Neusprech: »Zu Ihrer Sicherheit«

Auf Berliner U‐Bahnhöfen ist am Eingang folgendes Schild zu sehen:

Alle Berliner U‐Bahnhöfe werden videoüberwacht. Von den Zügen werden nur die neueren Modelle videoüberwacht. Der Slogan »Zu Ihrer Sicherheit« soll suggerieren, dass eine Videoüberwachung einen Sicherheitsgewinn darstelle. Ich frage mich jedesmal, wie eine Kamera einen Gewalttäter aufhalten kann? Kommen aus der Kamera hochmoderne Laserstrahlen, die den Übeltäter aufhalten?

Sicherlich kann eine Videoüberwachung dazu beitragen, im Nachhinein Übeltäter zu identifizieren, in der Ausführung der Tat ist sie jedoch machtlos. Und selbst für die Identifizierung der Täter reicht es oftmals nicht, wie HeiseOnline berichtet: »zu insgesamt mehreren tausend Straftaten sei nur in 78 Fällen Bildmaterial vorhanden«. Die BVG versuchte erst den Zwischenbericht des Büros für angewandte Statistik unter Verschluß zu halten, musste auf Druck der Bürgerrechtsgruppe Humanistische Union ihn dann doch veröffentlichen. Die Videoüberwachung bringt also keine zusätzliche Sicherheit mit sich. Aber auch dies dürfte keine neue Erkenntnis sein, wie man an London erkennen kann. Dort gibt es über vier Millionen Videokameras an öffentlichen Plätzen und die Kriminalität ist trotzdem nicht gesunken.

Besonders dreist an der Formulierung ist auch, dass sie mich persönlich anspricht: »Zu Ihrer Sicherheit«. Erstens wurden weder ich, noch andere Fahrgäste befragt, ob wir videoüberwacht werden wollen. Der Berliner Senat hat es mit der BVG zusammen beschlossen und damit war die Sache erledigt. Zweitens wird unterstellt, dass mein Sicherheitsgefühl durch Videokameras entstehen würde, was absurd ist. Vielmehr wird ein positiver Glaube an die Überwachung aufrecht erhalten, der sich in der Realität nicht halten lässt. Kameras schrecken weder ab, noch sorgen sie für mehr Sicherheit.

- Mit Dank an jtheripper für das Bild!

5 Gedanken zu “Neusprech: »Zu Ihrer Sicherheit«

  1. Wenn ich zurückdenke, dann machten die Bürgerbewegten am Ende der DDR eine regelrechte Jagd auf Kameras die zur Objektsicherung eingesetzt wurden.
    Kameras, die sich nicht etwa im öffentlichen Raum, sondern in umzäunten Gebieten zu denen nur ein begrenzter Personenkreis Zugang hatte, befanden.

    Es würde mich schon einmal interessieren, was diese ehemaligen Bürgerrechtler heute gegen die Videoüberwachung unternehmen.

    Wer sich für Namen interessiert wird hier fündig. Viele Prominente haben sich auf Kosten der Steuerzahler gut eingerichtet.

    http://de.wikipedia.org/wiki/DDR-Opposition_und_Widerstand

  2. Pingback: Mein Politikblog

  3. Ich habe letztens zufällig auf arte der Blogger gesehen. Da kam ein Bereicht über die Videoüberwachung in London. Schon das Stadtbild war extrem krass mit den ganzen Kameras, auch wenn es die etwas unaufälligen runden Dinger waren. Leider ist die deutsche Website zu der Sendung sehr schwach. Ich habe nix gefunden zu dem Thema.

    Trotzdem mal der Link: http://derblogger.arte.tv/

  4. Das abgebildete Foto könnte glatt aus einem »Zukunfts«-Film stammen. Der der Spruch »Zu ihrer Sicherheit« und das Auge daneben ist echt schon arg unheimlich finde ich.

  5. Banditen meiden meist videoüberwachte Plätze, weil es nicht in ihrem Interesse gelegen ist, das eigene Konterfei im TV wiederzufinden (und die vermummten Typen benötigen ohnedies keine Kameras, die erregen die Aufmerksamkeit und den Widerwillen von Passanten und laufen so Gefahr, von jenen selbst attackiert zu werden).
    Der Sicherheit der Täter sind diese Einrichtungen nicht zuträglich.
    Auf Diebstour befindliche Gestalten messen der Aussage des Schildes natürlich ganz andere Bedeutung bei als Nichtkriminelle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.