte Seite sich medial äußern darf. Egal, wohin man schaut, überall wird zu Gunsten von Geld und Macht und zum Nachteil der Bürger und Betroffenen manipuliert.

  5. Im produzuieren von Kriegspropagande waren unsere öffentlich‐rechtlichen schon immer gut und man darf ihnen ohne Abstriche bescheinigen, dass sie, wenn’s drauf an kommt immer die Staatsräson im Auge haben und diese auch blindlinks verfolgen. Der allergrößte Teil des Rest wie Print‐ und Online‐medien steht ihnen da in nichts nach.

    Als zur Zeit des Zerfalls von Jugoslawien, an dem der Westen heftig mitgestrickt hatte, das große Propagandageheul won Auschwitz und Völkermord angestimmt wurde, war ich noch einigermaßen entsetzt, weil ich naiverweise geglaubt hatte, man haben verstanden, wie gefährlich Kriegshetze ist und würde bei sowas nicht mit machen. Mittlerweile kennt man es ja nicht mehr anders und keine Lüge ist zu groß, keine Information zu einseitig als das sie nicht Verwendung findet. Am lustigsten wird es immer dann, wenn dem Zuseher erklärt werden muss, warum zwei, die Dasselbe tun einmal nette Aufständische und Teil einer »Demokratiebewegung« sind, machmal aber auch nur menschenverachtende Terroristen, gegen die mit aller Härte vorgegangen werden muss. Folter kennzeichnet ein Terroregime, außer es findet in Guatanamo statt. Um jeden chinesischen Dissidenten wird ein Riesenwirbel gemacht und zuhause werden friedliche Demonstarnten zusammenknüppelt oder die Kundgebungen einfach verboten...etc.

    All die Kriege der letzten Zeit, in die der Westen als vermeintlicher Heilsbringer verwickelt war, wurden von dem größten Teil der Medien brav mit umfänglicher Kriegspropaganda begleitet. Mit Zehn Jahren Abstand darf man sich dann ja kritisch geben und darüber berichten, dass alles eine Lüge war.
    Das Pentagon kam zur Zeit des Golfkriegs auf die Idee vom »embedded Journalist«. Eine absurde Idee, denn unsere Medien sind bereits bestens »embedded«. Das war kaum jemals anders, fällt nur heute stärker auf, weil sich immer mehr Leute auch aus diversen anderen Quellen, wie dem Netzt etwa, mit Infos versorgen und sich wundern, was für ein Blödsinn da über den Äther geht.
    Ich seh‹ mir den Schrott mittlerweile nicht mehr an -außer ich möchte explizit wissen, was die Obrigkeit denkt, dass ich es wissen soll.

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