
Und täglich sollt Ihr einkehren in unsere Konsumtempel!
Das oberste Gebot im Kapitalismus lautet: alles ist erlaubt und angemessen, was Profit bringt. Lügen, betrügen, sparen und kürzen, verschleiern, verheimlichen, abzocken, verschmutzen, verschwenden: solange es dem Wirtschaftswachstum dient –also der heiligen Götze des Marktes- ist es gut und richtig. Der Rendite muss sich alles unterordnen. Der Kapitalismus ist nicht daran interessiert, dass es der Bevölkerung und der Umwelt gut geht, sondern einzig daran, dass die wenigen Reichen, noch reicher werden. Ganz im Gegenteil: umso mehr Menschen ängstlich, unzufrieden, chronisch krank, ungebildet oder drogenabhängig sind, umso besser. Weiterlesen
Ob wir mit Bus und Bahn fahren, in die Schule, zur Universität oder zur Lohnarbeit gehen, den Fernseher einschalten, eine Zeitung lesen oder im Internet surfen – wir können der Werbung kaum entkommen. Aus allen Poren und Kanälen trommelt und tröpfelt die »kommerzielle Propaganda« (Aldous Huxley) auf uns ein. Sie will nicht nur unsere Aufmerksamkeit erringen und uns dazu animieren, die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen zu kaufen, sie will uns vor allem auch konstruierte Bedürfnisse einimpfen. Hirn und Herz sollen auf Linie, der Mensch als Ganzes auf Konsum getrimmt werden. Denn nur die Befriedigung des Kaufens verspreche Glück, Zufriedenheit und Sinnerfüllung. Dieses, durch endlose Wiederholungen gepredigtes, subtiles Dogma, verdeutlicht, dass Reklame eben nicht nur harmlose Zerstreuung ist, sondern religiös anmutende, ideologische Propaganda im Dienste von partikularen Renditeinteressen.
Nach dem Mauerfall und dem weltweiten Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, hat der Kapitalismus sein Gegenmodell verloren, vielleicht mit Ausnahme heutiger lateinamerikanischer Sozialismus-Formen. In diesem Zusammenhang behauptet er, die einzige wirtschaftspolitische Alternative zu sein. Da aber jedes System als Abgrenzung, Legitimation und Polarisation ein Gegenmodell benötigt, wird nun mehr und mehr versucht innerhalb des Kapitalismus selbst, zwischen vermeintlich guten (Biokonsum, Fair Trade, Emissionshandel, Öko-Siegel etc.) und schlechten Ausprägungen (Finanzkapitalismus, Hedge Fonds, Heuschrecken, Neoliberalismus etc.) zu unterscheiden. Dabei ist und bleibt das gesellschaftliche Eigentum stets ungerecht verteilt und das Dogma der Profitorientierung sowie des unendlichen Wachstums bleiben immer unangetastet.