»Selbst ein Kapitalismus mit mehr Einkommensgerechtigkeit wird in der Katastrophe enden, wenn er weiterhin auf Konsumsteigerungen und kurzfristiges Wachstum setzt.«
- Chandran Nair. »Die Mutter allen Kapitals«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe Juli 2014. S. 3
Anmerkung: Viele Alt-Sozis, Gewerkschafter und SPD-Anhänger glauben daran, den Kapitalismus zähmen zu können. Eine vermeintlich bessere Verteilung von Brotkrumen der Reichen, führt jedoch nicht zu einem besseren gesellschaftlichen Entwurf, sondern verfestigt nur die ohnehin schon vorhandenen Ungerechtigkeiten (Konsum als Lebenszweck, Ausbeutung von Menschen und der Natur, Umwelt- und Klimaverschmutzung etc.). Was wir wirklich brauchen, sind Alternativen zum menschlichen Abgrund. Und wer die liefern will, wird lächerlich gemacht.
Ob wir mit Bus und Bahn fahren, in die Schule, zur Universität oder zur Lohnarbeit gehen, den Fernseher einschalten, eine Zeitung lesen oder im Internet surfen – wir können der Werbung kaum entkommen. Aus allen Poren und Kanälen trommelt und tröpfelt die »kommerzielle Propaganda« (Aldous Huxley) auf uns ein. Sie will nicht nur unsere Aufmerksamkeit erringen und uns dazu animieren, die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen zu kaufen, sie will uns vor allem auch konstruierte Bedürfnisse einimpfen. Hirn und Herz sollen auf Linie, der Mensch als Ganzes auf Konsum getrimmt werden. Denn nur die Befriedigung des Kaufens verspreche Glück, Zufriedenheit und Sinnerfüllung. Dieses, durch endlose Wiederholungen gepredigtes, subtiles Dogma, verdeutlicht, dass Reklame eben nicht nur harmlose Zerstreuung ist, sondern religiös anmutende, ideologische Propaganda im Dienste von partikularen Renditeinteressen.
Nach dem Mauerfall und dem weltweiten Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, hat der Kapitalismus sein Gegenmodell verloren, vielleicht mit Ausnahme heutiger lateinamerikanischer Sozialismus-Formen. In diesem Zusammenhang behauptet er, die einzige wirtschaftspolitische Alternative zu sein. Da aber jedes System als Abgrenzung, Legitimation und Polarisation ein Gegenmodell benötigt, wird nun mehr und mehr versucht innerhalb des Kapitalismus selbst, zwischen vermeintlich guten (Biokonsum, Fair Trade, Emissionshandel, Öko-Siegel etc.) und schlechten Ausprägungen (Finanzkapitalismus, Hedge Fonds, Heuschrecken, Neoliberalismus etc.) zu unterscheiden. Dabei ist und bleibt das gesellschaftliche Eigentum stets ungerecht verteilt und das Dogma der Profitorientierung sowie des unendlichen Wachstums bleiben immer unangetastet.