»Endlich wieder stolz sein dürfen!«

»Der Begriff Stolz sollte in Deutschland erst dann wieder ganz vorsichtig zur Anwendung kommen, wenn es uns gelungen ist, den neuen Nazi-Scheiß zu stoppen«

- Udo Lindenberg

Bald dürfen wir wieder öffentlich stolz auf Deutschland sein, ohne in den Verdacht zu geraten, wir hätten eine rechte Gesinnung. Überall rüsten sich die Deutschen schon mit Fähnchen, T‑Shirts und Trillerpfeifen. Am 11. Juni ist das erste WM-Spiel und am 13. Juni spielt Deutschland gegen Australien. Hitlerdeutschland liegt doch über 60 Jahre zurück, also dürfen wir auch mal wieder stolz auf unser Land sein, oder? Laut einer Forsa-Umfrage sind 84% der 14–18 Jährigen eh schon stolz darauf, deutsch zu sein. Weiterlesen →

Die gebratenen Tauben

Ein Leib, der satt ist, hätte über nichts zu klagen. Falls es ihm nicht an Kleidung und Obdach fehlte, also fast an allem. Falls es nicht an Freunden fehlte und falls das Leben leicht und friedlich liefe statt des Unwetters, als das es den meisten geworden ist. Aber nur das Märchen, das immer lehrreiche, und das Staatsmärchen wissen vom Tischleindeckdich, vom Schlaraffenland zu erzählen.

- Ernst Bloch, Freiheit und Unordnung, Suhrkamp 1969, Seite 7

Anmerkung: Wann fliegen uns endlich ‑die so oft versprochenen- gebratenen Tauben in den Mund?

Boston Legal

Nachdem Boston Legal nun auch im deutschen Fernsehen fast zur Gänze ausgestrahlt ist, habe ich mir gedacht dann sollte ich der Serie  noch vor dem hoffentlich rühmlichen Ende ein paar Zeilen widmen. Zu meiner Entschuldigung kann ich anführen, dass ich selbst erst seit Anfang der vierten, und somit vorletzten, Staffel das Geschehen um die Kanzlei Crane, Poole & Schmidt verfolge. Dieser kleine Artikel kann also immer noch als Empfehlung verstanden werden, der Serie ggf. im Nachhinein eine Chance zu geben.

Köhler tritt zurück — das System bleibt

Bundespräsident Köhler ist von seinem Amt zurückgetreten. Gestern wurde noch Köhlers Aussage, Kriege für freie Handelswege zu führen, massiv kritisiert, heute wird es Trauer- und Abschiedsreden geben. Der Deutschlandfunk, der das pikante Interview mit Köhler geführt hatte, ist nicht schuld. Köhler hat sich einfach verplappert, für einen Moment die Wahrheit ausgesprochen. Deutschland führt einen Krieg wie in Zeiten des Imperialismus: für Rohstoffe und Macht.

Letztendlich ist seine Entscheidung überraschend, aber doch konsequent. Man stelle sich nur mal vor, wir hätten jetzt eine wochenlange öffentliche Diskussion über Köhlers Aussage? Das wollen viele Herrschaften sicher nicht. Medien und Politiker können jeden Fehler, jede Aussage, jedes politische Denken usw. einfach personalisieren — der/die tritt bei Fettnäpfchen zurück und niemand dringt je zum wirklichen Problem vor. Denn es ist völlig irrelevant ob Koch, Köhler und Konsorten zurücktreten, solange die neoliberale Ideologie (Personalabbau, Sozialabbau, Deregulierung, Profitmaximierung statt Gemeinwohl-Orientierung usw.) alle öffentlichen Institutionen und Ämter beherrscht.

Statt Koch und Köhler, sollte der Neoliberalismus endlich zurücktreten. Denn er hat auf allen Gebieten kläglich versagt. Er bleibt jedoch weiterhin im Amt.

ZG-Rückblick: Afghanistankrieg

Deutschland ist seit neun Jahren im Krieg mit Afghanistan. Abgesehen von Anschlägen und toten deutschen Soldaten (mittlerweile sind es um die 40) erfahren wir durch die bürgerlichen Medien wenig über das, was vor Ort geschieht. Mittlerweile ist das Thema aus der öffentlichen Debatte nicht mehr wegzudenken. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßman hatte den Afghanistankrieg scharf verurteilt. Als Anfang April drei deutsche Soldaten in Afghanistan getötet wurden, betonte Verteidigungsminister Guttenberg dass sie »für uns gestorben« seien. Nun hat vor einigen Tagen Bundespräsident Horst Köhler gesagt, dass Kriege für »freie Handelswege«, also aus wirtschaftlichen Interessen heraus, legitim seien.

Wielange wird der Afghanistankrieg noch dauern? Werden wir eine Radikalisierung deutscher Außenpolitik erleben, die für wirtschaftliche Interessen weltweit Kriege führen wird? Ist der Krieg überhaupt zu gewinnen? Weiterlesen →

Massenkonformes Wohnen

Das Thema der medialen Gleichschaltung in Deutschland habe ich hier schon öfters angesprochen. Wer sich wochenlang täglich verschiedene Tageszeitungen kauft oder sich einfach die Schlagzeilen der Online-Ausgaben anschaut, bekommt schnell ein massenkonformes Denken um die Ohren geknallt. Wie immer ist es einfach, auf andere zu schauen und ihnen eine Konformität vorzuwerfen. Wie sieht es aber z.B. mit unserer aller Wohnungsgestaltung aus? Weiterlesen →

Neusprech: Sozialstatus

Klassifikationssystem, das Menschen in wertvolle und weniger wertvolle Personen einteilt, ähnlich dem Kastensystem in Indien. Genauer: subtiles Herrschaftsinstrument zur Unterstützung und Stabilisierung der vorhandenen gesellschaftlichen Ungleichheiten. Der Sozialstatus bestimmt den Umgang der Menschen unter- und miteinander. Wer einen angesehenen Beruf nachgeht, viel Geld und gesellschaftlichen oder sozialen Einfluss hat,  große Besitztümer sein eigen nennt, darf sich als Herrenmensch fühlen und gebaren. Alle anderen haben ihm ‑direkt oder indirekt- zu dienen oder zumindest ehrfürchtig zu ihm aufzublicken. Weiterlesen →

Weihnachten vorverlegt: Koch tritt zurück

Da sag mir mal einer, es gäbe keine guten Nachrichten mehr! Roland Koch, Ministerpräsident von Hessen und CDU-Bundesvize will von all seinen Ämtern zurücktreten. Der brutalstmögliche Lügenbaron und ausländerfeindliche Kinderhasser Roland Koch, hat endlich genug Schwarzgeld angesammelt, um sich ein schönes Leben außerhalb der Politik zu machen. Ganz Herzlichen Glückwunsch! Das Land hat einen schmierigen und korrupten Politiker weniger. Nur eine Frage bleibt Koch uns schuldig: »Wo beginnt menschliches Leben, Herr Koch?«

Update: Wer Koch und seine Machenschaften nicht kennen sollte, der möge bitte hier klicken!

Der Augenblick der Wahrheit

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat in der Sendung »Pelzig unterhält sich« für einen kurzen Augenblick jedes politische Kalkül fallen und jede Phrase weggelassen.  Zitat (bei etwa 4:46):

Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt wurden, haben nichts zu entscheiden.

Damit ist wohl alles gesagt, oder?