Ein lupenreiner Geschäftspartner

Am Freitag reist Klaus Wowereit mit einer Delegation aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft nach Saudi-Arabien [...] Im Zentrum steht indes nicht etwa der Austausch über Bürgerrechte und Demokratie [...] sondern es geht um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen von Berliner Unternehmen in die Region.

- tagesspiegel.de vom 24. Februar 2011

Der Iran ist böse, denn er will Atombomben bauen und damit Israel in die Luft jagen. Der Irak war böse, denn sein Diktator Saddam Hussein war ein Tyrann. Gadaffi war böse, denn er hat auf seine eigene Bevölkerung geschossen. Assad in Syrien ist böse, denn er ist ein grausamer Tyrann. Das Königreich Saudi-Arabien jedoch ist gut. Dort haben Frauen keine Rechte, sie unterliegen einer männlichen Vormundschaft und müssen in der Öffentlichkeit verschleiert sein. Ehebrecherinnen werden gesteinigt, Dieben werden die Hände abgehackt und Verurteilte werden öffentlich geköpft. Die Todesstrafe wird bei »Hexerei«, Homosexualität oder auch bei sexueller Belästigung angewandt. Dennoch machen viele westliche Staaten, vor allem USA und Deutschland, Geschäfte mit einer der grausamsten Diktaturen der Welt. Weiterlesen →

Visuelle Selbstdefinitionen

Quelle: Wikimedia

Ich bin eine schlanke, junge Frau. Männer und Frauen schauen mir hinterher und ich ziehe körperbetonte Kleidung an. Ich fühle mich ganz toll.

Ich bin ein Mann mittleren Alters. Ich habe einen Bauch und nur wenig Muskeln. In der Öffentlichkeit schauen mir viele auf meinen Bauch. Ich bin oft verunsichert.

Ich bin weiblich und Mitte vierzig. Mein Busen hängt, meine Hüften sind dick und ich bekomme erste Falten im Gesicht. Ich habe Angst vor dem älter werden.

Ich bin ein Rentner, habe graue Haare, gelebte Haut und bin langsam im Gehen. Ich werde als Mensch häufig übersehen. Ich fühle mich oft überflüssig.

Ich bin ein übergewichtiges, fünfzehnjähriges Mädchen. In der Schule werde ich oft deswegen geärgert und beschimpft. In der Öffentlichkeit schauen mich andere Menschen häufig abschätzig an. Ich bin ängstlich.

Die Destruktivität des Leistungsgedanken

Im Sinne der sog. »Leistungsgerechtigkeit« hat jeder soviel verdient, wie er leistet. Das heißt jeder leistet soviel, wie er verdient. Insofern leistet ein Manager zweihundertmal soviel wie seine Angestellten und das rechtfertigt auch seine zweihundertfach höhere Bezahlung.

Dieses Denken ist in großen Unternehmen, konservativen Kreisen und Konzernen weit verbreitet. Mittlerweile wird leider auch der soziale Bereich davon vergiftet. Die Ökonomisierung des Sozialen, im Sinne eines Kosten-Nutzen-Kalküls, ist in Deutschland seit über 20 Jahren gang und gäbe. Nun übernehmen immer mehr soziale Träger das sog. »Leistungsbeurteilungsverfahren«, mit dessen Hilfe die Arbeit in sozialen Einrichtungen (Pflegeheime, Kindergärten, Beratungsstellen, soziale Notdienste, Jugendeinrichtungen usw.) vermeintlich objektiv gewertet und gemessen werden soll. Weiterlesen →

Das Marktbewußtsein

Hierzulande gibt es keinen Unterschied zwischen dem wirtschaftlichen Schicksal und den Menschen selbst. Keiner ist etwas anderes als sein Vermögen, sein Einkommen, seine Stellung, seine Chancen. Die wirtschaftliche Charaktermaske und das, was darunter ist, decken sich im Bewusstsein der Menschen, den Betroffenen eingeschlossen, bis aufs kleinste Fältchen. Jeder ist so viel wert wie er verdient, jeder verdient so viel er wert ist.

- Horkheimer/Adorno, »Dialektik der Aufklärung«, Fischer Verlag 1988, Originalaugabe: New York 1944, S. 220

Anmerkung: Horkheimer und Adorno haben dies vor über 60 Jahren formuliert und beschreiben damit exakt unsere heutige Gegenwart. Sie zeigen zudem die Absurdität der sog. »Leistungsgerechtigkeit« auf: Jeder leistet so viel wie er verdient, jeder verdient so viel wie er leistet. Leistung, Einkommen und Vermögen definieren und rechtfertigen sich selbst, benötigen keinerlei Erklärung. Sie sind Schicksal, Naturzustand und das Werk des Gott-Leviathans »Markt«.

Kinder in Deutschland, Teil 20: Konsequenzen

Quelle: wikimedia

Während noch vor ca. 40 Jahren die streng autoritäre Erziehung in Deutschland zu Recht angemahnt wurde (Rohrstock in der Schule, »Backpfeifen«, »Klaps auf den Po«, Schläge auf den Hinterkopf, Kinder vorverurteilen oder vorschnell maßregeln etc.) gibt es heute vielmehr das Problem, dass viele Kinder von der Familie kaum Grenzen aufgezeigt bekommen und für entsprechendes Verhalten keine Konsequenzen erfahren. Es scheint, als habe das gesamtgesellschaftliche Klima der Kinderfeindlichkeit sowie die mangelnde Geburtenrate in Deutschland zur Folge, dass Kinder innerhalb der eigenen Familie dem Alter oft unangemessene Entscheidungsfreiheiten genießen und menschlich überhöht werden. Weiterlesen →

Griechische Realsatire

Die lieben Massenmedien zeigen uns dieser Tage wieder, wo ihre politische Gesinnung zu verorten ist. Jeder der links ist, sich für die Bevölkerung einsetzen, eine gerechtere Eigentumsverteilung und Reiche stärker besteuern will, ist ein radikaler Spinner. Politiker haben gefälligst dem internationalen Finanzkapital, den Konzernen und Banken zu dienen. Das euphemistische »Sparprogramm«, welche die EU Griechenland auferlegt hat, ist auch nichts anderes als ein radikales Kürzungsdiktat, dass tausende Griechen in die Arbeitslosigkeit und in die Armut treiben wird. Griechische Politiker, die sich dagegen wehren wollen darf es aber nicht geben:

SpiegelOnline: »Entsetzen über linken Wahlgewinner«

FAZ: »Griechische Linke feuert Breitseite gegen Europa ab«

Frankfurter Rundschau: »Griechenland-Wahl verunsichert Finanzmärkte«

Handelsblatt: »Radikale Linke versucht sich an der Regierungsbildung«

BILD: »Wird Linksradikaler neuer Griechen-Chef?«

Gelebte Intoleranz

NRW-CDU-Wahlplakat aus dem Jahre 2005

In Deutschland gibt es regelmäßig Kampagnen, Initiativen und Gedenkveranstaltungen, die zu mehr Toleranz, Mitmenschlichkeit und gegenseitigem Respekt aufrufen. Auch wenn solche Aktionen wichtig sind, so sind sie gesamtgesellschaftlich gesehen eher wirkungslos, solange Toleranz nicht im Alltag gelebt wird. Meist sind sie nur Alibi- und Profilierungsveranstaltungen, denn bei genauerer Betrachtung werden von Politik und Wirtschaft Antihumanismus und Menschenverachtung gepflegt, gefördert und verinnerlicht. Im folgenden Beispiele alltäglich gelebter und verinnerlichter Intoleranz. Weiterlesen →

Zweisamkeit lohnt sich nicht!

Daniele Sartori von flickr

Gehören Sie zur, in Nordeutschland und in den Großstädten gar nicht so seltenen, Gattung der Sozialschmarotzer? Liegen Sie gern in der sozialen Hängematte und den anderen auf der Tasche? Müssen Sie sich ständig rechtfertigen, warum Sie denn keine Lohnarbeit hätten? Schämen Sie sich manchmal zu den gesellschaftlichen Verlierern zu gehören? Haben Sie Beziehungs- und Geldprobleme? Dann ist der folgende Ratgeber vielleicht genau das Richtige für Sie! Weiterlesen →