Kinder in Deutschland; Teil 15: Väter

Väter sind für eine positive Kindesentwicklung ebenso wichtig wie Mütter. Das harmonische Miteinander in einer intakten Familie ist für Kinder von großer Bedeutung. Väter prägen ihre Kinder in vielerlei Hinsicht, geben ihnen Sicherheit und bieten eine Fülle zusätzlicher Anregungen. Väter sind weit mehr als nur Beschützer, Versorger, Vorbild und Spielgefährte – sie fördern die Sprachentwicklung, geben Selbstbewusstsein und machen den Kindern Mut, neue Dinge aus zu probieren. Eine typische Vaterdomäne ist wildes, körperorientiertes Spiel: Toben, Jagen, Kitzeln und in die Luft werfen. Vorrausgesetzt, sie sind engagiert, nehmen sich Zeit und haben ein ehrliches Interesse an ihren Kindern.

Wenig präsente Väter, wie Wochenendpapas z.B., haben wenig Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder. Denn sie sind nicht immer ansprechbar, können schwer Gedanken mit ihnen teilen oder darauf achten, dass Regeln eingehalten werden. Für Kinder ist die quantitative Umsorgung ohnehin gleichbedeutend mit der qualitativen Fürsorge: je mehr man sich mit seinen Kindern beschäftigt, desto mehr fühlen sie sich geliebt, respektiert, beachtet und wertgeschätzt.

Für Töchter ist der Vater der erste Mann im Leben. Demzufolge prägt und beeinflusst der Vater in positiver, aber auch in negativer Hinsicht, das Männerbild der Töchter. Auch wenn in aller Regel Väter mit ihren Söhnen mehr Zeit verbringen als mit ihren Töchtern, so sind Frauen, die ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater hatten, meist selbstbewusster und sozial kompetenter, als vaterlos aufgewachsene Frauen. Ein gutes Vater‐Tochter Verhältnis überbrückt die Distanz zwischen den Geschlechtern. Väter lehren Söhnen den Umgang mit ihren Aggressionen und bringen ihnen Fairness in Konflikten bei.

»Vaterlos aufgewachsene Männer sind emotional oft wie zugeschnürt«

- Prof. Dr. Horst Petri, Arzt für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie

Wissenschaftlich gilt es als gesichert, dass es ein großes Bedürfnis von Kindern gibt, in der Dreier‐Konstellation (Vater, Mutter, Kind) aufzuwachsen und sich zu entwickeln. Vaterentbehrung hat fast immer Folgen für die seelische Entwicklung von Kindern. Frauen, die ohne einen Vater aufwachsen, fixieren sich meist stark auf die Mutter und entwickeln ein erschwertes Verhältnis zu Männern. Jungen fehlen bei Vaterlosigkeit die männlichen Vorbilder, da sie auch in Kindergarten und Schule fast ausschließlich von Frauen sozialisiert werden. Jungen, die bei alleinerziehenden Müttern aufwachsen, haben meist eine starke Mutterbindung und nicht selten ist dann der Sohn der männliche emotionale Bezugspunkt der Mutter: eine Art Partnerersatz. Gerade in den ersten fünf Lebensjahren und in der Pubertät ist es für Jungen und Mädchen gleichermaßen wichtig, einen engagierten Vater zu haben, der sie bei der Identitäts‐ und Orientierungssuche aktiv unterstützt.

Wie auch schon bei Teil 4: Prägung erwähnt, gibt es keine kausalen Erklärungen zwischen Kindheit und spezifischen Verhaltensmustern im Erwachsenenalter. Kindheit, Familie und Eltern prägen und beeinflussen den eigenen Charakter, das Selbstvertrauen und auch die Weltanschauung, sind aber kein unabänderliches Schicksal. Wir werden durch die Kindheit zwar geformt und geprägt, haben aber auch selbst jederzeit die Möglichkeit, uns wieder zu verändern oder davon zu lösen, sofern Wille,  Kraft und Möglichkeiten dafür vorhanden sind.

-Inspiriert von GeoWissen, Ausgabe Nr. 46: Väter

Eine Zusammenfassung der ersten zehn Teile der Kinderserie ist auf www.zeitgeistlos.de zu finden. Alle bisherigen Folgen können im ZG‐Blog in der Rubrik Kindheit gefunden werden.

6 Gedanken zu “Kinder in Deutschland; Teil 15: Väter

  1. Problemverlagerung?
    Zitat: »Wir werden durch die Kindheit zwar geformt und geprägt, haben aber auch selbst jederzeit die Möglichkeit, uns wieder zu verändern oder davon zu lösen, sofern Wille, Kraft und Möglichkeiten dafür vorhanden sind.«
    Werden denn nicht die Voraussetzungen für (einen starken) Wille(n), Kraft und die Möglichkeiten überhaupt Möglichkeiten wahrzunehmen und (positiv) zu bewerten, schon in der Kindheit angelegt? Klar geht es nicht um das was allgemein hin als (mono)kausaler Zusammenhang verstanden wird, aber ohne die entsprechenden Erfahrungen, fehlen doch auch die Möglichkeiten. Oder etwa nicht?

  2. Im Grunde halte ich diesen Artikel hier für sehr fragwürdig. die Stossrichtung des Gehaltes ist konservativer Schund. Verwissenschaftlichung von Ideologie. Das Element Vater ist in seiner Relativität seit den 1960ern klar. Das heißt nicht, dass es schädlich ist. Natürlich nicht. Aber es heißt gleich wenig, dass Vaterlosigkeit schädlich ist. Diese Meinung ist der Reflex des konservativen Familienbildes im Geiste. Die Dreierbezihung ist wesentlich symbolisch. So lange es kein psychotisches Universum einer einzigen Bezugsperson gibt, ist alles ok. Der Dritte ist symbolisch, am generellsten in Form der Sprache, die nicht der Mutter entspringen kann., außer im psychotischen Universum.
    Es gibt freilich eine ganze Reihe von Psychologen und Psychiatern, die immer wieder davon reden, dass vaterlosen Kindern etwas fehle. Das ist der Reflex. Man kann es sich nicht anders denken, dass wenn außen was fehlt, innen auch was fehlen muss. Eine Art Leerraum, der nicht aktiviert werden kann. Das ist natürlich Schwachsinn. Darin kommt auch der diskriminierende und gewaltvolle Zug dieser Ansicht zum Vorschein: vaterlose Menschen stehen einer Masse an vaterhabenden Menschen gegenüber, die für sich die Normalität beansprucht. Diese Diskurse um Normalität sind normativ seit 30 40 Jahren nicht mehr haltbar. Nur idelogische Aussager oder alltägliche Normen nicht reflektierende Aussager reden von solchen abstrusen Dingen. Es verhält sich analog zur Sexualität, aber bei weitem nichtiger. Im übrigen ist es frauenfeindlicher Diskurs, der alleinerziehenden Frauen einen Makel unterschiebt und zur angeblichen psychischen Gesundheit des Kindes einen Mann ans Herz legt und somit sozialen Druck erzeugt. Was der Psychiater Petri anspricht, das ist, wenn überhaupt eine Korrelation mit Vaterlosigkeit besteht und die besteht extrem wahrscheinlich nicht, wenn aber eine besteht, dann ist sie Folge der erfahrenen Diskriminierung und nicht der Vaterlosigkeit selbst. Es sind genau so vaterhabende Menschen emotional zugeschnürt. Das ist ja lächerlich. Die emotionale und kognitive Erlebensweise eines Menschen ist individuell und nicht abhängig von Vaterlosigkeit. Wenn, dann von Diskriminierung, Spott, Unsicherheit wegen Vaterlosigkeit. Da wird man vielleicht vorsichtig, seine Eigenarten öffentlich auszuposauenen, nicht anders als ein Schwarzer in den Südstaaten dies wohl auch nie getan hätte. Aber das geht von anderen aus, von sozialen Normen und deren mailgnen Auslebung durch Subjekte und Gesellschaft, z.B. durch solche Artikel hier en actu.
    Im Grunde kann der Verfasser des Artikels sich hieran üben an Ent‐Ideologisierung an sich selbst, wie er es hier auf diesem Blog ansonsten oft mit anderen Themen macht: den Weg zu finden, an dessen Ende einem die selbstverständlichsten Überzeugungen singulär und beliebig werden. Dann hat man Freiheit gewonnen.

  3. @flavo, ich sag das mal ziemlich direkt, unapetitliche Körperöffnung ...

    Sich hinzustellen, von Ideologie zu faseln einer Idiologie folgend, mit Behauptungen ohne Belege, die mag ich ganz besonders gern.
    Geh mal zu deiner Alice, die Bildet ja schon mal Meinung.

    Hätt er einen vernünftigen Diskurs begonnen, währe das ein Zeichen von Würde und Wissen, so aber bleibt es Besserwissen. Wieviel Kinder hat er denn so ?

  4. @seinender Vater

    Da stimme ich Dir zu.

    Es gibt hierbei zwei starke Fraktionen: die Einen behaupten, sie seien Opfer ihrer Kindheit und sie können nichts an sich ändern, es wäre eben Schicksal und fertig. Die Anderen behaupten, man könne sich jederzeit ändern und die Kindheit wird nur als Entschuldigung derer herangezogen, die sich nicht ändern wollen. Meine Einstellung ist der Mittelweg: Kindheit prägt, ist aber kein Schicksal. Das wollte ich zum Ausdruck bringen.

    @flavo

    Meine Intention war keineswegs vaterlosen Kindern oder alleinerziehenden Müttern einen Mangel vorzuwerfen. Ganz sicher ist der Artikel auch nicht auf dem Geiste eines Konservativismus aufgebaut.

    Ich spreche von Korrelationen in Bezug auf das Thema Erziehung. Kinder brauchen Väter genauso wie sie Mütter brauchen. Es ist wohl eher männerfeindlich, so wie es viele Feministinnen behaupten, wenn man sagt, ein Kind bräuchte keinen Vater. Er wäre überflüssig, säuft, raucht und schlägt ja eh nur. Insofern bin ich keineswegs frauenfeindlich, denn ich sage ja explizit, dass Kinder Mütter und Väter brauchen.

    Im übrigen wird jeder, der täglich mit Kindern zu tun hat, die Unterschiede im Umgang, den Einfluss, die Prägung usw. mitbekommen. Viele Kleinkinder wollen z.B. lieber mit dem Vater wild toben, als mit der Mutter. Mütter hingegen sind eben oft der emotionale Anker usw. Natürlich sind das alles keine Kausalitäten, aber eben Erfahrungswerte. Sprich mit Erziehern in Kitas, in Kinderläden, in Horts oder in Grundschulen, die werden Dir viel davon erzählen, wenn Du den Forschungen und Studien so misstraust.

  5. Ich hatte auch immer einen Wochenendpapa, bis ich 6 Jahre alt war.
    ... Und ich finde es auch extrem wichtig, dass erwähnt wurde, dass wir uns ändern können!

  6. Pingback: Von Vater entführte vier Kinder wieder in Deutschland

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