Heulen für die Zielgruppe

Wer unseren Blog öfters liest, wird bemerkt haben, dass wir überdurchschnittliche Konsumenten von TV-Serien sind. In der »TV-Reflektion« schreiben wir über empfehlenswerte Serien und in »nicht vergessen...abschalten« zerreißen wir Fernsehsendungen, darunter auch Serien. Ein besonderer Aspekt in Serien ‑wie könnte es anders sein- sind die Charaktere. Eine spezifische Gruppe von Charakteren taucht dabei immer wieder auf: die Heul-und-Jammer-Protagonisten.

Eine kleine Auswahl von Serien, in denen Charaktere, hauptsächlich mit heulen und jammern beschäftigt sind:

Lost: die blonde Claire ist bis zur letzten Staffel damit beschäftigt, als hochschwangere Frau ständig zu jammern, zu heulen und zu klagen. In den ersten beiden Staffeln ist die blonde Shannon, die als überheblich, zickig und eingebildet dargestellt wird, auch nur am rummotzen.

V‑die Außerirdischen: in der alten Serie vom Jahre 1983 war Elizabeth, die eine Affäre mit einem Besucher hatte und dann schwanger wurde, nur mit jammern und heulen beschäftigt. In der neuen Version von »V« vom Jahre 2009, übernehmen Taylor, der Sohn der FBI-Agentin und die Frau des Besuchers Ryan, die Aufgabe der Heul-Charaktere.

Heroes: Die 16jährige Claire Bennet, deren Fähigkeit die Unverwundbarkeit ist, sucht sich ständig selbst. In der ersten Staffel war das interessant und passte ins Konzept. Ab der zweiten Staffel fing das an zu nerven und als Zuschauer wünschte man sich, sie solle endlich erwachsen werden.

24: In der ersten Staffel haben die Frau und die Tochter von Jack Bauer hauptsächlich rumgejammert. Der Beschützerinstinkt, von ihnen umgehenden Männern, wurde damit oft angesprochen.

Rom: Die Frau von Lucius Vorenus sitzt zuhause und ist hauptberuflich mit jammern und heulen beschäftigt. Natürlich ist sie auch noch Hausfrau und Mutter.

Es gibt sicherlich noch viele andere Beispiele. Abgesehen davon, dass mich diese Charaktere einfach nur nerven, frage ich mich welche Zielgruppen damit angesprochen werden sollen? Oder ist es Zufall, dass es immer wieder solche Charaktere in Serien gibt? Hat es einen Grund, dass diese Rollen meist von weiblichen Charakteren gespielt werden? Können die Drehbuchschreiber keine guten Frauenrollen schreiben?

- Bild von »janaleemckenzie« auf fanpop.com

3 Gedanken zu “Heulen für die Zielgruppe

  1. Gute Frauenrollen oder besser gute weibliche Hauptrollen sind wirklich schwer zu finden und ja, da die meisten Drehbuchautoren Männer sind, ist das auf jeden Fall ein Faktor.

    Die »Heul-Charaktere« werden aber, glaube ich, extra gecastet. So wie der »Held« oder der »Comedian«. Vielleicht gab es mal eine Zuschauerbefragung und die größere Zielgruppe (Männer), wollte schwache Frauen sehen, die gerettet werden wollen. Schade eigentlich.

  2. Och nööö, Jungens. Wat seid ihr abba auch härzlos. Jätzt gugget doch mal wat denne junge Dinger auch imma passiere muss. In all de Ballerei un Kriegerei, tut sonne biske HärzSchmärz doch mal janz jut.

  3. Jammer-Charaktere müssen nicht einfach als weinerliche Figuren gelten, sie können auch durchaus egozentrische Figuren ohne Gemeinschaftssinn darstellen. Der zentrale Angelpunkt ist Unberechenbarkeit wegen des rebellischen, selbstsüchtigen Verhaltens und führt oft zu überraschenden Wendungen, die ein anderer Charakter so nicht einfach begehen würde.

    Es ist eigentlich mehr ein beklagen des eigenen schweren Schicksals, weil die Welt einem so schwer mitspielt.

    Männer in solch einer Rolle bzw. mit solchen Motivationen sind eigentlich nicht real. Diese Jammern nicht, sondern sind eher rücksichtslose Typen, die aufmüpfig weder Autorität akzeptieren noch selbst wirklich tatkräftig an der Zielsetzung ihrer Gemeinschaft teilhaben. Sie sind eher in entscheidenden Situationen feige, verräterisch und geben dann anderen dafür die Schuld.

    Ein umfassender Blick auf diese Rollen und die Details der Motivationen wird das m.E. reduzierte Bild dieser Charaktere alleine als Heulbojen nicht gerecht. Allerdings ist mindere Qualität von Drehbüchern und Darstellern sicher oft mitschuld, wenn die Vielschichtigkeit eines Charakters in Eintönigkeit von Jammerorgien verfällt. Aus fehlenden alternativen Darstellungsoptionen wird dann möglicherweise besonders herzhaft herumgeheult.

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