Die Privatisierung der Notdurft

In der Privatisierung der Notdurft, des »WC-Gewerbes«, wenn man es so ausdrücken möchte, zeigt sich wieder der ganze kapitalistische Wahnsinn. Mittlerweile kann ich kaum noch in Berlin irgendwo meine Notdurft verrichten ohne dafür zu bezahlen. Es wurden häßliche grobklotzige sog. »City-Toiletten« aufgestellt, die anfangs kostenfrei waren, mittlerweile jedoch Geld kosten. Bahnhofstoiletten sind völlig überteuert und manche haben sogar eine Absperrung, die sich nur mit einem »WC-Ticket« passieren lassen. Hotels und Restaurants lassen einen auch nicht auf die Toilette gehen — es sei denn, man ist zahlender Gast. Die  WC´s der großen Einkaufszentren werden von »Klofrauen« bewacht. Während Hunde in Berlin in manchen Bezirken sprichwörtlich die Strassen »zuscheissen« (natürlich kostenfrei) — darf Mensch für seine Notdurft blechen. Es ist richtig, dass Krankenhäuser, die Bahn, Strom- und Wasserversorgung usw. staatlich und damit öffentlich zugänglich sein müssen. Das gleiche sollte aber auch für das Grundbedürfnis der Notdurft gelten. Was wird der neoliberale Wahnsinn als nächstes »zu Geld machen«?

4 Gedanken zu “Die Privatisierung der Notdurft

  1. Hallo epikur,

    solltest Du mal nach Moers kommen, meine Toilette stelle ich Dir KOSTENFREI zu Verfügung.

    Irgendwann wird dann wohl mal jedes Baby, bevor es das »Licht der Welt« erblicken darf Eintitt zahlen müssen, natürlich mit gültigem Pass, ausgestellt von der Weltregierung.

    LIebe Grüße
    Margitta Lamers

  2. @epikur

    Nichts Neues unter der Sonne — Ich mußte vor 11 Jahren in Prag — Theresienstadt — schon einmal nachher auf die Toilette — beim nahe gelegenen Touristenparkplatz.

    Zum Glück hatte LehrgangsteilnehmerInnen Kleingeld parat, denn ansonsten hätte ich in die Hose gepinktelt.

    Im Ernst, die Sache regt mich heute noch auf, da man dort — an einer Gedenkstätte — noch Geld für WC-Besuche annimmt.

    Gruß
    Nachdenkseiten-Leser

    PS: Ich hab übrigens noch was anderes erlebt, dass aber mit dem Thema nix zu tun hat — die Tschechen verdienten noch an Souveniers der Shoa Geld — Es gibt ja neuerdings einen Film »Am Ende kommen Touristen«, der sich dieses Themas »dem Holocaust-Tourismus« mit dem Beispiel Auschitz annimmt — der Unterschied: Ich war an einer anderen Gedenkstätte, aber genauso empört wie der Protagonist des Filmes, dass man noch Kohle mit der Shoa macht.....

  3. Ein kleine Ergänzung noch zum PS:

    Für mich ist es, nicht erst seit dieser im realen Leben erlebte Sache klar, dass Kapitalismus und Faschismus (wovon eine besonders brutale Unterart die Nazis waren, so lernte ich es mal auf der Schule — VOR Geschichtsfälschern wie Götz Aly) ein- und dieselbe Spielart der selben Münze sind.

    Gruß
    Nachdenkseiten-Leser

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