Das Leben stinkt

gas_titelManchmal schreibt das Leben die besten (Horror-)Geschichten. Vor nicht allzu langer Zeit begab es sich, dass meine Gastherme, die in meiner Wohnung für Warmwasser und Heizung sorgt, den Geist aufgegeben hatte. Sofort hatte ich meinen Vermieter (der zugleich Eigentümer der Wohnung ist) angerufen. Dieser schickte mir einige Tage später einen Handwerker vorbei. Nachdem der unsympathische Wichtigtuer (»Haben Sie auch die Heizung angestellt?«) mehr als Zwei Stunden an der Therme herum werkelte und auch Ersatzteile einbaute, legte er mir die Rechnung von über 200 Euro vor, die ich in Bar bezahlen sollte. Mein Vermieter versicherte mir, den Betrag später zu überweisen. Der Clou: die Gastherme war immer noch kaputt. Der Handwerker verabschiedete sich und wollte sich einen Tag später noch mal melden. Es müssten weitere Ersatzteile eingebaut werden. Und damit fing der Spaß erst richtig an.

Natürlich meldete sich der Handwerker, der sich später sogar als Meister und Chef der Firma entpuppte (muhaha), weder bei mir, noch bei meinem Vermieter. Auch als wir bei der Firma abwechselnd anriefen, winkte er lapidar ab und meinte nur, da müsse der Kundendienst der Herstellerfirma Vaillant ran. Dieser würde aber erst in einigen Wochen Zeit haben und immense Kosten verursachen, wie mein Vermieter erfuhr. Ich stand nun da in einer kalten Wohnung ohne Heizung und Warmwasser und das im Winter bei minus 5 Grad.

Das ganze Handwerks‐Theater lief dann noch knappe zwei Wochen weiter. Ich quartierte mich derweil bei meiner Freundin ein. Nicht nur, um nicht zu erfrieren, sondern auch um der ganzen Situation gelassen gegenüber zu bleiben. Denn trotz allem hatte und habe ich mit meinem Vermieter immer ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Die Miete war immer sehr moderat und ich konnte mit ihm über alles reden. Ein unnötiger Konflikt oder eine Eskalation der Situation wollte ich vermeiden. Auch wenn meine Geduld auf eine harte Probe gestellt wurde.

Keine Macht den Handwerkern!
Mein Vermieter schickte mir dann einen »guten Freund« von ihm vorbei, der sich angeblich mit sowas auskennen würde. Dieser –im Gegensatz zum ersten Handwerker‐ war auch sehr freundlich, schien kompetenter und meinte sofort, die Gastherme sei über 20 Jahre alt, schrottreif und müsste durch eine komplett neue Anlage ersetzt werden. Kostenpunkt für den Vermieter: um die 4.000 Euro. Reparaturen würden sich wohl nicht mehr lohnen und seien ein Kostenfass ohne Boden. Nach einigen Diskussionen über evtl. weitere geplante Mieterhöhungen (es gab gerade erst eine, wenn auch die Erste nach über zehn Jahren) und Montagetermine wurde beschlossen, dass eine neue Gastherme eingebaut werde.

Dann zog eine weitere Woche ins Land, da die Gastherme erst bestellt werden musste. Ein Montage‐Termin wurde vereinbart, der jedoch auch nicht eingehalten werden konnte, da ein bestimmtes Ventil fehlte, das erst noch besorgt wurde. Dann, nach guten drei Wochen Eiswohnung, rückte der Handwerker an. Er war fröhlich, gut gelaunt und ich guter Dinge, endlich wieder in einer funktionierenden Wohnung leben zu dürfen. Ich Handwerker‐Laie fragte ihn ketzerisch, ob ich die Strom‐Sicherungen präventiv schon einmal raus machen sollte, während er an der Elektronik der Gastherme herum fummelte. Er verneinte das in einem süffisanten Ton und einige Minuten später viel plötzlich der Strom in der gesamten Wohnung, mit Ausnahme des Flurs, aus.

handwerk

Strom wird überschätzt
Nachdem der freundliche Handwerker (der gerne laute Selbstgespräche führte und vor sich hin fluchte) den Stromkasten, die Sicherungen -von denen seltsamerweise keine durchgebrannt ist‐ sowie sämtliche Stromleitungen überprüft hatte, kam er zu dem Fazit: »Tja, da habe ich keine Ahnung, was man da machen kann!« Er wolle aber weiterhin erstmal die Gastherme einbauen. Nun war ich mit meinen Nerven und meiner Geduld am Ende. Mir reichte es endgültig. Ich rief meinen Vermieter an und sagte ihm in einem ernsten Tonfall, dass er mir noch am gleichen Tag Elektriker schicken solle, da eine stromlose Wohnung absolut kein Mietzustand sei, ich bisher viel Geduld bewiesen habe, aber so ganz langsam auch sauer werden würde. Eine Stunde später kamen dann auch zwei ältere Herren. Elektriker. An einem Freitag.

Nun hatte ich drei Handwerker in der Wohnung, die an verschiedenen Stellen herum bastelten und schnell anfingen, sich gegenseitig die Schuld zu geben (»Wasser und Strom verstehen sich nicht. Hoho!«) und den typischen Handwerker‐Humor zum Besten gaben. Während nach gut 5 Stunden die Gastherme eingebaut war, Warmwasser und Heizung wieder einwandfrei liefen, gab es dafür, außer im Flur, keinen Strom in der Wohnung. Die Elektriker kamen zu dem Schluss, dass eine Leitung in der Wand komplett neu gelegt werden müsse, das hieße auch, die Wand einreißen. Sie könnten dies jetzt aber nicht mehr machen und auch nicht in der nächsten Woche, da sie auf einer Baustelle fest eingeplant seien. Ich suchte schon langsam die versteckte Kamera und haute mir heimlich auf die Stirn, um zu überprüfen, ob ich nicht doch in der Matrix fest stecke. :MAD:

Die Mauer muss weg
Ich legte derweil eine Strom‐Verlängerung vom Flur in die Küche, damit wenigstens der Kühlschrank und die Tiefkühltruhe Saft erhalten würden. Dann quartierte ich mich wieder über das Wochenende woanders ein. Nach weiteren Gesprächen mit meinem Vermieter, kam (einige Tage später) wieder ein neuer Handwerker, von einer anderen Firma. Diesmal sollte der Strom wieder hergestellt werden. Ich erwartete mittlerweile nichts mehr und befürchtete das Schlimmste. Ich erklärte ihm die ganze Vorgeschichte, und der typische Fachmann‐Habitus, der einem immer zeigte, dass man ja sowieso von Nichts eine Ahnung hätte, kam bei ihm nicht vor. Er hörte mir aufmerksam zu und gemeinsam kamen wir auf die Lösung und stellten den Strom in der Wohnung wieder her. Und es lag natürlich nicht an einer kaputten Leitung in der Wand. Die hätte man ganz umsonst eingerissen. Woran dann? Das würde den Rahmen hier sprengen.

Sicher, ich hätte den Mieterschutzbund einschalten, eine Mietminderung veranschlagen und/oder einen Anwalt für Mietrecht einsetzen können. Das hätte die ganze Situation leider nur eskalieren lassen, denn mein Vermieter war zwar manchmal etwas schnarchig, aber immer kooperierend. Außerdem hätte ich mir dann sicher bald eine neue Wohnung suchen können, weil sie dann entweder komplett saniert worden oder ich mit dem Mietverhältnis nicht mehr glücklich geworden wäre. Und heute eine bezahlbare Wohnung in Berlin, in einer halbwegs anständigen Gegend, zu finden, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Zumindest habe ich (mal wieder) eines aus der ganzen Sache gelernt: wichtig im Leben (neben Strom und Wärme  :ROCK: ) sind vor allem Menschen, die für einen da sind, wenn man sie wirklich braucht. Danke Anja!

2 Gedanken zu “Das Leben stinkt

  1. ....na, da haste wenigstens mal gelernt, dass man einen Handwerker nie sofort und schon garnicht BAR bezahlt......

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