Neusprech: Bildungsangebot

»Unter anderem will die Union nach einem Wahlsieg ein durchschnittliches Wachstum von drei Prozent erreichen und die Bildungsangebote im Land massiv ausbauen.«

- Meldung aus dem Handelsblatt zur Saarland‐CDU vom 19. Juni 2009

Der Begriff »Bildungsangebot« offenbart die Korruption unserer Sprache durch eine marktwirtschaftliche Weltanschauung. Alles Menschliche und Dingliche wird zu einer Ware gemacht, zu einem Angebot, dass auf eine vermeintliche Nachfrage trifft. Selbstbestimmte Individuen, ein Denken, Handeln und Entscheiden abseits eines marktwirtschaftlichen Kosten‐Nutzen Kalküls wird sprachlich‐ideologisch unterbunden bzw. unterdrückt. Alles ist ökonomisch und alles ist eine Ware lautet die Devise. Auch die Bildung bzw. der geistige Horizont eines Menschen ist tausch — und verwertbar.

Unter »Bildungsangebote« zählen heute alle möglichen Formen der schulischen oder betrieblichen (Weiter-)Bildung: Volkshochschulkurse, Fern‐Universitäten, Privatschulen, Weiterbildungskurse usw. Der Begriff ist im allgemeinen deutschen Sprachschatz mittlerweile fest verankert und wird nicht in Frage gestellt. Dabei unterstreicht die bedenkenlose Anwendung des Terminus, dass marktwirtschaftliches Kosten‐Nutzen‐Denken bereits fest in unseren Köpfen verankert ist und Menschen nur noch als Kunden gesehen werden, die Bildung konsumieren sollen. Als entscheidende Kriterien der Bildung werden Vermarktbarkeit und Arbeitsmarktkompatibilität festgesetzt.

Bildung sollte weder eine Ware noch ein Angebot sein, sondern ein individueller Reifungsprozess, der es uns ermöglicht, unseren Horizont zu erweitern, die Welt kritischer und reflexiver wahrzunehmen sowie letztendlich ein besseres gesellschaftliches Zusammenleben zu ermöglichen — fernab marktwirtschaftlicher Verwurstung! Nicht zuletzt ist Bildung ein demokratisches Grundrecht, dass jedoch in Zeiten von Studiengebühren zu einem Luxusgut gemacht wird.

»Taunusstein — die Stadt der guten Bildungsangebote«

- Meldung des SPD‐Ortsvereins Taunusstein

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