Neusprech: Faulheit

»Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich«.

- Anatole France

Faulheit bezeichnet im Sinne von faul und Fäulnis, dass Verderben und das Verwesen von Obst und von Tieren. Im Zeitalter von Arbeitsfetischismus, Sklavenmoral, Arbeitssucht und vorauseilendem Arbeitsgehorsam ist der Vorwurf der Faulheit eine schlimme Sünde. Wer als faul bezeichnet wird, sei träge, arbeitsscheu, unnütz, wertlos und letztlich gar überflüssig. Der Begriff ist im Kapitalismus negativ konnotiert und wird als Waffe gegen all jene verwendet, die sich nicht dem Hamsterrad der ewigen Selbstverwertung unterwerfen können oder wollen. Weiterlesen →

Gott ist ein Auto

»1950 gab es in der BRD 2 Millionen motorisierte Fahrzeuge, davon mehr als die Hälfte Motorräder; 1973 waren es 22 Millionen, heute sind es 50 Millionen«

- Harald Welzer, die automobile Republik, Blätter Ausgabe November 2010

Das Automobil hat sich tief in den Habitus der Deutschen eingegraben. Das Auto ist ein Symbol in vielerlei Hinsicht: Status, Potenz, Freiheit, Wohlstand, Luxus, Komfort, Macht, Spass und Technologie. Es ist ein bedeutendes Wirtschafts- und Gefühlsgut, für viele gar ein Fetisch. Die Autoindustrie ist in Deutschland einer der wichtigsten Wirtschaftszweige und eng mit der Politik verbandelt. »Auto« ist ‑neben Mama, Papa und Ball– auch einer der ersten Begriffe, die kleine Kinder sprechen lernen. Gleichzeitig ist das Auto aber auch ein Mordwerkzeug und Umweltverpester. Im Jahr 2009 sind laut dem statistischen Bundesamt in Deutschland 4152 Menschen durch Verkehrsunfälle gestorben.

Wie würde eine deutsche Gesellschaft ohne Auto aussehen? Könnte es sie überhaupt noch geben?

»Bürger, bettelt um Lohnarbeit!«

Im April 2010 schrieb ich einen Artikel mit dem Titel »Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein!«. Darin schrieb ich, dass es für viele Menschen eine Kausalität zwischen Lohnarbeit und Glück gebe. Ferner, dass wer erwerbslos ist, auch gar nicht glücklich sein könne bzw. nicht glücklich sein dürfe! Wer erwerbslos ist und auch noch behaupte, er sei gar nicht so unglücklich darüber, wird als Parasit, Schmarotzer, ja als Unmensch gesehen. Wer erwerbslos ist, hat sich zu schämen, zu ducken und sich ständig bei der Familie und bei Freunden zu rechtfertigen, warum er denn keine Lohnarbeit habe? Weiterlesen →

Zeugnissprache

Arbeitszeugnisse besitzen eine Geheimsprache. Auch wenn im Internetzeitalter nur noch wenig wirklich geheim ist, gibt es sicher noch Menschen, die sie nicht zu deuten wissen. Arbeitszeugnisse sollen wohlklingend geschrieben sein. Kritik und negative Beurteilungen werden in Form von dreisten Euphemismen untergebracht. Einige Beispiele.

1.) ...bewies stets Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft.

  • Er suchte Sexkontakte im Betrieb.

2.) ...trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.

  • Er hat vielleicht Alkoholprobleme.

3.) ...war pünktlich und fleißig.

  • Er ist nicht ehrlich.

4.) ... galt im Kollegenkreis als toleranter Mitarbeiter.

  • Er kam nicht mit den Vorgesetzten zurecht.

Quelle: bewerben.de

ZG-Rückblick: Terror-Anschlag?

Seit einiger Zeit grassiert in Deutschland die Angst vor einem Terroranschlag. Laut Berichten der bürgerlichen Presse sei Deutschland demnächst Ziel von Anschlägen und Terrorismus. Polizei und Sicherheitskräfte sind in höchster Alarmbereitschaft. Wird die Terror-Hysterie benutzt, um den Überwachungsstaat und den Sicherheitsapparat weiter auszubauen? Oder sollte man die Terrorgefahr ernst nehmen? Weiterlesen →

Sozial verwünscht

Alle Jahre wieder. Jemand im Freundes‑, Familien– oder Bekanntenkreis hat Geburtstag. Oder man selbst wird sogar wieder älter. Zumindest ist es sehr vielen Deutschen extrem wichtig, dass daran gedacht wird. Sich gemeldet wird. Ich erlebe es immer wieder, dass sich Menschen bei mir zum Geburtstag melden, mit denen ich das ganze Jahr über sonst nichts zu tun habe. Die sich sonst nie melden, kaum an mir und meinem Leben interessiert sind. Aber an meinen Geburtstag haben sie gedacht. Uhuuh! Umgekehrt erwische ich mich selbst auch immer wieder, wie ich Menschen Geburtstagsgrüße überreiche, weil es eben sozial erwünscht ist. Weil derjenige es einfach erwartet und sonst sauer ist. Auch wenn ich mit diesem Menschen das ganze Jahr über wenig zu tun habe.

Das ganze heuchlerische Spielchen ist in Deutschland schon regelrecht Tradition geworden und weit verbreitet. Zahlenfetischismus pur. Ich sollte mich in Zukunft auch nur noch bei denjenigen melden, die mir auch wichtig sind (und sofern ich es nicht vergesse *hust*). Und alle mit denen ich das ganze Jahr über sonst nichts zu tun habe, die dürfen sich den Geburtstagsgruß auch gerne selbst schenken ;)

Ganz normal

Ist es normal, nur weil alle es tun?

- Thomas D. von den Fantastischen Vier, »Ganz Normal« auf dem Album »die vierte Dimension«

Anmerkung: Das Argument, dass etwas doch normal sei, weil es eben die Mehrheit bzw. die Masse macht, hört man fast täglich in seinem Umfeld. Wenn also die Mehrheit mordet, dann ist das ganz normal? Nein, aber es macht doch die Mehrheit? Ab wann ist etwas normal, weil es alle tun und ab wann nicht mehr?

Lektüre für Nichtleser

... eine Rezension Empfehlung

LfN - Band10 - Cover

Ich bin seit einiger Zeit leider Nichtleser geworden, was aber nicht so auffällt, wenn man sich mit dem Fahrrad fortbewegt und sonst immer im Internet hängt. Nun darf das Rad aber überwintern und in der kurzen S‑Bahnfahrt ist die Lektüre für Nichtleser von Michael Bukowski einfach optimal. Für mich sogar fast perfekt. Natürlich funktioniert sie auch bei längeren Fahrten (habe es vor kurzem erst getestet), aber dann hat man so ein Band auch schneller durch und es gibt nur zehn. Bis jetzt. So ein Band ist aber eigentlich mehr ein Heft und im DIN A6-Format. Damit passt es super in die Jackentasche und kann schnell ge- und entzückt werden (*hust*). Band 1 habe ich nun schon durch und war very amused. Zwar fehlten die Seiten 27–28 (zensiert oder Ausschießen verschossen?), aber ein Bleistift-Pfeil auf Seite 65 (ich denke mal für die Laufrichtung) vergnügte mein Mediengestalterherz wieder. Weiterlesen →