Ein ganz normaler Amtsalltag

– Ein Gespräch zwischen Kunde (K) und Arbeitsvermittlerin (A) –

 

K: Guten Tag, Frau X!

A: Herr Z, bitte warten Sie noch einen Moment draußen.

K: Ok.

A: (ca. 20 Minuten später)  Herr Z, Sie können jetzt reinkommen! Schön, dass Sie der Einladung gefolgt sind!

K: Einer Einladung, die ich nicht ablehnen darf.

A: (lacht) Sie sind mir ja einer. Na, was haben Sie mir heute schönes mitgebracht, hm?

K: Ich dachte immer, Sie hätten etwas für mich? Schließlich sind Sie doch meine Arbeitsvermittlerin, die mir Arbeit vermitteln soll, oder?

A: Nun werden Sie mal nicht frech, Herr Z! Haben Sie die Bewerbungen und die Absagen dabei, um die ich Sie gebeten habe?

K: Ja. Hier. Über 50 Absagen und noch viel mehr Bewerbungen.

A: (belehrend) Zeigen Sie mal her! Hmm…ich glaube, Sie könnten ein wenig an Ihrer Formulierung arbeiten, Ihren Lebenslauf und Ihr Motivationsschreiben überarbeiten.

K: Ich habe mich beim Hochschulteam der Bundesagentur, beim Job-Coaching eines freien Trägers und bei meiner alten Arbeitsvermittlerin wegen meiner Bewerbung beraten lassen. Das was Sie hier sehen, ist das Produkt aller Ratschläge. Davon abgesehen gibt es keine perfekte Bewerbung und das ist auch gar nicht das Problem, weshalb ich keine Lohnarbeit finde. Es gibt einfach zuwenig Stellen.

A: Trotzdem könnten Sie Ihre Bewerbung überarbeiten. Ich hätte da eine ganz tolle Bewerbungstrainingsmaßnahme für Sie.

K: (selbstbewusst) Die brauche ich aber nicht. Ich weiß, wie man Bewerbungen schreibt.

A: Muss ich Sie an Ihre Mitwirkungspflicht erinnern?

K: Nein.

A: Laut SGB 2  sind Sie verpflichtet, alle Maßnahmen zu unterstützen, die Ihre Erwerbsfähigkeit fördern könnten. Haben Sie das verstanden?

K: Ja.

A: Haben Sie sich bei den Vermittlungsvorschlägen beworben, die ich Ihnen gegeben habe?

K: Ja. Keine Antwort. Bis heute.

A: Die melden sich bestimmt noch.

K: Bestimmt.

A: Die Bewerbungstrainingsmaßnahme beginnt am 15. Juli um 8 Uhr und dauert 2 Monate. Ich möchte, dass Sie daran teilnehmen, um Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Wenn Sie sich weigern, wird Ihnen der Regelsatz gekürzt.

K: Okay.

A: Kann ich noch etwas für Sie tun, Herr X?

K: Sie können mir einen sozialversicherungspflichtigen Job vermitteln, von dem man leben und seine Familie ernähren kann.

A: Oh, Sie haben aber Ansprüche! So wird das nix mit Ihnen! Absolvieren Sie erst mal die Maßnahme und dann schauen wir weiter. Wir werden schon was für Sie finden. Vielleicht einen Mini-Job oder was bei einer Zeitarbeitsfirma. Hauptsache Arbeit.

K: Ja. Hauptsache Arbeit. Wobei Sie ja von der Arbeitslosigkeit leben. Ohne Arbeitslosigkeit würden Arbeitsvermittler schwerlich Arbeit finden, oder?

A: Ich stehe doch hier gar nicht zur Debatte! So. Nun habe ich aber noch einen Termin. Bis zum nächsten Mal, Herr X. Einen schönen Tag noch!

K: Ja. Einen schönen Tag.

14 Gedanken zu “Ein ganz normaler Amtsalltag

  1. Super Artikel, spricht mir aus der Seele.!! Hab selber eine Betreuerin die eindeutige Sprachdefizite hat, hätte das letzte Gespräch mal aufnehmen sollen.

    @reinhard…das würdest Du nicht tun, Du wärst vorher gebrochen und keiner würde mehr mit Dir reden. Denn bevor Du in der letzten Instanz bist, hat Dich die Gesellschafft als Asozial abgestempelt.!

  2. @reinhard @ronny
    Auch wenn ich ronny zustimme, – denn zu viele Menschen, leben in zu viel Abhängigkeiten, mit denen die Instanzen rum spielen wie mit Kasperlefiguren, .. bleib trotzdem bei dieser Einstellung. Wünschenswert ist das. Die Menge die es „theoretisch“ durchziehen könnte, würde den „praktischen“ Wert erbringen.

  3. …@ronny

    ……wenn Du ein mal nen Quasi-Konkurs mit fast 1 Million (DM) überstanden hättest, dann würdest Du auch so eine mickrige Sachbearbeiterin eines
    Job-Centers in den Senkel stellen…lach….

  4. @reinhard
    Die Sachbearbeiterin, neigt den Kopf vor dem was sie selber nicht vermag, und tritt dann die, deren Unvermögen sie an sie selber erinnert. Ich bitte dies, zu bedenken.

  5. ………dass ich nicht lache….jeder hat die Möglichkeiten in diesem System „so“ oder „so“ zu handeln…..

  6. @reinhard
    Da hast du recht, nur ist nicht jeder so stark und so redegewannt wie du. es sind eben nicht alle gleich und das ist ja auch jut so ;)

  7. …@ronny

    ….mit dem „so“ oder „so“ handeln meinte ich in diesem Fall die Dame Sachbearbeiterin…….soweit ich weiss konnte man sich selbst beim Gröfaz
    von einem Erschiessungskommando wegmelden ohne dass es Folgen hatte….

  8. Meine Sachbearbeiterin wollte mein ALG II kürzen, weil ich in dem Anschreiben „Bewerbung: FI/CO Consultant“ geschrieben hatte. Sie wollte aber, dass ich „Wegen Bewerbung FI/CO Consultant“ schreibe. Dabei ist diese Frau schlechter ausgebildet als ich. Und ich habe als Berater und freier Dozent in der IT Branche gearbeitet. Sie wollte mir einen EDV Kursus aufdrücken. Ich habe ihr erklärt, dass ich diese Kurse geben kann, dann hätte ich endlich Arbeit. Sie wollte mir daraufhin mein ALG II kürzen. Ich habe ihr mit Presse und einer Anzeige wegen Steuergeldverschwendung gedroht. Daraufhin hat sie es bleiben lassen.

  9. Yo, Drohungen mit Presse und/oder Anwalt sind effektiv.
    Keinen Zweifel aufkommen lassen, dass man zu seinem Recht kommen wird und entsprechend auftreten, notfalls lügen („Ich hab schon Kontakt mit dem Redakteur einer Online-Zeitung und der war sehr interessiert“, „Der Anwalt fing schon an zu sabbern wegen des leicht zu gewinnenden Falls“)
    Da der HIV-Amtsschimmel gerne in einer rechtlichen Grauzone agiert und seinen Zeitvertrag nicht verlängert bekommt, wenn er die Gesetze nicht effektiv beugt, will der oftmals keinen Stress, sondern konzentriert sich lieber auf andere Opfer.

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