Artikel mit ‘Arbeitsfetischismus’ getagged

»Nicht die Selbstvermarktung einschlafen lassen«...

17. Januar 2010 von epikur

...rät uns die Personalberaterin Maren Lehky in Zeiten der Wirtschaftskrise. Anständiges sich-verwursten, sich wertvoll machen, sich einbringen, sich anstrengen, Leistung zeigen, schuften bis der Arzt kommt. Ach nein, das solle man natürlich schon vermeiden, sagt Lehky. Aber »sich einen Tick mehr engagieren als sonst«, das wäre schon ganz gut. Weiterlesen »

Geld adelt

25. November 2009 von epikur

Geld adelt Konformität, Anpassung und Unterwerfung.
Geld adelt den Zwang zur Lohnarbeit.
Geld adelt den Verlust von Träumen.
Geld adelt die Schere im Kopf.
Geld adelt Unglücklichsein.
Geld adelt den Konsum.
Geld adelt sich selbst.

Neusprech: Beschäftigung

04. November 2009 von epikur

»Beschäftigung ist die nichtselbständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers«

- Sozialgesetzbuch 4, Paragraph 7, Absatz 1

Der Begriff »Beschäftigung« ist im deutschen in zweifacher Hinsicht inhaltlich besetzt. Die erste Definition gibt an, dass ein Mensch eine körperliche oder geistige Tätigkeit vollführt: sich-mit-etwas-beschäftigen. Als Gegensatz zur sog. Langeweile, des vermeintlich nicht aktiv-seins. Die zweite Definition ist eine Gleichsetzung mit dem Begriff der »Lohnarbeit«: als »beschäftigt« und »Beschäftigter« in Deutschland gilt, wer einer Lohnarbeit nachgeht. Weiterlesen »

Die Sklavenmoral

29. September 2009 von epikur

Arbeit, Arbeit, Arbeit. (Lohn-)Arbeit ist der Sinn des Lebens. Nur wer arbeitet, für seinen Herren schuftet und ein paar Brotkrumen von ihm bekommt, soll Anerkennung erhalten. Arbeitslose sind faule Säcke, Asoziale, Überflüssige. Wir wollen und wir brauchen sie nicht. Jeder der arbeiten will, findet doch auch Arbeit! Dem folgt also, dass Arbeitslose nicht arbeiten wollen. Sie sind Schmarotzer, Parasiten, leben auf Kosten der Allgemeinheit. Sie zu treten, ihnen Verachtung ins Gesicht zu schleudern ist legitim — ja, die Pflicht eines jeden aufrechten Arbeiters! Denn nur wer auch arbeitet, ist ein wertvoller Mensch. Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Schuftet und schluckt Pillen!

18. Februar 2009 von epikur

Eine vor kurzem veröffentlichte Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) besagt, dass knapp 800.000 Menschen in Deutschland regelmäßig Medikamente am Arbeitsplatz einnehmen. Insgesamt haben zwei Millionen schon einmal Medikamente am Arbeitsplatz eingenommen. Dabei handelt es sich vor allem um Anti-Depressiva, Beruhigungspillen und leistungssteigernde Medikamente. Interessant ist hierbei vor allem die Wortwahl der Berichterstattung: von der Studie selbst und der Presse. Weiterlesen »

Bundesagentur für Rattenfragen

26. Dezember 2008 von epikur

Vor gut einer Woche hat der glorreiche FDP-Politiker Henner Schmidt, seines Zeichens ein echter Menschenfreund und nebenbei eben Mitglied des Abgeordnetenhauses in Berlin, einen revolutionären Vorschlag gemacht: Hartz 4 Empfänger in Berlin sollten auf Rattenjagd gehen und pro erlegter Ratte einen ganzen Euro erhalten. Nun hat der arme Herr Schmidt von allen Seiten Kritik bekommen, nicht zuletzt auch von uns Blogbetreibern! Jetzt hab ich etwas Zeit und Ruhe gefunden, um euch diese Idee (im wahrsten Sinne des Wortes) etwas schmackhafter zu machen! Weiterlesen »

Gedankenfetzen eines Gedankenlosen

16. Dezember 2008 von epikur

Arbeiten, arbeiten, arbeiten und glücklich dabei werden. Irgendwie halt. Konsumieren. Sich fügen. Nicht aufbegehren. Wer nein sagt, wird belächelt. Als Idealist, Träumer oder Kindgebliebener.  Wer sein Seelenheil nicht im Arbeitswahn sucht, wird nicht ernst genommen: »Der wird schon früher oder später dazu gezwungen werden, sich der Arbeitswelt zu unterwerfen«, werden so einige über den Querulanten sagen oder denken. Anpassen. Sich unterwerfen lautet die Devise. Es gibt Unrecht in der Welt? Und auch vor meiner Haustür?  Menschen verhungern? Leiden? Kommen qualvoll zu Tode? Das soll — nein — das muss mir egal sein. Hauptsache mir geht es gut. »Man kann ja eh nix ändern«, lautet die typische Rechtfertigung. Also kann die Welt ruhig verbrennen. Solange ich im Kristallbunker lebe, ist mir ja alles egal.

Die systemgewordene Paranoia

05. Dezember 2008 von epikur

Weil mich zurzeit (wieder einmal) dieser Arbeitsfetischismus vieler Menschen, gepaart mit Resignation, Egoismus und einer Ignoranz, die Welt zum besseren verändern oder gestalten zu wollen, ankotzt und traurig macht, suche ich Kraft bei ein paar Gedankenhäppchen:

»Wer widersteht muss es sich heute und wohl noch eine ganze Weile gefallen lassen, als Träumer diffamiert zu werden, als jemand, der, vielleicht ja von guten Absichten geleitet, eine Flucht aus der Wirklichkeit angetreten habe. Doch das ist nicht wahr. Der Begriff Wirklichkeit wird, wie kein anderer, falsch gebraucht. Wir müssen erst aus der systemgewordenen Paranoia unserer Alltagswelten in die Wirklichkeit fliehen.«

- Peter Sloterdijk aus seiner »Kritik der zynischen Vernunft«, Band 2, S. 420

»Es ist daher kein Wunder, dass die sozialen Kontrollen in den fortgeschrittensten Bereichen dieser Zivilisation derart introjiziert worden sind, dass selbst individueller Protest in seinen Wurzeln beeinträchtigt wird. Die geistige und gefühlsmäßige Weigerung »mitzumachen« erscheint als neurotisch und ohnmächtig.«

- Herbert Marcuse, Schriften 7: Der eindimensionale Mensch, S. 29

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