Reichtum durch Leistung?

Die ärmsten 50 Prozent aller Haushalte verfügen zusammen über 3,8 Prozent des Gesamtvermögens in Deutschland.  Die reichsten zehn Prozent besitzen über 46,8 Prozent des privaten Vermögens. In Deutschland leben ca. 800.000 Vermögensmillionäre. Davon sind ca. 13.000 Einkommensmillionäre, d.h. die ein zu versteuerndes Einkommen von einer Million Euro oder mehr erzielen. Wie sind die anderen 787.000 Millionäre, die in Deutschland leben, zu ihrem Reichtum gekommen? Aktien? Erbschaft? Banküberfall? Im Lotto gewonnen? Oder zahlen sie etwa keine Steuern und werden deshalb nicht als Einkommensmillionäre aufgeführt?

Die Bevölkerung zahlt

Im folgenden die Rede von Gregor Gysi zur Regierungserklärung der Kanzlerin zum Euro-Rettungsfonds EFSF am 26. Oktober 2011. Gysi erklärt den ganzen Wahnsinn des »Euro-Rettungsschirms«. Wer am Ende die Milliarden-Zeche zahlen darf, könnt ihr euch denken. Steuererhöhungen, Einsparungen, Sozialabbau und Kürzungen in sämtlichen politischen Bereichen werden uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erwarten. Von politischer Gestaltungskraft kann dann keine Rede mehr sein.


 

Volk und Markt

»Griechenlands Premier Papandreou irritiert die Märkte: Er will sein Volk über das Euro-Rettungspaket abstimmen lassen — die meisten Beobachter fürchten ein Nein, was das Land in die Staatspleite treiben könnte. Die Börse reagiert verstört, der Dax startet mit einem dicken Minus in den Handel.«

- SpiegelOnline vom 1. November 2011

Anmerkung: Wer oder was sind denn »die Märkte«? Wieso werden keine Namen genannt? Die Medien sind doch sonst immer schnell dabei, Sachverhalte zu personalisieren. Beim »Markt« wird immer so getan, als sei er ein Gott-Leviathan, ein namenloses Etwas, dem man sich zu unterwerfen hat. Während der Leviathan bei Hobbes, dem Volk dienen sollte, ist er hier sein Gegenspieler: Markt vs. Volk. »Markt« und Demokratie (Volksabstimmung) vertragen sich wohl doch nicht, hm? Ich dachte immer, »die Wirtschaft« und »der Markt« seien für den Menschen da?

Neusprech: Rettungsschirm

»Die Mehrheit ist deutlich: 503 Bundestagsabgeordnete haben für die Stärkung des Euro-Rettungsschirms votiert«

- SpiegelOnline vom 26. Oktober 2011

Der Begriff »Rettungsschirm« besteht aus zwei Wörtern: Rettung und Schirm. Einen Schirm trägt man meist über seinen Kopf und er soll den Betreffenden vor einer Naturgewalt schützen: vor Wind, Regen oder Sonne. Nicht zu verwechseln mit Bild- oder Lampenschirm. Das Wort »Rettung« impliziert, dass jemand oder etwas vor einer Gefahr gerettet werden müsse und der vermeintliche Retter eine menschenfreundliche Tat vollbringt. Insofern ist der Terminus »Rettungsschirm« doppelt positiv aufgeladen. Weiterlesen →

Gutmenschelnde Bioesser

Um ein guter Mensch zu sein, fährt man im Bioladen vor. [...] in den Kosten für das Abendessen ist dann auch etwas enthalten, das man nicht überall kriegt: ein deutlich verbessertes Gewissen. [...] Man kann sich gewissermaßen gutessen.

- Katharina Döbler, »Zurückessen«, le monde diplomatique, Ausgabe Oktober 2011, Seite 2

Anmerkung: Besserverdiener, Grünen-Wähler und Bioladen-Konsumenten brauchen sich nicht politisch zu engagieren, sich an Demos zu beteiligen oder zu streiken. Sie kaufen und konsumieren Bioprodukte und schon ist die Welt ein wenig besser, friedlicher und gerechter. Oder nicht?

Arme zahlen

Die Süddeutsche Zeitung erklärt ihren Lesern Zahlen, die wir kennen sollten, um die Krise zu verstehen. Hunderte Milliarden Euro für Rettungsschirme, Kredite und Hilfspakete. Es gibt aber auch noch andere Zahlen, um die Krise zu verstehen:

Knapp 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind auf Lebensmittelspenden, auf die Tafeln angewiesen.

- lebensmittelpraxis.de

In Deutschland leiden etwa 4 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.

- servier.de

Über 2,5 Millionen Kinder in Deutschland leben auf Sozialhilfeniveau und in Einkommensarmut.

- Deutscher Kinderschutzbund

Ungefähr 10.000 Menschen begehen in Deutschland jährlich Selbstmord.

- Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention

Knapp 1,4 Millionen Menschen in Deutschland lohnarbeiten, können davon aber nicht leben (sog. »Aufstocker«). Sie beziehen zusätzlich Hartz 4.

- tagesschau.de

Ungefähr 330.000 Menschen in Deutschland sind obdachlos.

- Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe

Das Mach-Mit-System

Liebes Rädchen im Getriebe,

ich spreche in einer ernsten Angelegenheit heute zu Dir. Kinder haben Träume, Jugendliche haben Wünsche, Erwachsene haben Bedürfnisse — und wir wollen unseren Profit! Renne keinen Illusionen von einer gerechten Welt hinterher, weigere Dich nicht mit zu machen, wehre Dich nicht! Gerechtigkeit in der sozialen Marktwirtschaft bedeutet, ein Auto zu haben. Frieden bedeutet, fürs Alter vorzusorgen. Sicherheit bedeutet, stets einen vollen Kühlschrank sein Eigen nennen zu dürfen. Geld, Vermögen und Konsum ist der Zweck und der Sinn Deines Daseins! Mach mit und Du wirst glücklich sein! Versprochen!

(Früher oder später kriegen wir Dich eh! Mit Druck, Zwang und Gewalt!)

Herzlichst,

Dein System

Zum Tod Gaddafis: Medienspiegel

Dass der einstige Offizier und Revolutionsführer durch Waffengewalt starb, bedeutet historische Gerechtigkeit.

- Süddeutsche

Am Tod Gaddafis war die Nato angeblich nicht beteiligt.

- SpiegelOnline

Nach Ansicht von Experten ist der Tod von Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi besser für die weitere Entwicklung in Libyen. Der große Vorteil sei, dass nun kein Gerichtsverfahren stattfinden müsse. Man kann sich sofort den Herausforderungen der Zukunft stellen, sagte Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz.

- focus.de

Anmerkung: Es ist gut und gerecht, durch Waffengewalt zu sterben. Es ist besser, wenn kein Gerichtsverfahren, sondern eine Hinrichtung stattfindet. Und an allem war die NATO nicht beteiligt. Und alle zeigen das Bild einer blutüberströmten Leiche. So reden und handeln bürgerliche Medien und Experten, die ansonsten so stolz auf die westlichen Demokratien mit ihren vermeintlichen Menschenrechten sind.

Bundeswehranzeigen

Deutschland verteidigt sich selbst seit gut 10 Jahren in Afghanistan. So langsam geht uns aber das Menschenmaterial aus. Die Bundeswehr braucht dringend frische Soldaten. Das Titanic-Magazin hat nun im Auftrag der Bundeswehr brandneue Anzeigen gestaltet, die man bequem als digitale Postkarten versenden kann. Noch heute verschicken oder gleich bei ihrer örtlichen Kaserne sich als Zeitsoldat verpflichten lassen!