Investitionsschutz statt Menschenrechte

»Denn während die Rechte transnationaler Unternehmen durch zahlreiche Freihandels- und Investitionsschutzabkommen stetig ausgebaut und durch internationale Schiedsgerichte abgesichert werden, sind die Konzerne selbst nicht verpflichtet, die internationalen Menschenrechte zu achten.«

- Sarah Lincoln, »Das Regime der Konzerne«, Blätter, Ausgabe März 2014, S. 62

Anmerkung: Das Argument der Menschenrechte scheint nur noch ein rhetorisches Kampfmittel, im Dienste der eigenen Interessen zu sein. Regelmäßig werden hier die mangelnden Menschenrechte in China, Iran, Saudi-Arabien, Russland, Venezuela, in afrikanischen Ländern und so weiter angeprangert. Gleichzeitig nutzen global agierende Konzerne, die unsicheren Verhältnisse vor Ort gnadenlos aus, um ohne lästige Gewerkschaften und Arbeitsgerichte Profite einzufahren.

Der Anschlag (6)

anschlag_teaserDie große Koalition will die Todesstrafe in Deutschland wieder einführen. Zunächst sollen Kinderschänder, Vergewaltiger und andere Sexualverbrecher davon betroffen sein. In Kooperation mit großen Unternehmen und den Massenmedien sollen diese Live übertragen werden, mit Public Viewing, Bier und Bratwürstchen. Zunächst werden den Verurteilten Nägel unter die Haut getrieben, sie müssen Schweinemist fressen und ihnen werden die Finger und Zehen abgehackt. Die Prozedur soll künftig mehrere Stunden dauern, bevor sie von einer ausgewählten Menge gesteinigt werden. Laut einer RTL- und BILD-Umfrage begrüßen 80 Prozent der Deutschen das neue Gesetz.

Die Deutsche Telekom startet eine Kunden-Offensive, um der Service-Wüste in Deutschland effektiv entgegen zu treten. Dazu will das Unternehmen über 10.000 Arbeitskräfte fristlos entlassen, ihre Tarife um 30 Prozent erhöhen, die DSL-Geschwindigkeit drastisch verringern, keine Kundenanfragen per E‑Mail, Telefon oder Fax mehr beantworten und ihre Kunden-Hotlines durch automatisierte Systeme ersetzen.

Das Dating-Portal elitepartner.de hat 3.000 Accounts unwiderruflich gelöscht. Nach einer internen Recherche wurden besonders »soziale Hängematten« aus der Datenbank entfernt. Die Zielgruppe der sozial schwachen Überflüssigen, die keine Leistung erbringen, faul seien und sowieso kein Vermögen besitzen, soll sich bei unterschichtpartner.de anmelden, so die Macher des Portals. Schließlich lebe das Unternehmen von zahlungskräftigen Eliten und nicht von Sozialschmarotzern.

Die wahren Schuldigen

Rentner sind nicht verantwortlich für Altersarmut.
Ausländer sind nicht verantwortlich für Sozialabbau.
Steuerzahler sind nicht verantwortlich für Steuerhinterziehung.
Erwerbslose sind nicht verantwortlich für Massenarbeitslosigkeit.
Lohnarbeiter sind nicht verantwortlich für Entlassungen und prekäre Beschäftigungsformen.

Verantwortlich sind: Politiker, Manager, Rating-Agenturen, PR-Soldaten, Werbeagenturen, Unternehmensberatungen, Aktionäre, Spekulanten, Konzernbosse, Banker, Massenmedien, Milliardäre, Lobbyisten. Die ständige »Eigenverantwortungs-Rhetorik« soll die Verantwortung der Täter nicht nur verstecken, sondern komplett auf die Opfer selbst lenken.

Ja, die Welt ist oft eher grau statt schwarz/weiß. Auch sollte man in aller Regel die Dinge differenziert betrachten. Auf der anderen Seite kann man aber auch solange relativieren (Danke, liebe Wissenschaft!), bis die Schuldigen im Strudel der Alles-ist-grau-Konsenssoße komplett verschwinden.

Kinder in Deutschland; Teil 32: Die perfekten Eltern

perfeltern_titelViele Eltern in Deutschland setzen sich selbst, und besonders ihre Kinder, nicht nur wegen der beruflichen Zukunft unter Druck, sondern auch wegen ihrer eigenen Ängste und dem Anspruch, die perfekten Eltern sein zu wollen. Gierig saugen sie alle Erziehungsratgeber auf und beglücken ihre Umwelt ungefragt mit Ratschlägen, wie man mit Kindern umzugehen habe. Wann und in welcher Form man konsequent sein darf, welche Medien pädagogisch wertvoll seien und wie man sein Kind am besten ernähren solle. Doch je unreflektierter der eigene Perfektionismus hierbei ist, desto weiter entfernen sich die Eltern von der Ebene des Kindes. Einige Beispiele. Weiterlesen →

Freiheit?

»Ein Arbeiter ist nicht frei wie ein Bürger, er ist nicht frei, zu denken und zu handeln wie ein Bürger, er hat nur die Freiheit, zwischen der Revolution und der Resignation zu wählen.«

- Jean-Paul Sartre. »Der Mensch und die Dinge«. Rowohlt 1978. S. 194

Anmerkung: Zu ergänzen wäre noch die Freiheit der Lohnarbeit und des Konsumierens. Laut Human Development Index 2013 (HDI), der die menschliche Entwicklung messen soll, ist Deutschland auf Platz 5 von insgesamt 186 Plätzen. Nach der aktuellen Rangliste von Reporter ohne Grenzen für die Pressefreiheit steht Deutschland auf Platz 14 von insgesamt 180 Plätzen. Wir müssten insofern doch ein Land sein, in dem die Menschen eine hohe individuelle Freiheit genießen, oder  etwa nicht?

Presseblick (24)

Der Focus, und andere LeiDMedien, veröffentlichen eine dpa-meldung mit der Schlagzeile »Kurze Haftzeiten erschweren die Produktion im Gefängnis«. Die Insassen seien zu kurz im Gefängnis, hätten eine mangelnde Ausbildung und es fehle an ausgebildeten Schlossern und Druckern. Fachkräftemangel im Knast. Das heißt in der Konsequenz: Gefängnisstrafen drastisch erhöhen für Schlosser und Drucker. Hauptsache die Knast-Betriebe bleiben produktiv. Sind wir schon in Gaga-Land? Weiterlesen →

Europawahl 2014: Worthülsen-Lego

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Wir brauchen mehr Chancen für Jugendliche, damit sie eigenverantwortlicher handeln können. Bildung ist unser wichtigster Rohstoff. Leistung muss sich wieder lohnen. Steuern runter, Arbeitsplätze rauf. Europa ist eine Wertegemeinschaft. Wachstum schafft Wohlstand. Für ein nachhaltiges Wirtschaften. Wir stehen für eine moderne Familienpolitik. Sozial ist, was Arbeit schafft. Mit uns wird es keine neuen Schulden geben. Mehr Markt und mehr Freiheit. Und so weiter.

Wer noch nicht genug hat, darf sich aus dem Plastikwörter-Phrasen-Archiv sein ganz persönliches schimmeliges Süppchen kochen:

Bildung, Nachhaltigkeit, Europa, Wachstum, Familie, Arbeit, Zukunft, Gerechtigkeit, Verantwortung, Leistung, Demokratie, Wohlstand, modern, Arbeitsplätze, Markt, Umwelt, Marktwirtschaft, Chancen, Bürokratieabbau, Freiheit, Fairness, zeitgemäß, Schulden, Steuern, Deutschland, Menschen.

Die zehn Gebote des Neoliberalismus

  1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
  2. Du sollst nicht vergleichen, nachdenken oder kritisieren, sondern kaufen.
  3. Du sollst lügen, stehlen und betrügen, um bessere Geschäfte zu machen.
  4. Du sollst Dir die Welt messbar machen und alles in Geld- und Wareneinheiten zergliedern.
  5. Du sollst nicht mit Dir, der Natur und Deinen Mitmenschen in Einklang und Harmonie leben, sondern Deine Unzufriedenheit durch immer mehr Haben-Konsum kompensieren.
  6. Du sollst nicht hinterfragen, Dich gewerkschaftlich organisieren oder Dich in anderer Form gegen mich auflehnen.
  7. Du sollst Dich von Liebe, Solidarität und Empathie frei machen und stattdessen Eigennutz und Habgier verbreiten.
  8. Du sollst Deine erbärmliche Existenz stets der glanzvollen, unantastbaren und heiligen Dreifaltigkeit (Geld-Geiz-Gier) widmen.
  9. Du sollst Wettbewerb, Konkurrenz und Egoismus als naturwüchsig-menschliche Eigenschaften verinnerlichen.
  10. Du sollst Dich selbst, wie auch Deinen Nächsten benutzen.

Grabrede

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Liebe Fangemeinde,

voller Glück hat uns die Nachricht vom Tode unserer hassgeliebten Freundin erreicht. Tief in unserem Herzen haben wir sie immer verachtet. Philosophen und Wissenschaftler wollten sie immer zu etwas Besonderem machen. Faktisch wurden wegen ihr kleine und große Konflikte ausgetragen, Menschen getötet, Völker abgeschlachtet. Jeder beanspruchte sie für sich, doch letztlich gehörte sie keinem.

Heute ist sie endlich nach langwieriger Krankheit im Kreise ihrer ungeliebten Kinder verreckt. Sie wurde jahrzehntelang rechtmäßig unterdrückt, misshandelt und gefoltert. Keinem ist sie mehr von Nutzen, jedem nur noch lästig. Zuneigung und Liebe hat sie sich nie verdienen können. Sie war wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Niemand wird sie vermissen. Bitte bleibe lange tot, verdammte Wahrheit.