ZG‐Rückblick: Steuern, Gerechtigkeit und der ganze Rest

Das nächste Schwein scheint mal wieder durch das Dorf der Massenmedien getrieben zu werden. Sein Name: Hoeneß. Ein Schwall von Meinungen zu Steuern und Gerechtigkeit ergießt sich hinterher. Der Ankauf staatlicherseits von Steuer‐CDs wird genauso diskutiert, wie die Frage, ob Hoeneß Selbstanzeige gar nicht hätte öffentlich werden dürfen. Ist ein Abkommen mit der Schweiz eine sinnvollere Lösung als die gegenwärtige Handhabe? Haben Steuern überhaupt etwas mit Gerechtigkeit zu tun oder zumindest mit gefühlter? Ist die Art und Weise wie der Staat Steuergelder nutzt überhaupt sinnvoll?

epikur
Die Scheiße in Form von Korruption, Lügen und Volksverarsche türmt sich inzwischen so hoch, da bedarf es schon enormer Anstrengungen, die eigene Realitätsverleugnung zu kultivieren. Das Medienkonstrukt vom »Einzelfall«, der immer wieder suggerieren soll, es sei keine flächendeckende Methode und es liege nur an der mangelnden Integrität des Einzelnen, hilft bei der Aufrechterhaltung der Wahrnehmungsstörung. Massenmedien, Politik und Wirtschaft greifen diesen Mythos immer wieder gerne aus der Mottenkiste, denn er bedient die Personalisierungs‐Strategie der Massenmedien und er unterstützt das neoliberale Leitprinzip der »Eigenverantwortung«. Uli Hoeneß ist kein Fehler im System, das System ist der Fehler. Was wir wahrnehmen, ist nicht die Spitze des Eisberges, es ist der Wassertropfen auf der Spitze des Eisberges.

jtheripper
Das was Kalkofe sagt... oder wie epikur schon sagt, überrascht es ja nicht, dass eine reiche prominente Person Steuern hinterzieht. Es ist nur wieder extrem nervig wie die Massenmedien sich darauf stürzen. Auch das verstehe ich natürlich, aber es wird sich alles noch sehr lange hinziehen und bis jetzt gab es auch keine großen neuen Erkenntnisse vom Tag der Erstmeldung. Also warum jeden Tag darüber reden? Weil es für die Medien einfach geil ist und dieser Fall so viele Ansätze bietet. Wie im Einleitungstext schon genannt die Frage der Steuergerechtigkeit, der Moral etc. Aber dazu kommt noch: Endlich können wir (also die Medien) diesem Mann, der uns so oft vor den Kopf gestoßen hat, den Zeigefinger erhoben hat, ob wir denn noch ganz richtig ticken, auch mal so richtig eine reindrücken und ein Echo wird es so bald nicht geben. Das ist doch auch mal toll. Quasi Gerechtigkeit.

todesglupsch
Hoeneß hat selbst vor seiner Selbstanzeige in Talkshows darauf hingewiesen, dass der Staat keine Handhabe hat um Unternehmer höher zu besteuern, bzw. vorhandene Steuerregelungen durchzusetzen„ da diese sonst ihr Geld beiseite schaffen. Warum sollte er sich da ausnehmen? Es wäre denkbar, das die ethische Integrität einiger Menschen eine gewisse Flexibilität erfährt, ab einem gewissen unternehmerischen Erfolg. Womöglich ist ein Hoeneß, sowie ähnlich erfolgreiche Unternehmer, der Meinung, sie würden so viel leisten für die Gesellschaft, da könnte der Staat das mehr anerkennen. Es könnte auch die wenig effiziente Nutzung der Steuergelder, gerade im Vergleich zu den eigenen unternehmerischen Erfolgen, die Steuermoral senken. Auch ist ein Zeitgeist der das Individuum in den Vordergrund stellt, eher nicht geeignet um die Relevanz von Steuergeldern zu untermauern.

Über all das kann man diskutieren, aber es kann nicht dezentral von jedem Individuum selbst bestimmt werden wie der eigene Beitrag zum Allgemeinwohl aussehen soll. Es muss zentral koordiniert werden. Man kann durchaus der Meinung sein, dass dies gegenwärtig nicht gut funktioniert, aber die Gestaltung der Willkür einzelner zu überlassen (sich selbst in diesem Fall) ist Kontraproduktiv für eine Gesellschaft. Hoeneß ist aber nicht das Problem, sondern höchstens das Symptom. Wir brauchen eine Gesellschaftsform in der die Menschen gerne das Allgemeinwohl fördern und dafür auch entsprechend anerkannt werden. Wir haben aber eine in der die Förderung des Individualwohls besondere Anerkennung erfährt.

3 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Steuern, Gerechtigkeit und der ganze Rest

  1. »Steuermoral« — auch so ein toller Begriff. Ich schätze, es gibt sehr wenig Menschen, die gerne Steuern zahlen. Aber vielen sollte bewusst sein, dass, bei allem Dreck der passiert, es ganz ohne Steuern nicht funktionieren kann. Es sei denn, wir bekennen uns endlich zum Neofeudalismus, bei der die gesamte öffentliche Daseinsfürsorge, das Sozialsystem, die Infrastruktur, Strom, Wasser, Immobilien und so weiter, im Besitz von Banken und Unternehmen sind. Aber selbst dann, wird es Abgaben geben. Nur dann gleich direkt an die Vermögenden.

  2. Es ist wirklich schade, das Profifußball noch nicht verboten wurde. Zumindest müsste es ab 18 sein, da Glücksspiel.

  3. Viele nehmen die Segnungen der Steuern selbstverständlich in Anspruch , eine gewisse innere Sicherheit , Infrastruktur , Vertragssicherheit ( nur vom Staat zu garantieren!) , usw. usw. , aber führen immer das große Wort gegen den bösen Staat.

    Das ist primitiv , was ich mitnehmen kann , nehme ich mit , was ich habe , gebe ich nicht mehr her,
    Wir sollten uns überlegen , ob wir unser Gemeinwesen — oder wie immer man das nennen will — den Rückständigsten und den Eogoistischsten unter uns zum Fraß vorwerfen wollen.

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