Der Marktmaske entsagen

Die Sieger sind gar keine Sieger. Es sind armselige, raffgierige, orientierungslose Süchtige, die ein unabschließbares Steigerungsspiel betreiben: Wachstum, Reichtum, Beschleunigung, Innovationsverdichtung.

- Prof. Hartmut Rosa, »Idiotenspiel«, Le Monde Diplomatique, April 2012, S. 2

Anmerkung: Die Definitionen von Sieger und Verlierer orientieren sich ausschließlich am Sozialstatus. Wer viel Geld und Vermögen hat, ist Sieger, wer wenig besitzt, ein Verlierer. Es lohnt sich, diese Definition einmal in Frage zu stellen, wie es Herr Rosa macht. Denn wer mit Liebe und Empathie durchs Leben geht, schöpferisch kreativ im Augenblick lebt und stets das Sein dem Haben vorzieht, kommt dem Glück näher, ist somit mehr Gewinner, als derjenige, der nur besitzen und haben will und dessen Leben von Habsucht, Gier und Neid zerfressen wird.

7 Gedanken zu “Der Marktmaske entsagen

  1. Eine sehr nachdenkenswerte Definition. — Es ist wahrhaftig die wesentliche Frage in unserer Gesellschaft, die da lautet: Was bist Du ? oder noch schlimmer, was ja unterschwellig dahintersteckt, was hast du?

    Anstatt zu fragen, wenn überhaupt, wer bist Du, wird sofort der Sozialstatus festgestellt und danach der Mensch eingestuft und beurteilt....leider. Und somit ist schon ein Über‐ bzw. Unterordnungsverhältnis statuiert.

    Mit der Privatisierungswelle befindet sich die Menschheit in einem Prozess, der immer weniger Sieger aber dafür um so mehr Besiegte entstehen läßt.
    Und wie ich aus der Anmerkung noch herauslese, möchte ich ergänzend dazu auf das fundamentale Werk, HABEN oder SEIN von Erich Fromm, hinweisen

  2. Ich musste mal einige Monate lang vormittags über die Münchner Maximilianstraße laufen, um zu meiner Arbeitsstelle zu gelangen.

    Was ich da an starren, unglücklichen und unzufriedenen Mienen gesehen habe (wir in Bayern nennen das »die Lätschn hängen lassen«), hat mir das starke Gefühl vermittelt, dass diese chic gekleideten Menschen mit Geld wie Heu im Grunde todunglücklich sind.

    Das Problem ist, dass diese Menschen ihre Raffgier und ihr Streben nach materiellem Besitz nie in Frage stellen, sondern immer mehr und noch immer mehr wollen, in der vagen Hoffnung, dann vielleicht doch noch glücklich zu werden.

    Diese Menschen sind krank und sie haben keine Hoffnung auf Heilung, weil unser Wirtschaftssystem ebenfalls krank ist, die gefühlskalten Soziopathen und Schleimer belohnt, die empathisch‐freundlichen Menschen mit Rückgrad bestraft.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass auch große Teile des Bundestages und die komplette Regierung psychisch auffällig ist. Wir werden von gefühlskalten Narzissten regiert und das merkt man mit jedem Tag mehr.

  3. @Andrea

    ein prima Kommentar, danke !

    Hierzu möchte ich Volker Pispers zitieren: »Auf dem Grabstein des Kapitalismus wird stehen: Zuviel war nicht genug....«

  4. aber hallo!

    ich kenn das von der eigenen buckligen verwandtschaft.. die anderen familien bei denen der vater »karriere« gemacht hat ... oh mein gott.. die schweigen sich an.. das ist übel..
    aber dagegen die »geerdeten« da sprechen männlein und weiblein noch miteinander..
    und wie sagte konfuzius. ist die familie in ordnung ist der kosmos in ordnung und die ganze gesellschaft und wenn ich mir angucke die ganzen scheidungsraten, gestörte kind‐eltern‐verhältnisse.. DANN MUSS ICH MICH ÜBER DIESE GESELLSCHAFT NICHT MEHR WUNDERN

    hab heute in der buchhandlung was über c.g. jung gesucht und die psychoecke war voll von ADS‐scheiß man man man.. aus diesen kaputt(gemacht)en kindern werden später dann die stützen der gesellschaft, ja aber welcher gesellschaft?

  5. @ Andrea

    Das würde auch erklären , warum es ausgesprochen gut situierte und mit Macht versehene Leute nötig haben , mit vollem Hass auf Leute loszugehen , die statustechnisch und materiell sehr viel schlechter dastehen als sie selber ‚was ja eigentlich verwunderlich ist.

    Aber Vorsicht , auch in Teilen des Mittelstandes , insbesondere des unteren , ist diese Mentalität weit verbreitet.

  6. @Andrea: So ähnlich hat das Georg Schramm in seiner berühmten Zorn‐Rede ja auch ausgedrückt. http://www.youtube.com/watch?v=pmYFG7O0bVM

    »Nicht der Besitz stillt die Gier. Nein, der Erwerb! Und deswegen muss immer weiter erworben werden, um die Gier zu befriedigen«.

    Den größten Neid haben grade ja die Malocher (die ihren Selbstwert nur auf Arbeit, Arbeit, Arbeit gründen) und Raffer ja auf diejenigen, die noch in der Lage sind, das Leben als solches zu genießen. Die das Spiel nicht mitspielen, die wahre Werte schätzen und (er)leben, die eben grade materiell nicht messbar sind. Neben denen »mein Haus, mein Auto, mein Boot« verdammt traurig aussehen. Den letzten Rest persönlichen Glücks versuchen diese Zombies dann dadurch erreichen, indem sie den anderen ihr einfaches, bescheidenes Leben vermiesen und ihren Lebensstil diffamieren...!

    Mein (erfolgloses) Studium hätte sich z. B. auch gut als Objekt für Soziologie‐ und Psychologiestudien angeboten (könnte ich ja evtl. noch versuchen...). ;) Eine völlig unkritisch sich der Verhältnisse anpassende, sich allem unterordnende, nix hinterfragende, Ellenbogen einsetzende Gruppe von eiskalten Egoisten. Die obwohl sie am Ende das Diplom und Beamtenstatus in den Händen hielten (also »Gewinner« waren) immer noch mit voller Abscheu über diejenigen (also »Verlierer«) sprachen, die sich nicht wie sie in der Zitronenpresse haben ausquetschen lassen (bzw. selbst ausgequetscht haben)! Der neidbasierte Selbsthass wurde auf die projiziert, die sich z. B. an einem sonnigen Tag nicht bei abgedunkelten Fenstern gänzlich dem Lernstoff widmeten, sondern ihn für sinnvollere und schönere Tätigkeiten nutzten...

  7. @ Dennis82

    »Der neidbasierte Selbsthass wurde auf die projiziert, die sich ...«

    Guter Satz — dieses Prinzip scheint sich auch an vielen anderen Stellen regelrecht hereinzufressen in die Gesellschaft‐ überall diese Gestalten , die den ganzen Tag nichts Anderes mehr zu tun haben , als irgendwem ans Bein zu pissen...

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