Die Schuldfrage

Wir alle sind schuldig. Laut Statistischem Bundesamt steht in Deutschland jeder durchschnittlich mit 35.000 Euro in der Kreide. Die Staatsverschuldung ist ein medialer Dauerbrenner. Die Schulden des Einen, sind jedoch die Vermögen des Anderen. In jeder zwischenmenschlichen Beziehung basieren fast alle Konflikte und Probleme auf Vorwürfen, der Suche nach Fehlern sowie der Frage nach der Schuld. Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen geht es stets darum, wer Recht bekommt, und nicht, was gerecht ist. Nach der christlichen Erbsünde und dem Sündenfall von Adam und Eva haben wir uns alle versündigt.

Wer erwerbslos ist und/oder sein Leben in finanzieller Armut fristet, ist laut dem neoliberalen Dogma der »Eigenverantwortung« selbst schuld daran. Laut Feministinnen haben Männer eine Kollektivschuld. Wer gerne nach unten tritt und Angst vor den wahren Verbrechern hat, macht vermeintlich Schwächere für alle Probleme verantwortlich: Migranten, Ausländer und Flüchtlinge. Die Menschen in irgendeiner Form von Schuld zu halten oder sie für schuldig zu erklären, macht sie abhängig, ohnmächtig und ängstlich. Ein Traum für alle Herrschenden.

6 Gedanken zu “Die Schuldfrage

  1. Schulden — sind zwar Altlasten, aber um es einmal erwähnt zu haben und zu sticheln: Ich will nicht wissen wie viele Hände sich durch die Treuhand an einem Teil des heutigen gesamtdeutschen Volkes verschuldet haben. Einstecken, mitgehen lassen, Vermögen plündern, Betriebe abwickeln, die in sich wirtschaftlich waren, sie verkaufen für ›n Appel und ›n Ei — alles, weil kein Rechtsstaat da war, um sie zu holen, bzw. es war ihm sogar recht, denn im annektierten Gebiet musste man alles an vorheriger Struktur vernichten so lang alle von den westlichen Errungenschaften geblendet sind, damit da nie mehr irgendwas konkurrzenfähiges wachsen kann, was einem den Gar aus macht.
    Da ist so viel Unrecht passiert und keiner ist je dafür in den Knast gegangen. Die Schulden münzt man heute um auf die Leute und ihnen erzählt man immer noch tagtäglich wie grässlich, unrentabel und falsch ihr Staat doch war — den Wirtschaftsbosse aus der BRD aber liebend und dankend gern ausgeplündert haben ob ihrer Filetstücke und den Markt von Millionen von Bürgern auch heute noch gern für Konsumgüter des täglichen Bedarfs nutzen.

  2. @Matrixmann

    Du stichelst nicht, Du hast vollkommen Recht! Die »Treuhandanstalt« hat die damalige DDR ausgeplündert, ausgebeutet, funktionierende Unternehmen verramscht und/oder vernichtet. Nach genau dem gleichen Prinzip wird heute mit Griechenland umgegangen. Die gesamte Industrie wird den Investorhaien zum Fraß vorgeworfen. Fraport hat beispielsweise für einen Spottpreis 14 griechische Flughäfen aufgekauft. Das alles interessiert uns natürlich nicht, solange Facebook und WhatsApp laufen. :ROCK:

  3. @ epikur
    D’accord. Prinzipiell ist es dasselbe.
    Weißt du aber, warum sich dagegen keiner empört und sich dagegen wehrt, es sogar noch gutheißt, weil Medien es ihm so einreden?
    Ist nicht primär Facebook und Watsapp.
    Ist primär, weil niemand hier selbst von so etwas betroffen ist.
    Die meisten Leute hier, insbesondere im Süden und dort, wo noch die deutschen »Traditionsunternehmen« stehen, kennen es nicht, wenn plötzlich von heute auf morgen Sorgen bestehen, ob sie überhaupt noch ihren Lohn am Monatsende kriegen und wie es mit ihnen in einem halben Jahr weitergehen soll.
    Bei Opel, bei Nokia und bei Schlecker gab es zwar großes Geheule, aber das war immer ein Betrieb von vielen. Es ist nicht so, als wenn reihenweise die Frabriken um einen herum schließen.
    Die größten Schreihälse von »man findet Arbeit, wenn man nur will« sind es gewohnt, dass ihre Kapitalisten nett zu ihnen sind.

  4. @ epikur: Sehr guter Beitrag, weil wahr. Und kurz und knapp (was ich leider nicht so gut beherrsche).
    @ matrixmann: Sehr gute Beobachtungen ihrerseits. Vor allem die richtige Erklärung bezgl. des Verhaltens so vieler Deutscher, den noch‐nicht‐richtig‐Betroffenen.

  5. Ist primär, weil niemand hier selbst von so etwas betroffen ist.

    Das zeugt ja aber auch schon von einem völligen Fehlen jeglicher Wahrnehmung fern des eigenen Mikrokosmos — in Form eines Betriebes oder »Arbeitsplatzes«...! Der »Witz« an der Sache ist ja, dass eigentlich ALLE systemisch auf jeden Fall mittelbar betroffen sind! Wenn du dann versuchst, Zusammenhänge aufzuzeigen, um aus der vagen Mittelbarkeit eine persönliche Unmittelbarkeit herzuleiten — hört man dir einfach nicht mehr zu...! Stattdessen holt man das Wischi‐Waschi‐Phone aus der Tasche und kuckt sich Katzenvideos an... ;) :(

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