Joschka Fischer, der (auf)rechte Linke

Im Rückblick ist mir auch aufgefallen, wie viel wir mit Rot‐Grün angepackt und geleistet haben. Darauf bin ich stolz, und auch Gerhard Schröder hat allen Grund dazu. Bloß: Als aufrechter Linker darf man ja alles Mögliche sagen, aber auf keinen Fall, ich war erfolgreich.

- Joschka Fischer im Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 16. Februar 2011

Auch nach Jahren gibt es keine Einsicht oder zumindest einen Funken Selbstreflektion. Der Blick auf die Mehrheit der Bevölkerung, bleibt Fischer versagt. Die Grünen haben damals nur deshalb keinen Sturzflug bei den Wahlen erlebt, weil die SPD für alles verantwortlich gemacht wurde. Die Grünen haben, mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Christian Ströbele beim Afghanistan‐Krieg, brav zugestimmt. Halten wir mal fest, worauf Fischer und Schröder so stolz sein können.

  1. Fischer kann zurecht stolz sein, auf die Politik der Agenda 2010 und der millionenfachen (Kinder-)Armut und der Entwürdigung vieler Menschen. 1 Euro Jobs als moderne Zwangsarbeit und Hartz4‐Empfänger als gläserne Menschen, die ihr Vermögen und ihre Ersparnisse verscherbeln müssen, sind richtige Vorzeigeprojekte  von rot‐grün.
  2. Rot‐Grün kann sich auf die Einführung der Rente mit 67 und damit einer zukünftig stark steigenden Altersarmut, freuen. Kaum jemand arbeitet noch mit 60. Was aber bleibt, sind dann saftige Rentenkürzungen. In einigen Jahrzehnten werden wir soviele Renter wie noch nie haben, die von der Grundsicherung im Alter leben werden, weil die staatliche Rente nicht reichen wird. Darauf kann man stolz sein.
  3. Fischer und Schröder waren nicht zimperlich. Erstmals seit dem Jahr 1945,  hat Rot‐Grün Deutschland in einen Krieg geführt: den Kosovo‐Krieg. Aber das genügte den Kriegstreibern nicht: Afghanistan und der Irak (logistische und geheimdienstliche Unterstützung) kamen dazu.
  4. Der massive Sozialabbau, der eupemistisch stets als »Sozialumbau« bezeichnet wurde, war eines der Lieblingsprojekte von rot‐grün. Nicht zu vergessen, die Lockerung des Kündigungsschutzes, die großflächige Ausweitung von Leiharbeit und dem Niedrig‐Lohnsektor. Die Steuergeschenke für die Reichen und Vermögenden rundeten das Ganze ab.
  5. Die Zulassung von Hedgefonds, die Lockerungen der Spekulations‐ und Börsenregelungen  hatten maßgeblich  zur weltweiten Wirtschaftskrise beigetragen.

Fischer und Schröder, Grün und Rot, können wahrlich stolz auf ihr Projekt sein. In den sieben Jahren von 1998–2005 wurde der Grundstein für alle aktuellen sozialen Grausamkeiten, für verfassungswidriges politisches Handeln sowie  für  eine, heute als »normal« geltende,  deutsche Kriegsbeteiligung gelegt. Leider werden viele Deutsche sehr vergesslich sein. Die Grünen werden  weiterhin für viele als die Bio‐, Öko‐ und Solarpartei angesehen werden. Dabei sind sie längst im Establishment angekommen. Und einmal dort angekommen, will man nicht mehr auf die Privilegien verzichten. Die Grünen machen heute so ziemlich alles mit, um Macht, Pöstchen und Kohle zu behalten.

Fischer ist so links, wie andere alt‐68er die heute  beim Springer‐Konzern arbeiten. Fischer und die Grünen sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Macht und Geld die eigenen Ideale und Prinzipien korrumpieren und verraten.  In diesem Zusammenhang kann ich auf den tollen Film »der letzte König von Schottland« mit Forest Whitaker in der Hauptrolle verweisen, der die Korrumpierung sehr schön nachzeichnet.

Mit Fischers neuem Buch werde ich mir indessen nicht mal den Hintern abwischen.

12 Gedanken zu “Joschka Fischer, der (auf)rechte Linke

  1. An dem hat sich doch schon Jutta Ditfurth abgearbeitet und »Junker Joschka« sitzt immer noch nicht hinter Gittern ... Als ich jung war, fand ich »die Fundis« erschreckend, heute finde ich erschreckend, daß sie recht hatten :(

  2. Gut zusammengefasst. ich tippe bei Fischer und Schröder und all ihren Mitgestaltern auf Verdrängung aus Selbstschutz — anders könnte ich ejdenfalls nicht mit der Schande leben. zeitgleich ist die BGE‐bewegung erstarkt (der ich angehöre) — sitze gerade selber an einem längeren Text über die Vorteile, die das grundeinkommen gegenüber jeder Form der Sozialhilfe hätte.

  3. Ich krich die Krise. Den Dimmer. Den Blackout. Den absoluten Hirnwash. Entschuldigt Leute. Ich sach da gar nix mehr zu. Ich hab noch ne Flasche Rotwein im Kühlschrank. Die Rettung. Also sorry nochmals. Ich betrink mich jetzt ganz einfach.

  4. @ferengi: Ich kann dazu nur mit Volker Pispers sagen: »da stößt Alkohol an die Grenzen seiner Möglichkeiten.«
    J. Fischer müßte in der FDP sein, das wäre seine Partei — keine Einsicht, sein Mäntelchen in den politischen Wind hängen und für Minderleistung Kohle abgreifen.

  5. @Frank Benedikt

    Vielen Dank für den Hinweis! Ein wenig Recherche und ich habe Ditfurths Beitrag mit dem Titel »Zahltag, Junker Joschka« gefunden. Dort schreibt sie z.B.:

    Die Grünen waren für die »Realos« der einzige Weg, um — nach all dem Frust und Leid — über Regierungsbündnisse an die verlockenden Staatspfründe zu kommen. Für viele Realos haben die Grünen heute diesen Zweck erfüllt.

    Sehr interessanter Text. Kannte ich noch nicht.

  6. Dieser Fischer und seine Grünen sind nichts weiter, als Kommunisten!! Dazu empfehle ich ein Buch von Thomas Mann »Rote Lügen in Grünem Gewandt«!!

  7. Petra Kelly und General A.D. Bastian, die Begründer der grünen Partei, drehen sich im Grabe. Deren »selbsmord« ist immer noch geheimnisumwittert.

    Fischer der Strassenschläger ist der mieseste Oportunist der Deutschen Politik.

  8. ich würde nicht sagen, dass es Macht und Gier waren, die korrumpiert haben. Sicher die Staatspfründe ... Ich bin eher der Ansicht, das man in die Herkunftsklasse zurück gefunden hat. On the fly, schmerzlos, konnte die bestehende und lange verdrängte Valenz und Disposition zur bürgerlichen Klasse (präziser aufsteigende Mittelschicht und bildungsorientierte Bürger) reaktiviert werden und sich nahtlos handlungsprägend werden. Sicher, es gab ein buntes Richtunsgwirrwarr mit Beteiligten aus allen Schichten und man war zur Weltrevolution bereit, im Kopf natürlich größtenteils. Dann kam die Latenzzeit, eine ruhige Zeit des Einerlei. Bis zur Befreiung. Man musste das Bad nicht mit dem Kind ausschütten: das Umweltthema konnte behalten werden, es war ja schon in aller Munde, ein Startvorteil sozusagen. Mit einem Schlag Veränderte sich das Spannungsgefüge in der grünen Welt, man traf auf (alte) unerwartete Sympathien und Kooperationsmöglichkeiten. Eine lang zurückgehaltene Spannung erfuhr Lösung und Entspannung, die Energien konnten vom Trotz in produktive Synergien einfließen: mit der angestammten Ideologie.

  9. ich muß hier nicht sagen, was uns dieser »Herr« Fischer bereits geboten hat. Das wißt ihr schon. Von ukrainischen Nutten, albanischer Mafia über Kinderarmut, Sozialabbau, Benzinpreisen (Ökosteuer) und vieles vieles mehr. Nunmehr veröffentlicht er den zweiten Teil seiner Memoiren und ist Berater bei Rewe. (Spiegel.de; Welt.de) Schämen sich diese Menschen nicht, einen Bericht zu schreiben? Schämt sich eine Uni nicht, derart vorbelastete Menschen, welche sich auf Grund ihres Standes durch die Gerichtsbarkeit geschlängelt haben, zum Professor zu machen? Wann wird diesem Mann das Maul gestopft?

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