Das Jobangebot

- Gastartikel von Dennis82

(Dennis schreibt auch in der Freitag‐Community, hauptsächlich über Steuerthemen)

Ein Begriff, den ich schon länger sehr kritisch sehe – und der auch in vielerlei Hinsicht auch bei kritischen Zeitgenossen unhinterfragt verwendet wird, ist das neudeutsch: »Jobangebot« bzw. der »angebotene Arbeitsplatz«. Dieser Begriff ist grob irreführend, denn es geht hierbei nicht um Jobangebote im eigentlichen Sinne. Es ist eben gerade nicht so, dass Unternehmer U für die Aufgabe Y an Ort Z gerade genau den Arbeitslosen A ungesehen einstellen wöllte.

Mit dem Begriff wird jedoch suggeriert, die Behörde oder der private Arbeitsvermittler böte dem Arbeitslosen eben eine solche konkrete Arbeit an. Das tut er mitnichten, er gibt ihm lediglich – wie vielen anderen Arbeitslosen auch – eine Adresse, bei der er sich als einer von vielen (und somit auch gegen seine Konkurrenten) mit geringen Erfolgsaussichten bewerben solle bzw. müsse. Also erhält er lediglich einen (für ihn verbindlichen) Bewerbungsvorschlag. Doch dieser Begriff wird eigentlich nie verwendet.

Mit dem wohlklingenden Wort »Angebot« wird gleichzeitig erreicht, dass in der öffentlichen Meinung jeder, der dieses großzügige »Angebot« ablehne auch keine Unterstützung verdient habe. Undankbar sei. Also mit Sicherheit faul oder renitent sei. Sie setzt ihn unter Rechtfertigungsdruck. Dabei lehnt er nicht eine angebotene Stelle ab, mit der er sein Leben selbst bestreiten könne, sondern eine Bewerbung für eine Arbeitsstelle, die er nicht für passend erachtet. Weil Sie z. B. nicht gut bezahlt wird, nicht seinen Wünschen und Fähigkeiten entspricht. So ist es hinlänglich bekannt, dass es gerade auch eine bewusste Taktik der Arbeitsagenturen ist, gleich von Beginn der »Betreuung« an möglichst früh auszutesten, wo die Schmerzgrenze des Einzelnen bezüglich der Zumutbarkeit liegt.

Besonders kritisch zu sehen ist der Ausdruck auch im Zusammenhang zu den oftmals vorgetragenen Behauptungen zur Zahl angeblich offener, »angebotener« Stellen in Bezug zur Arbeitslosenzahl. Denn diese Zahl ist mathematisch in keiner Weise nachvollziehbar, genau so wenig wie die offiziell verkündete Arbeitslosenzahl – die nichts anderes mehr als Regierungspropaganda darstellt. Trotzdem wird mit diesen Begriffen Politik gemacht.

3 Gedanken zu “Das Jobangebot

  1. Während sich hoffnungslose Optimisten damit brüsten, dass hierzulande (noch) ein intaktes Sozialsystem installiert ist, wird zeitgleich das Schüren eines Klimas geduldet, in dem Menschen sich ihres Selbstwertes beraubt fühlen. Selbst wenn Regelsätze, Renten, Arbeitslosengelder und dergleichen mehr erhöht würden, wäre dies nur ein kleiner Schritt, der dieses Land zurückbringt in die Bahnen eines aufgeklärten Sozialstaates. Denn neben der finanziellen Guillotine ist auch die moralische Garrotte ein Folterinstrument inhumanster Sorte — der finanzielle Engpaß läßt materielle Not entstehen, aber die indokrinierte Wertlosigkeit, dieses Spiel mit den Gefühlen eines Menschen, erzeugt Minderwertigkeitskomplexe und läßt erlahmen.

    http://ad-sinistram.blogspot.com/2008/10/moralische-garrotte.html

  2. Das Wort Jobangebot gehört zu all dem netten Wortgeklingel, das den Eindruck erwecken soll als befände man sich beim Arbeitsmarkt auf einem Basar, wo lauter freundliche Menschen sich treffen, um fröhlich Handel miteinander zu treiben.
    In Wahrheit geht es darum, seine Haut möglichst teuer zu Markte zu tragen und all die anderen auszustechen, die genau so darauf angewiesen sind sich irgendwo ausbeuten zu lassen, damit sie ihr Überleben bezahlen können.
    Als das Jobcenter noch Arbeitsamt hieß war man noch näher bei der Wahrheit, denn die Arbeitslosen werden verwaltet und was sich dort heute abspielt hat mit »Markt« auch recht wenig zu tun, Schlecht ausgebildete häufig vollkommen inkompetente Sachbearbeiter stutzen die Arbeitssuchenden mittels eines umfangreichen Sanktionsapparat zu willigen Sklaven zurecht, die jeden Job annehmen müssen, sofern sie länger arbeitslos und somit HartIV‐Empfänger sind.
    Wenn man es nüchtern betrachtet und alle hübschen Umschreibungen weg lässt, blickt man auf den brutalen Konkurrenzkampf Jeder gegen Jeden, bei dem immer mehr der Schranken weggerissen werden, die man in Zeiten eines funktionierenden Sozialstaates aus gutem Grund aufgestellt hat.
    Das Ende ist hässlich und in einigen Städten Europas brennt es bereits, weil immer mehr Menschen merken, wie die Eliten immer reicher und der ganz große Rest immer ärmer wird

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