Neusprech: Islamismus

»Es bestehe der Verdacht, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handele, erklärte die Behörde am Donnerstag in Karlsruhe.«

- Meldung in faz.net vom 3. März 2011

Wann immer es in Deutschland um den Islam geht, sind zwei Methoden erkennbar. Erstens gibt es eine große (gewollte) Unschärfe und Schwammigkeit bei der Verwendung der Begriffe »Islam«, »Islamismus«, »Islamisten«, »Islamisierung« usw. Der »Islamismus« bezeichnet einen Sammelbegriff für allemöglichen religiösen und politischen Strömungen innerhalb des Islam. Es gibt also nicht den Islamisten, genauso wenig wie es den Christen gibt. Es gibt Sunniten, Wahabiten, Salafisten, Schiiten, Fundamentalisten usw. Hinzu kommen etliche Strömungen, die sich nur schwer einordnen lassen oder nur an andere Ideologien  angelehnt sind, wie z.B. die Baath‐Partei des damaligen irakischen Ex‐Diktators Saddam Husseins. Zweitens fällt der Begriff »Islamismus« häufig in Verbindung mit dem Schlagwort »Terrorismus«, so wird suggeriert, als sei jeder Muslim zugleich auch ein fanatischer Fundamentalist.

So schreibt z.B. eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Islamismus:

Der Islamismus ist zur Bedrohung der Bundesrepublik geworden. Wo liegen seine Wurzeln, was fordern seine Vordenker?

Was würden Christen in Deutschland sagen, wenn es stattdessen heißen würde: »Das Christentum ist zur Bedrohung der Bundesrepublik geworden. Wo liegen seine Wurzeln, was fordern seine Vordenker?«

Und auch wenn die FAZ, im oben genannten Artikel, den Begriff »Islamisten« in Anführungszeichen setzt, und damit zu erkennen gibt, welche Unschärfe der Begriff aufweist, so gibt sie sich dennoch keine Mühe, genauer zu definieren. Das scheint gesellschaftspolitisch und medial symptomatisch zu sein, wann immer es um das Thema »Islam« in Deutschland geht. Dadurch wird eine diffuse Angst vor dem großen Unbekannten geschaffen. Wie groß wäre der Aufschrei, wenn deutsche Medien fortan Evangelen, Katholiken, Zeugen Jehovas und Orthodoxe stets nur als »Christen« bezeichnen würden?

Viele, der ca. weltweit 1,5 Milliarden gläubigen Muslime, haben völlig unterschiedliche Auffassungen und Interpretationen des Islam. Viele untereinander sind die erbittersten Gegner. Die beiden großen Hauptgruppen des Islam sind: 90% Sunniten, 10% Schiiten. Innerhalb der beiden Hauptgruppen gibt es wiederum viele Abspaltungen. Innerhalb der Schiiten gibt es, unter anderem, die Imamiten, die Ismailiten, die Saiditen und die Nusairier. Die Drusen und der Bahaiismus sind aus dem schiitischen Islam hervorgegangen. Hanbaliten, Hanefiten, Malikiten und Wahabiten sind  Strömungen aus dem sunnitischen Islam. Die Ausprägungen, Varianten und Strömungen des Islam sind zahlreich.

Gestern noch zogen Türken nach Deutschland, Pakistanis nach England und Algerier nach Frankreich — heute gelten sie allesamt nur noch als Muslime, und der Islam ist ein für allemal das »Fremde, das »Andere« geworden.

- Tariq Ramadan, »Europa und die Herausforderung der muslimischen Präsenz, Blätter für deutsche und internationale Politik, März 2011, Seite 61

17 Gedanken zu “Neusprech: Islamismus

  1. Die FAZ und die Bundeszentrale unterscheiden meines Erachtens zwischen »Islam« und »Islamismus«. »Islamismus« ist nicht der Parallelbegriff zu »Christentum«. Gemeint ist »islamischer Fundamentalismus«. Den gibt es auch im Christentum. Bei »fundamentalistischen Christen« ist es auch eher sekundär, ob katholisch, evangelisch, methodistisch.
    Dass in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ausreichend zwischen »Islam« und »Islamismus« unterschieden wird, steht auf einem anderen Blatt.

  2. »Eine diffuse Angst vor dem großen Unbekannten«? Der Islam IST ein großer Unbekannter, den trotz aller Unsicherheit auch kein Vertreterverband offenbar erklären will oder kann und damit die Unsicherheit weiter schürt.
    Soviel weiß man aber doch: Es gibt im Islam keine Trennung zwischen Religion und Staat. Daher kann es dem Christentum nicht passieren, als Bedrohung (des Staats) angesehen zu werden.

  3. Das ist etwas unklar formuliert, so dass hier Islam und Islamismus auch gleichgesetzt werden (ist sicher nicht beabsichtigt so):

    »Der Islamismus ist zur Bedrohung der Bundesrepublik geworden. Wo liegen seine Wurzeln, was fordern seine Vordenker?

    Was würden Christen in Deutschland sagen, wenn es stattdessen heißen würde: »Das Christentum ist zur Bedrohung der Bundesrepublik geworden. Wo liegen seine Wurzeln, was fordern seine Vordenker?««

    Das wäre so zu kritisieren, wenn die bpb »Islam« geschrieben hätte.
    Die fehlende Unterscheidung, die oft nicht gemacht wird, ist ja gerade die zwischen dem Islam einerseits und einer gewaltbereiten/ -tätigen Auslegung des Islam als Islamismus andererseits.

  4. In der Türkei gibt es eine Trennung zwischen Religion und Staat, im Vatikan nicht. George W. Bush hob sie tendenziell auf. Der christliche Fundamentalismus will sie auch nicht. Die Realität ist immer differenzierter.
    Wieso kann das »Christentum« nicht zur Bedrohung des Staates werden?

  5. Gerade in der Türkei, die in ihrem Laizismus unter allen islamischen Staaten immer eine große Ausnahme war, ist unter Erdogan ja längst Reakionismus eingekehrt, der sie tendenziell wieder unter das Gros islamischer Staaten rückgliedert.
    Dagegen ist die christliche Bedrohung des Staats tatsächlich ein Ausnahmefall, Rechtssprechung erfolgt nicht anhand der Bibel. Soviel zur Realität.

  6. Rofl. Unsere größten und erfolgreichsten Staatsparteien tragen das »Christlich« noch im Namen und ziemlich einhellig werden christliche Werte gerne von deren Mitgliedern hochgehalten. Nun machen hier einige Nixmerker und Vorurteilsdemagogen einen türkischen Minister Erdogan dem Erdboden gleich, weil er genau wie jeder andere Staatsführer sich zwischen religiösen Stimmen und nicht religiösen Stimmen beide Seiten sichern will.

    Meine Fresse, nicht mal das kleine Einmaleins der Machtpolitik kapiert aber gleich mal eben Millionen einer Nation oder gleich Milliarden Menschen einer Weltregligion über einen Kamm geschert.

    Werdet mal erwachsen in euren Überlegungen und verabschiedet euch von Vorurteilen. Hinterfragt konsequent und lernt, euch in die Position des Anderen zu versetzen, seine Ziele zu verstehen, seine Motive zu ermitteln und seine Handlungszwänge ausszusortieren.

    Religion ist immer auch Bestandteil der staatstragenden Bürgerschichten. Das war nie anders und mal schauen wie lange es noch so bleibt. Aber mit einer Abschaffung der institutionalisierten Religion wird nichts anders werden, im Gegenteil, es wird noch schlimmer werden als es heute ist. Die Verrohung und Entwurzelung, die Wertebeliebigkeit und der gesellschaftliche Verfall wird rasant wachsen.

    Was heute der Religion vorgeworfen wird, kann man der politischen und philosophisch‐atheistischen Kaste genauso vorwerfen: Keine Lösungen trotz bemerkenswerter Bemühungen, Heuchelei, Scheinheiligkeit und Herrschaftsdrang, schüren von Feindseligkeit (dafür muss man nur die Hetze des HPD einmal mit Verstand lesen).

    Nichts ändert sich, egal welches Etikett gerade in der Gesellschaft getragen wird, weil das Übel der korrupte Mensch selbst ist und seine Pathologie schleppt er mit sich herum, egal ob er Moslem, Christ oder Jude, Demokrat oder Kapitalist, Monarchist oder Kommunist ist, nichts ändert sich ausser der Schein und ein paar systemische Stellschrauben.

    Das Theater des Gegen‐Einander‐Aufwiegelns erinnert an zwei Personen, die sich gegenseitig die Schuld zuweisen und sich vor Hass anspeien. Irgendwann merkt dieser das er nur sein Spiegelbild beschimpft hat und nur sich selbst hasst.

    Entschuldigt die klaren Worte, aber im Moment hängt mir das ganze Hasspotential schwer auf dem Herzen. Das Eisen der Kriegsschmieden ist wieder im Feuer und wir schüren es jeden Tag mit solchen fadenscheinigen dummdreisten Diskussionen.

    Ich kann diese ganzen Hasspredigten gegen andere Politische, Soziale, Kulturelle und Volksgruppen einfach nicht mehr hören.

    MFG

  7. Historisch gesehen entspringt die westliche Trennung von Kirche und Staat nicht dem Wunsch und Willen des »Christentums«, sondern den fürchterlichen Religionskriegen des 17. Jhs., dann der Aufklärung. Das ist nicht »dem Christentum« immanent. Das gleiche gilt für »den Islam« — die Türkei ist ein Beispiel. Auch in der ägyptischen Revolution wurde so etwas wie ein islamisches Bürgertum erkennbar. Und welcher »islamische« Staat hat abgesehen von Saudi‐Arabien und dem Iran noch mal diese enge Verbindung von Staat und Religion?
    Und fragen Sie zur Rechtsprechung und Gesetzgebung bei uns mal die Partei bibeltreuer Christen. Wie war das noch mit der Kirchensteuer?
    Soviel zur Realität.

  8. Wie war das noch gleich mit dem Kruzifix an bayrischen Schulen?

    Kleine Kirchengeschichte:

    - Inquisition: 13.–18. Jh., bis zu 10 Millionen Tote sowie unzählige Gefolterte, Misshandelte und Terrorisierte
    — Kreuzzüge: 11.–13. Jh., bis zu 22 Millionen Tote, darunter tausende deutsche Juden
    — Judenverfolgung: Während des Mittelalters vom 11.–14. Jh. immer wieder blutige Pogrome. Die Juden wurden von den Christen zu Hunderttausenden getötet.
    — Eroberung Amerikas: In den ersten 150 Jahren nach der Eroberung durch die Spanier »im Namen Gottes« sterben 100 Millionen Menschen – der »größte Völkermord aller Zeiten«
    — »Hexen« : 16.–18. Jh. Kirchenhistoriker Deschner veranschlagt die Opfer des kirchlichen Hexenwahns auf 9 Millionen
    — Völkermord in Kroatien: Noch Mitte des 20. Jahrhunderts, zwischen 1941 und 1943, werden in Kroatien etwa 750.000 orthodoxe Serben ermordet – unter maßgeblicher Beteiligung katholischer Geistlicher und mit Billigung des Vatikans
    — Zwangsarbeiter im Dritten Reich: Die evangelische und die katholische Kirche »beschäftigte« in der NS‐Zeit »Fremdarbeiter« – in Wirklichkeit waren es Zwangsarbeiter, die in kirchlichen Krankenhäusern und der Landwirtschaft unfreiwillig und für gar keinen oder einen Hungerlohn schuften mussten

    Soviel dazu, dass das Christentum keine Bedrohung ist.

  9. Als Mensch, der als Religion den Islam gewählt hat und mit »-ismen« nichts am Hut hat, sage ich einfach nur mal danke für differenzierte und kritische Meinungen.

  10. Epikur, so einfach kann man das nicht machen.

    Das hasse ich auch. Da wird die Religion aus der gesellschaftlichen Realität als Herrschaftselement herausgegriffe und für alles und jeden Verantwortlich gemacht. Hinzu kommt, das die Toten in Süd, Mittel und Nordamerika nach den Eroberungen zumeist an Krankheiten starben, die von den Europäern eingeschleppt wurden. Das konnte niemand wissen und richtig verstehen zur damaligen Zeit.

    Sie machen das, was immer wieder in der philosophisch‐atheistischen Ecke zu beobachten ist: Die Kirche war der Diktator im finsteren Mittelalter und hat alles bestimmt und gelenkt — Deshalb ist auch die Kirche eben alleine verantwortlich.

    Und genau das ist Blödsinn. Die Kirchen hatten früher noch sehr viel mehr Macht, sie konnten eine Weile eine Menge mitbestimmen, einige Kirchenfürsten waren auch mehr weltliche Fürsten. Der Glauben der MENSCHEN und die Unterwerfung unter die Kirche hat vieles erst möglich gemacht. Das ganze gesellschaftliche Konstrukt war ein anderes und die Kirchen tragen eine enorme Schuld, da bin ich mit Ihnen auf einer Wellenlänge, aber die Diskussion muss fair bleiben.

    Kirchen haben sich nicht einfach hochgeputscht, sie waren Partner und Mitbestimmer der weltlichen Politik, weil sie Träger der vorherrschenden Gedanken waren, weil sie auf diese Weise großen Einfluss auf die Massen hatten. Im Grunde dieselbe Rolle, die heute in der Werbeindustrie bzw. der Propagandaindustrie des PR stattfindet. Die Predigten dieser modernen Lügenbolde als Medienmacht im Lande entspricht derselben Predigthoheit kirchlicher Institution vergangener Jahrhunderte. Und wenn wir genau hinschauen können wir die Übebleibsel dieser Konstrukte noch in jedem Land finden: Eine Bürgerklasse, die sehr eng mit den Kirchenritualien verbunden ist, viel auf die Mein ung und Meinungsmache der Kirchen gibt. Ohne die Unterstützung der Massen und dem Willen zur Unterwerfung derselben unter die Kirche, wäre und ist die Kirche nichts.

    Nein ich entschuldige diese Kirchen nicht, ich schmälere die Schuld nicht, aber ich verlange auch bei der Verurteilung der christlichen Kirchen eine Gesellschaftsanalyse. Die Kirchen waren eben nicht allein steuernder Kropf sondern Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

    Atheisten und deren geistige Derivate spalten sich und die eigene Geschichte nur allzugerne von der Kirche ab, weil sie in der Kirche und der Religion ein Feindbild kreiert haben, weil sie sich distanzieren, weil sie Spalten statt versöhnen, nicht besser als andere Hassprediger. Real ist aber: Die Kirchen sind und bleiben die Väter unserer Gesellschaftsformen, haben viel Bewegt, viel bestimmt und viel mitgewirkt. Nicht die Kirche als solche alleine ist ein Verbrechersyndikat, sondern alle Menschen sind potentielle Verbrecher, korrupt und im schlimmsten Falle brutale Egoisten. Das ist nicht das Werk der Kirchen an sich, sondern das ist die mehr oder weniger autonome Handlungsweise und Schuld eines jeden Individuums selbst!

    MFG

  11. Nun, der Islam kennt keine grundsätzliche Ächtung von Gewalt. Er ist ein Rechtssystem, er regelt die Gewalt. Christliche Kulturen tendieren zur Eliminierung privater Gewalt und sind auf den Staat und sein Gewaltmonopol angewiesen — islamische nicht. Im Gegenteil: Gewalt hat Prestigewert. Prophet Mohammed hat es vorgemacht und im Koran verewigt, dass die Fähigkeit zur Gewaltanwendung ein Zeichen göttlicher Erwählung ist, ähnlich wie der materielle Reichtum im Calvinismus. Gewalt hat im Islam eine strukturierende Funktion: Sie unterscheidet Oben und Unten, also Herr und Knecht, Mann und Frau, Gläubige und Ungläubige.

  12. Der Artikel ist exakt nach Hamed Abdel‐Samads »Gebrauchsanweisung für Islam‐Versteher« verfaßt:
    »Werfen Sie Islamkritikern Mangel an Kenntnis des Islam vor, reden Sie über die Heterogenität und Vielschichtigkeit der jüngsten abrahamitischen Religion und fragen ihn, von welchem Islam er denn nun rede. Bald verliert er die Übersicht im Labyrinth der islamischen Rechtsschulen und Strömungen, und die Debatte verläuft im Sande. Der Vorwurf der Islamophobie sollte nicht lange auf sich warten lassen.«

    Sogar die ägyptische Wochenzeitung Al‐Youm al‐Sabea bringt es fertig, einen kritischen Bericht nach den »Sünden der Muslime weltweit« zu veröffentlichen, die eine ablehnende Haltung gegenüber dem Islam in Europa möglicherweise verursacht hätten.
    In Deutschland stemmt dich die Linke mit aller Gewalt gegen eine solche offene Streitkultur.
    Dabei sind Relativismus und Wundenlecken sind doch die falschen Rezepte, um auf die vielbeschworene Aufklärung des Islams hinzuwirken.

  13. Dabei sind Relativismus und Wundenlecken sind doch die falschen Rezepte, um auf die vielbeschworene Aufklärung des Islams hinzuwirken.

    Da stimme ich zu.
    Was mich an der ganzen Debatte stört, ist, dass auf beiden Seiten nicht sachlich diskutiert wird. Man schaue nur auf die Kommentarseiten. Kommen die Wörter »Islam«, »Moslem« o.Ä. im Artikel vor, sind die Kommentare nicht nur zahlreich, sondern leider häufig beleidigend. Kritik ist (zumindest sehe ich das so) nötig, aber beleidigen lassen muss sich keiner. Wie soll man sachlich diskutieren, wenn man als Moslem eh gleich in Verteidigungshaltung gehen muss?

    Die andere Sache ist die, dass jeder Laienprediger (und das beziehe ich auf muslimische und nichtmuslimische) glaubt, den Islam interpretieren zu können. Da findet man einige Textstellen, zitiert sie völlig zusammenhanglos, aus dem historischen und sozialen Kontext gerissen und glaubt, man hätte alles verstanden. Wer so argumentiert ist nicht viel weiter, als die konservativen Kleriker, die den Islam so haben wollen, wie er vor vielen Jahrhunderten begonnen hat. Dabei entspricht das eben nicht dem »Konzept«.
    Ich betone nochmal, dass beide Seiten damit gemeint sind. Mangel an Islamverständnis werfe ich auch Muslimen vor (und nehme mich nicht aus).

  14. Lilli, das Heil der Verständigung soll in der Exegese liegen, wo sich nicht mal Muslims binnen Jahrhunderten darüber halbwegs einig geworden sind?
    Man muss doch nur mal ein paar Dutzend muslimische Länder auf Gemeinsamkeiten hin untersuchen und ein paar Dutzend christlich/aufklärerisch geprägte Länder. Auf dieser Basis können Richtungsentscheide gefällt werden: Will man weiter in die eine oder in die andere Richtung? Oder wie könnte eine konstruktive Synthese aussehen — welche Einsichten müßten da auf der einen und auf der anderen Seite eintreten? Unter mittlerweile wohl Hunderten von Blogeinträgen und Artikeln zu dem Themenkomplex habe ich noch nicht einen einzigen zu diesem Thema gefunden.

  15. Es ist schwierig, Länder bzw. Regionen mit so unterschiedlicher Ausgangslage zu vergleichen, um beurteilen zu können, was erstrebenswert ist. Dazu müsste man sie wohl in den jeweiligen Idealzustand versetzen.
    Ich habe in verschiedenen arabischen Ländern gelebt und festgestellt, dass Religion missbraucht wird, um Interessen durchzusetzen. Armut und mangelhaft gehaltene Bildung begünstigen die jetzige Situation.

    Welche Synthese meinst du? Beziehst du dich auf die Situation in Deutschland oder in den arabischen Ländern. (Ich verweigere den Begriff islamische Länder, weil sie es schlichtweg nicht sind.)

  16. Epikur, zu der Kirchengeschichte (die Du da hier ohne Quellenangabe reinkopiert hast ;) ):
    Da wird auch mit Opferzahlen gearbeitet, die die Kirche nicht verursacht hat, sondern wobei diese lediglich untätig war bzw. sie nicht verhindern konnte.
    Die Zahlen decken zudem teils mehrere Jahrhunderte ab — wie kommt man da auf die Idee, von den Kirchen sei im Vergleich zu anderen Institutionen und Bewegungen überdurchschnittlich oder auch nur genausoviel gewildert worden?
    Außerdem tust Du so, als sei die Verfassung der Kirchen unverändert geblieben, als gälte unverändert, was vor langem gegolten habe. Diese Haltung ist realitätsfremder und konservativer als jeder Papst.

  17. Lilli, bzgl. Synthese meine ich, was die zukünftige Gesellschaft hierzulande angeht.
    In den klassischen Einwanderungsländern wie Australien und Kanada funktioniert es auch deswegen relativ gut, weil die Menschen sich in die Mehrheitsgesellschaft eingliedern, da die Entfernungen zu ihren Heimatländern oft sehr groß sind und man im neuen Land dann eben wirklich »neu« anfängt.
    Deutschland wurde ja gerade wie in den Vorjahren in einer weltweiten Umfrage der BBC unter zehntausenden »Ausländern« zum beliebtesten Land der Welt gewählt. Also hat Deutschland bessere Voraussetzungen als jedes andere Land für fruchtbare Gesellschaftssynthesen.

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