...schreibt Martine Bulard in der aktuellen Le Monde Diplomatique im Artikel »Alles von Samsung«. Der hervorragende Beitrag beschreibt ausführlich die Machenschaften, Strukturen und Arbeitsverhältnisse beim südkoreanischen Großkonzern Samsung. Während sich viele Deutsche in einem religiös-banalen Glaubenskrieg, zwischen der vermeintlichen Qualität von Apple- oder Samsung-smartphones ergießen, weiß kaum jemand, welchen Einfluss der Konzern in Südkorea hat und mit welch eisiger Hand er das Land regiert. Und: was man eigentlich mit dem Kauf von Samsung-smartphones unterstützt und fördert. Weiterlesen
Archiv des Autors: epikur
Presseblick (8)
SpiegelOnline schreibt von einer Studie, die einen »eklatanten Fachkräftemangel in der Pflege« kritisiere. Schon wieder, die Lügen-Propaganda vom Fachkräftemangel. Bei real existierenden sechs bis sieben Millionen erwerbslosen Menschen in Deutschland (die natürlich alle unqualifiziert sind) vom Fachkräftemangel zu schwadronieren, ist völlig daneben. Es besteht wohl eher einen Mangel an Arbeitskräften, die sich freiwillig für einen Hungerlohn kaputt schuften wollen. Wenn man sich die Zustände in Alten- und Pflegeheimen anschaut, ist es kein Wunder, dass die Menschen in Deutschland Angst vorm älter werden haben.
Nachdem Attac recherchiert hat, dass mehr als drei Viertel der »Griechenland-Hilfsmilliarden« vor allem an Banken, Investoren, an Reiche und Vermögende in Griechenland geflossen sind, ist man sich nicht zu schade, auch weiterhin von »Athen-Retter«, »Griechenland-Hilfe«, »Athen-Millionen« oder »Griechenland-Retter« zu schwafeln, wie es focus.de beispielsweise macht. Es sind Banken-und-Reichen-Milliarden. Das griechische Volk darf, durch das radikale Spar- und Kürzungsprogramm das die EU ihr aufzwingt, vor allem drastische Einschränkungen ihrer Lebensqualität hinnehmen. Das ist keine »Rettung«, sondern eine Katastrophe. Weiterlesen
Nichtgedanken — Carsten Maschmeyer
Oliver Kalkofe liest aus Carsten Maschmeyers Buch »Selfmade«. Wer wissen will, wie man ein erfolgreicher und skrupelloser Geschäftsmann wird, der findet in diesem Buch die Antwort: »weissen Sie den tatsächlichen Kontostand und tragen stattdessen Ihren Wunsch- und Zielbetrag ein. Sie werden es sehen, gleich sind sie viel besser drauf«. So einfach geht das.
Massenindividualität
Täglich werden uns Ideale, Dogmen, Normen und Werte eingeimpft. Unsere Vorstellung von einem »guten und gelingenden Leben«, hängt stark davon ab wie und was wir über bestimmte Dinge denken. Zu glauben, unsere Denkweise und Einstellung zum Leben würde in einem individuellen, luftleeren Raum entstehen, der nach außen hin abgeschirmt sei, ist naiv. Wir werden ständig beeinflusst und in unserem Denken geformt und genormt, auch wenn wir das verdrängen und so gerne an den Selbstbetrug der Einzigartigkeit glauben wollen. Weiterlesen
Klassentreffen
Klassentreffen sind eine gute Gelegenheit, um zu erkennen, was den meisten Menschen wirklich wichtig ist, um andere einschätzen und beurteilen zu können. In der Regel hat man sich 10 oder 20 Jahre nicht mehr gesehen und meist nur einen Abend Zeit, um sich wieder neu kennen zu lernen bzw. um die Vergangenheit zu reflektieren und mit dem neu gewonnenen Bild zu verknüpfen. Von Interesse ist hierbei die Lohnarbeit, die Wohnung, der Beziehungsstatus (Kinder? Ehe? Wie lange zusammen?) und das Aussehen (dicker oder dünner geworden? Kleidungsstil?). Alle Themen sind mit einer streng materialistisch-konsumistischen Lebenseinstellung besetzt.
Meine Versuche, Themen wie Philosophie, Kunst, Kultur, persönliches Glück, Leidenschaften, individuelle Neigungen, Medien oder Politik ins Feld zu führen, scheiterten. Entweder sie wurden ignoriert, abschätzig bewertet oder führten wieder zu den oben genannten Lebensbereichen. Es scheint, als sei das wirtschaftspolitische Vorhaben, die Bevölkerung ausschließlich zu Krämerseelen um zu erziehen, ein voller Erfolg.
Presseblick (7)
Gerhard Schröder (Gazprom) und Joschka Fischer (Nabucco) mögen sich nicht mehr. Beide sind nun Energielobbyisten für Großkonzerne mit entgegen laufenden Interessen, schreiben deutsche-wirtschafts-nachrichten.de. Die ehemaligen Volkszertreter auf dem Parkett vom Milliarden-Business. Sie nennen es den »sozialen Aufstieg«.
In derstandard.at gibt es ein interessantes Interview mit dem Sozialforscher Benedikt Rogge über »Die vielen Gesichter der Arbeitslosigkeit«. Auf die Frage, ob glückliche Arbeitslose in unserer Gesellschaft nicht vorgesehen seien, weil sich die komplette Selbstbestimmtheit auf die Erwerbsarbeit reduziere, antwortet Rogge: »Es ist immer noch ein Tabu, dass Arbeitslosigkeit nicht zwingend mit weniger Lebensqualität einhergeht als Erwerbsarbeit«. Wer erwerbslos ist, hat sich zu schämen, dass er nicht mehr zum Verwertungskreislauf dazu gehört. Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein. Weiterlesen
Neusprech: Service
»Auch bei der Telekom erhalten Sie als Kunde einen sehr umfangreichen und ausgewogenen Service. Sie haben die Möglichkeit bei einem Problem jederzeit auf einen umfassenden Telekom Service zurückzugreifen.«
- Deutsche Telekom
Das schwammige Plastikwort »Service« erreicht bei der Suchmaschine google ungefähr 6.000.000.000 Ergebnisse. Es ist eines der absolut zentralen Begriffe der ökonomischen Lebenswelt. Er bezeichnet die Dienstleistung am und für den Kunden. Es gibt Service-Zentralen, Service-Management, Service-Mitarbeiter, Service-Rufnummern und vieles mehr. Stets suggerieren Kundennähe, Kundenpflege und Kundenorientierung, dass man die Wünsche und Bedürfnisse des Verbrauchers ernst nehmen würde. Mit der Realität hat das meist wenig zu tun. Weiterlesen
Deutschland ist eine Steueroase
Gregor Gysi über die Unruhen in der Türkei und Syrien, zur Euro-Krise, Steuerhinterziehung und die Politik der Bundesregierung.
Presseblick (6)
Auf faz.net wird behauptet, dass Unternehmen um die Gunst von Familien buhlen würden. Es gebe bereits 584 Betriebskindergärten und jedes dritte Unternehmen unterstütze seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung, sagt Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Die Lügen-Propaganda der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat jedoch einen Freud’schen Versprecher: »Bestehende Hindernisse für eine stärkere Berufstätigkeit beseitigen, sei in jedem Fall ein wichtiges Ziel, betonte Hundt«. Kinder als »Hindernisse«, die »beseitigt« werden müssen.
Auf gamestar.de wird über die kommende Fortsetzung der Thief-Reihe geschrieben. Der Producer Stefan Roy erklärt: »Wir müssen eng mit dem Marketing zusammenarbeiten um sicherzugehen, dass die Botschaft des Spiels klar ankommt«. Genau das ist das fundamentale Problem der mangelnden Qualität vieler PC- und Konsolenspiele sowie vieler anderer (Medien-)Produkte: statt in die Produktentwicklung zu investieren und auf sie zu hören, wird in die Werbung und in die Öffentlichkeitsarbeit Geld gepumpt. Es ist eben nicht wichtig, ob das Produkt qualitativ hochwertig ist, wichtig ist, es als »gut« verkaufen zu können. Weiterlesen
Ausgrenzungsromantik
Das Netzwerk »Soziales Marketing« startet im Oktober 2013 eine bundesweite Kampagne mit dem Titel »Initiative zur Romantisierung von Erwerbslosen, Flüchtlingen und Obdachlosen«. Ziel sei es, »die armen Bevölkerungsschichten der Öffentlichkeit näher zu bringen und für ein positives Image zu sorgen«, so der Pressesprecher Armin Müller. Man habe eine professionelle Werbeagentur verpflichtet, die sich bei der Gestaltung der Plakate vor allem an das Kindchenschema von Tierkindern und Babys orientiere: »Mit Empathie, Mitgefühl und Humanismus spricht man heutzutage keine Zielgruppe mehr an. Haustiere und Babys werden jedoch immer beliebter, das zeige besonders Facebook, wo Millionen User täglich Tier- und Babybilder miteinander tauschen würden«, meint der Werbefachmann. Den »ist das aber süß – Effekt« wolle man auch für Obdachlose, Asylanten, Rentner und Erwerbslose erreichen.
Sozialverbände, Gewerkschaften und Tafeln zeigten sich begeistert. Sie hoffen, dass diese Kampagne dazu beiträgt, die Interessen von finanziell armen Menschen in Deutschland besser vertreten zu können. Auf die Frage, was das Netzwerk »Soziales Marketing« von der Agenda 2010 halte, betont Armin Müller, dass man sich zu politischen Fragen nicht äußern wolle. Er halte jedoch besonders die Hartz-Gesetze als eine wichtige Errungenschaft für eine moderne Gesellschaft: »Nur so werden Eigenverantwortung, Chancengerechtigkeit und Erwerbsanreize gefördert und gefordert«. Gesponsert wird das Projekt von der Deutschen Bank, McKinsey und der Allianz.