Das nächste Streitgespräch in den freien Medien. Diesmal geht es um das Thema »Migration«. In der Diskussion prallen Welten aufeinander. Es wird sich kräftig gestritten, ohne »einzuordnen« oder zu »framen«. Meines Erachtens, hat der von mir ansonsten sehr geschätzte Paul Brandenburg mit seiner »Islam-Sippenhaft« stark überzogen und Tariq Hübsch hat hier die deutlich besseren Argumente. Aber das ist nur meine Einschätzung.
Die Altmedien können oder wollen so ein Format nicht mehr. Da gibt es bei vielen Themen nur noch eine Meinung und eine Haltung. Wer da andere Töne anschlägt, wird ganz schnell sozial und/oder ökonomisch geächtet. Bestes Beispiel sind die »Klar«-Reportagen von Julia Ruhs. Die freien Medien machen nun zunehmend das, was die etablierte Presse konstant verweigert: Demokratie, Diskurs und Meinungsfreiheit.
Demokratie
Jahrelang war der chinesische Menschenrechtler Ai Weiwei das Musterbeispiel für die autoritäre Diktatur in China. Er wurde mit Ehrungen überschüttet und überall in Deutschland herumgereicht. Dutzende Artikel wurden über ihn geschrieben. Er galt als personifizierter, moralischer Zeigefinger, der verdeutlichen sollte, in was für einer tollen Demokratie wir hier in Deutschland doch leben und wie schlimm es doch in China sei. Nun hat er über die Politik in Deutschland folgendes geschrieben:
»Eine Gesellschaft, die Gehorsam schätze, ohne Autoritäten zu hinterfragen, sei dazu bestimmt, korrupt zu werden. Wenn Konversation zur Vermeidung werde, wenn Themen nicht angesprochen werden dürften, lebten wir bereits unter der stillen Logik des Autoritarismus.«
Das geht natürlich nicht. Das will hier Niemand hören. Also wird auch er gecancelt, ausgegrenzt und totgeschwiegen. So schnell kann das gehen. Das Gleiche haben wir bei Greta Thunberg erlebt. Die kleinste Abweichung vom Mainstream-Narrativ genügt, um ausgegrenzt zu werden.
Medien
Die TAZ beweist ‑mal wieder- was Qualitätsjournalismus heute bedeutet. Zum Trump-Putin-Gipfel in Alaska titelte sie am 16. August 2025:
Gleichzeitig sind aber, besonders die eher rechten und konservativen Medienformate wie NIUS, Apollo News, Tichys Einblick, Weltwoche oder die »Achse des Guten« beim Thema »Gaza« unerträglich einseitig und teilweise sehr menschenverachtend. Da schreibt beispielsweise Herta Müller bei der »Achse des Guten« am 20. August 2025:
Millionen Menschen auf der Flucht. Ein ganzes Gebiet in die Steinzeit gebombt. Schulen, Krankenhäuser und ganze Wohnviertel zerstört. Mehr als 100 Journalisten wurden gezielt ermordet. Mehr als 50.000 Männer, Frauen und Kinder wurden bereits massakriert. Menschen werden von Hilfslieferungen gezielt abgeschnitten. Aber Frau Müller tut einfach so, als seien rund 2 Millionen Palästinenser gleichzeitig Hamas-Kämpfer und als sei Gaza militärisches Gebiet? Unfassbar.
Arbeitsmarkt
Im Einzelhandel in Berlin und Brandenburg fehlen wohl mehr als 2.500 Arbeitskräfte. Laut der Theorie von Angebot und Nachfrage, müssten jetzt die Arbeitsbedingungen verbessert und die Löhne gesteigert werden, um die Stellen attraktiver zu machen? Weit gefehlt! Im Neoliberalismus macht man genau das Gegenteil. Wie in der Pflege wird jetzt gezielt nach Menschen gesucht, die man noch ordentlich ausbeuten kann: »Fachkräftewerbung in Namibia« nennt sich das dann.

tagesschau.de vom 21. August 2025
Terrorismus
Das NS2-Märchen wird weiter gesponnen. Nun wird uns ein ukrainischer Verdächtiger präsentiert. Für alle, die beim NS2-Thema erst jetzt eingeschaltet haben, gebe ich ‑als Hobbydetektiv- ein paar Indizien:
- Der preisgekrönte Investigativ-Journalist Seymour Hersh, der in den letzten Jahrzehnten viele Skandale aufgedeckt hat, zeigt mit dem Finger auf die USA. Unsere Altmedien verschweigen das verbissen.
- Sikorski, der von Ende 2005 bis Anfang 2007 parteiloser Verteidigungsminister von Polen war, hat sich öffentlich via Twitter bei den USA für die Sprengung von NS2 bedankt.
- Der ehemalige US-Präsident Joe Biden hat öffentlich verkündet, dass er NS2 sprengen würde. Neben ihm stand der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz.
- US-Präsident Donald Trump hat zugegeben, dass die USA NS2 gesprengt haben: »aber ich war derjenige, der sie ursprünglich gesprengt hat, weil ich nicht wollte, dass sie gebaut wird.« Die deutschen Altmedien haben das komplett verschwiegen.
Ob die internationalen ‑und vor allem auch deutschen- Ermittler diesen Hinweisen nachgehen werden?
Grundrechte
Die Journalisten Thomas Röper und Alina Lipp wurden mit dem »17. Sanktionspaket« von der EU gegen Russland »verurteilt«. Sie dürfen die EU nicht mehr betreten, ihre Vermögenswerte wurden eingefroren und man darf sie finanziell nicht mehr unterstützen. All das, ohne jedes rechtliches Gehör. Ohne ein juristisches Verfahren. Ohne Anklage. Ohne Verteidigung. Ohne Anhörung. Das ist das Gegenteil von »Demokratie« und »Rechtsstaat«. Nun wollen sie dagegen vorgehen:
Zu Gaza sei noch der Kontrafunk erwähnt. Zumindest in der Anfangszeit war der ebenfalls ziemlich unerträglich. Hat sich wohl etwas gebessert, aber in Summe übergehe ich auch dort Beiträge zu dem Thema.
Ich habe echt keine Ahnung, was »die« im konservativen Lager so sehr an Israel bindet, zumal sie bei der Corona Politik auch bei Israel durchaus kritisch sein konnten / waren.
Die Fragestellung des Pressegesprächs finde ich mehr als fragwürdig. Zum einen wird ein möglicher Konflikt auf religiöse Hintergründe verlagert, Religion ist aber nie der Grund für Konflikte, sondern dient zur Legitimation zu menschenverachtenden Handeln und hier wichtiger, ist eine Methode, um von wirklichen Ursachen von sozialen Problemen abzulenken. Zum anderen ist auch der Begriff Deutschland fraglich. Alle Deutschen haben die gleichen Interessen und handeln gleich wirksam? Deutschland ist das arme unschuldige Opferlamm? Von den historischen Hintergründen der Zerstörung staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen im nahen und mittleren Osten mal ganz zu schweigen. Nachdem man also 99% der Realität ausgeblendet hat, kann man nun herrlich schwadronieren und mal mehr und mal weniger »radikal« agieren. Das Herrschaftsframing wird nicht verlassen.
@Kakapo3
Sehe ich ähnlich. Ich wollte jetzt hier auch nicht das ganze Gespräch analysieren, das würde zu weit führen. Aber der Blick von Paul Brandenburg ist schon sehr verengt und ja, auch menschenverachtend. Das, was er betreibt ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (»der Islam«). Nichts Anderes. Gegen Kriminalität muss man vorgehen, ganz klar. Aber man kann und sollte deshalb nicht eine ganze Gruppe von Menschen dämonisieren. Leider macht er genau das.
brandenburgs post zu »islamischen gebärpanzern«...
https://www.instagram.com/p/DMmgEQPA9Yl/
...empfinde ich ‑selbst länger schon der katastrophalen migrationspolitik des regimes ablehnend gegenüberstehend- widerlich und menschenverachtend.
allein schon die tendenziöse bildauswahl entlarvt die niederträchtige intention dieses machwerks.
in dieser form in der tat (bewusst) geeignet, zu pauschaler ablehnung und auch hass aufzustacheln (um nicht den vom systemkomplex perfide missbrauchten und diskreditierten ausdruck »volksverhetzung« zu benutzen, dessen gebrauch in diesem falle, wäre er nicht unumkehrbar vergiftet worden- tatsächlich angebracht gewesen wäre.
Seit ich weiß, dass Herr Brandenburg Jäger ist und unkritisch öffentlich zum Wählen aufruft, ist er für mich deutlich näher an die Systemkonformität heran gerückt. Wenn er sich jetzt menschenverachtend äußert, wird das nur weiter bestätigt: dieses System ist auch menschenverachtend.
P.S. Diese »Wir schaffen das«-Migrationspolitik sehe ich auch kritisch, allein schon weil ohne (direkt-)demokratische Mitsprache der Bevölkerung.
@orinoco: Kannst du den Punkt mit dem Jäger etwas genauer erläutern? Wieso ist man damit systemkonform?
@Yossarian
Spätestens seit Reichsoberballermeister Göring gehört das Jagdunwesen und dessen staatlich geschützte Privilegien als das Tiermordhobby der Reichen und Mächtigen zur Staatsräson. Ich erinnere hier auch an das Spottlied über diesen Umstand, »Diplomatenjagd« von Reinhard Mey.
Und dass sich daran über die Jahrzehnte genausowenig geändert hat wie der gerade fröhliche Urstände feiernde, deutsche Militarismus, durfte ich selbst vor noch nicht allzu langer Zeit selbst in einem Prozess gegen die Zwangsbejagung meiner Grundstücke durch alle Instanzen vom AG bis zum BVerfG erfahren, wo durchweg gegen mich und alle anderen Jagdgegner und für die Zwangsbejagung geurteilt wurde — entgegen der laufenden, eigentlich zur gerichtlichen Beachtung verpflichtenden Rechtsprechung des EGMR. Sogar der Vertreter Deutschlands beim EGMR hat in Nibelungentreue entsprechend votiert, war aber mit 3 zu 13 Stimmen da in der Minderheit. Eine der beiden anderen Stimmen des Minderheitenvotums kam aus Norwegen, dem wohl einzigen Land im Europarat wo die Jäger eine im Staat ähnlich tief verwurzelte Lobby haben wie in Deutschland. Nicht mal in Frankreich oder Spanien, wo die Jagd nicht minder verbreitet aber weniger elitär ist, gibt es sowas. Mehr Systemkonformität geht also kaum, ganz abgesehen davon, dass Jagd vom Deutschen Jagdverband öffentlich zugegeben reiner Lustmord ist und damit Ausdruck mangelnden bis völlig fehlenden Mitgefühls für Tiere ist. Gemäß dem Ausspruch
ist mangelnde Empathie für Mitmenschen da auch nicht allzu fernliegend.
@orinoco:
Aufgrund deiner Wortwahl wie »Tiermordhobby« ist zumindest schon mal klar worin für dich der Kernkonflikt bei dem Thema besteht. Gehe ich nicht ganz mit, aber soll ok sein.
Zum Gedanken des Elitären fehlt mir ein wenig die Verbindung. Ich kenne selbst Jäger und da passt das nicht so ganz zu meinen Erfahrungen. Mag ja sein, dass das alles einen elitären Ursprung hat (wobei das sich wohl drehen dürfte je weiter man zurückgeht), aber deswegen vom Einzelnen auf alle schließen, zumal du ja indirekt unterstellst, dass man Jagd dann wohl aus genau diesem Gedanken heraus betreibt, das erschließt sich mir eher nicht.
Und die Frage nach der Moral halte ich für sehr schwierig. Ich glaube nicht, dass es automatisch zur Jagd dazu gehört, dass man am Tötungsvorgang an sich Freude empfindet, sondern dass man es für einen normalen Teil der Natur und somit moralisch für legitim hält.
Mich hat mein Vater z.B. schon sehr früh als Kind mit zu Schlachtungen genommen. Sein Ansatz war: Du willst es essen, also musst du auch wissen was das bedeutet. Würdest du sagen, dass eine Schlachtung ebenfalls als eine Art Lustmord vollzogen wird? Habe ich persönlich jedenfalls nie so wahrgenommen. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass die Jagdtötung der moralisch bessere Ansatz ist, denn das Tier erfährt dabei keinen vorherigen Stress durch das Umfeld der Schlachtung.
@Yossarian
Das wird jetzt hier wohl etwas off-topic und ich will das deshalb hier nicht unnötig auswalzen, daher am Ende nur noch ein paar allgemeine Hinweise. Aber um deine Fragen nicht unbeantwortet zu lassen:
Ich befasse mich als Tierrechtler »abolitionist approach« schon länger mit dem Thema »Jagd« und ich schließe daher eher umgekehrt vom Allgemeinen auf den Einzelfall, wenn es eben wie im vorliegenden Fall ins Bild passt: wer seine Tötungshemmung gegenüber Tieren schon abgelegt hat, der hat mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eine zumindest erniedrigte auch gegenüber Menschen. (man beachte: keine Tatsachenbehauptung für den Einzelfall).
Und es ist auch meine Erfahrung mit Jägern, dass nicht selten der Nervenkitzel bei der Jagd geleugnet wird, wie wiederkehrende Schutzbehauptungen Jagd sei ökologisch notwendig, die »humanste« Art der Tötung, »natürlich«, Berufsfreiheit etc. etc. zwecks moralischer Rechtfertigung zeigen. Da war das öffentliche Bekenntnis des Vorsitzenden des Jagdverbandes zumindest ehrlich.
Die Argumentation deines Vater was das Schlachten und Fleisch essen betrifft, kann ich nachvollziehen. Ich bin durchaus der Ansicht, dass solange es weiter erlaubt ist »Nutztiere« zum Zweck der menschlichen Ernährung zu töten, jeder der Fleisch essen möchte jedes Jahr eine Woche Praktikum im Schlachthof machen und überall dabei sein sollte: von der Anlieferung über den Bolzenschuß bis zum Zerteilen.
Die moralische Frage ist in der Tat nicht ganz einfach zu beantworten, vor allem wenn man die entsprechende Argumentation der Gegenseite nicht kennt oder gar nicht zur Kenntnis nehmen will. Ich empfehle daher jedem der sich ehrlich und ernsthaft mit der moralischen Frage von Jagd, Zoos, »Nutztierhaltung« und generell Ausbeutung von Tieren zum Nutzen oder Spaß von Menschen sich eingehend mit den Tierrechten //animal rights »abolitionist approach«// insbesondere den Büchern von Gary L. Francione zu befassen z.B. »Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog?« Wer sich das Buch nicht kaufen will, dem empfehle ich die kostenlosen //»This is the official Animal Rights FAQ«//
Ich finde auch die angebliche faire Jagd (bei Jägern) oder auch der ehrliche Kampf (bei Stierkämpfern) peinlich albern, wenn doch das Ergebnis immer fest steht -> Der Tod des Tieres. Auch wird für die Erlangung von Jagdtrophäen meines Erachtens falsch selektiert (Das kräftigste und schönste Tier wird geschossen.)
Aber ich bin nicht wirklich tief in der Thematik. Zum Beispiel die Meldung, dass Gelder beim Berliner Tierheim gespart werden, was dazu führt, dass weniger Kater kastriert werden.
Gute oder schlechte Nachricht?
@orinoco:
Wir müssen das auch nicht auswalzen. Du hast es mir jetzt erklärt und damit kann ich nachvollziehen wie du auf den Gedanken kommst. Soll mir reichen.
Dem Menschen ist das Töten Immanent in seiner DNA enthalten.
Das hier so Manche Foristen, meinen, dies unterdrücken zu müssen, ist völlig absurd.
Wir können nur die Bedingungen verbessern, so, dass er es nicht mehr so häufig tun muss.
Aber den Leuten das Fleisch zu verbieten, weil dann Tiere geschlachtet werden ist dann noch viel absurder.
@PV
»Dem Menschen ist das Töten Immanent in seiner DNA enthalten. Das hier so Manche Foristen, meinen, dies unterdrücken zu müssen, ist völlig absurd.«
»Absurd« ist eher Deine Aussage, wenn man alle Religionen und jede Ethik und Moral der Welt betrachtet, in denen es heißt: »Du sollst nicht töten!« Nach Deiner Meinung haben die dann alle einen Dachschaden.
Aber diese Diskussion wird hier und an dieser Stelle nicht weiter geführt. Danke.
@epikur
»Dachschaden« würde ich das nicht nennen, aber die Gründe dafür (falls überhaupt welche genannt werden), andere zu töten, zieht sich doch durch die Geschichte wie ein roter Faden. Was auch immer die Ursachen für dieses menschliche Gewaltphänomen sind: es ist einfach unbestreitbar.
Es liegt folglich ein Widerspruch vor zwischen dem, was »Ethik und Moral« aufzeigen und was aus Religionsinhalten heraus geglaubt wird (allerdings daraus auch wieder getötet wurde aus vorgeblichen Glaubensgründen).
Ein »Muss« ist es aber wohl nicht, aber es gilt die gesellschaftlichen Strukturen weltweit so zu ändern, dass es keine dominanten Mächte mehr geben darf und damit verbunden auch zwingend die weltweite Vernichtung aller A‑Waffen. Man war mal mit der UNO auf einem guten Weg, der leider aus bekannten Gründen (Machtverhältnisse) gestoppt wurde.
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Beitrag gerne gelesen.
Hartz V wird vorbereitet, auch wenn dieser Sozialabbau (Reformen — Negatives wird positiv gelabeld) wohl einen anderen Namen erhalten wird. Wobei ›Lohnzurückhaltung‹ (euphemistisch so genannt) auf existenziellen Druck hin durchgesetzt wird und daher als Vorschlag von mir ›Streik‹ darauf ebenso mit ›Arbeitszurückhaltung‹ zu begegnen und ein wenig entspannter zu lesen wäre.
Mit anderen Worten, es gilt auch begrifflich zu sensibilisieren/aufzuklären und damit Deutungshoheit zu erlangen.
@Paul
> Ein »Muss« ist es aber wohl nicht, aber es gilt die gesellschaftlichen Strukturen weltweit so zu ändern, dass es keine dominanten Mächte mehr geben darf und damit verbunden auch zwingend die weltweite Vernichtung aller A?Waffen. Man war mal mit der UNO auf einem guten Weg, der leider aus bekannten Gründen (Machtverhältnisse) gestoppt wurde.
Die Macht wird eben dazu benutzt, sich selbst zu schützen und mit allen Tricks durch das Volk unangreifbar zu machen. Deswegen wird es auf absehbarer Zeit weiter den Konkurrenzkampf der Mächte und Machthaber geben und so lange wird es auch A‑Waffen geben, denn die sind die einzige Versicherung eines Staates nicht durch einen militärisch überlegenen Gegner angegriffen zu werden. Wie es Volker Pispers einmal vor seinem geistigen Ruhestand ausdrückte: »Nordkorea ist A‑versichert«.
Ein Zustand ohne dominante Mächte bzw. die militärische Konkurrenz unter diesen ist zwar denkbar z.B. mit echter (direkter) Demokratie hätte das Volk ein unmittelbares Veto-Recht, hat eine befriedende Wirkung und dann bräuchte es wahrscheinlich auch keine A‑Waffen mehr. Aber genau deswegen fürchten die Machthaber die (direkte) Demokratie wie der Teufel das Weihwasser und verunmöglichen sie mit allen Tricks: wenn institutionell nicht mehr ausreicht, dann eben totalitär. Ich sehe da innerhalb meiner verbleibenden Lebenszeit keine Chance, dass sich daran etwas signifikant ändert.
@orinocco
»Ich sehe da innerhalb meiner verbleibenden Lebenszeit keine Chance, dass sich daran etwas signifikant ändert.«
Ich befürchte, es wird in unserer ›Restlaufzeit‹ noch schlechter werden. Wenn ich allerdings an meine Eltern denke, die den II. Weltkrieg erlebt haben, dann sind zwar Vergleiche möglich, aber das heutige Vernichtungspotential geht weit über das damalige hinaus und entzieht sich wohl auch ›unserem‹ Alltagsbewusstsein. Ansonsten ist das Ausblenden dieses Zustands nicht nachvollziehbar.
Was halten Sie von folgendem Beitrag (Manfred Norwat):
»Die Gesellschaft der Zukunft. Gedanken zu einer neuen Gesellschaftsordnung«
https://www.isw-muenchen.de/online-publikationen/texte-artikel/5102-gedanken-zu-einer-neuen-gesellschaftsordnung
Also, wie kann ›uns‹, den kritischen Antikapitalisten, der Ausstieg, bzw. die Umwandlung in ein friedlicheres, gerechteres, soziales System des Miteinanders geben, gelingen? Und zwar gegen Strukturen, die gesetzlich mit der Eigentumsordnung priorisiert werden (soweit ich das lese/interpretiere).
@Paul
Schon nach den ersten Sätzen des verlinkten Artikels sind mir meine Gegenargumente wie von selbst eingefallen. Hab’s mir dann aber noch bis zu Ende angehört und wurde bestätigt.
Es gibt immer zwei Probleme solcher Systementwürfe vom Reißbrett. Das erste Problem: es gibt kein konkreten Erfahrungen, dass es als politisches System etwas taugt. Es ist praktisch reine Theorie. Kommt mir immer wie die Neu-Erfindung des Rades vor und der Diskussion ob es 8, 12 oder 16 Ecken haben soll.
Das zweite Problem: selbst wenn es funktionieren sollte, woher soll die Macht kommen, das bisherige System und seine Machthaber abzuschaffen und das neue System einzuführen? und das ohne, dass die neue Machthaber gleich wieder von dieser korrumpiert werden?
Das erste Problem hat echte (direkte) Demokratie nicht, denn im Gegensatz zu praktisch allen anderen alternativen Systementwürfen ist diese empirisch bewährt, in der Schweiz schon seit über 100 Jahren.
Das zweite Problem hat auch die (direkte) Demokratie, wie ich zuvor schon schrieb. Gerade deswegen ist es notwendig, dass sich die systemoppositionellen Kräfte darauf einigen und solidarisch agieren, sonst gibt es gar keine Chance. Ständig neue Systementwürfe, die nur in der Theorie funktionieren, sind da kontraproduktiv. Deswegen, wenn man sich schon mit sowas auseinander setzt, muss die erste Frage lauten: wo hat das auf der Welt im großen Maßstab längere Zeit funktioniert bzw. welche Erfahrungen hat man damit gemacht? Wer diese nicht positiv beantworten kann, dann ist das leider für den Papierkorb.
Ansonsten; ja man sollte vorbereitet sein. Echte (direkte) Demokratie zu verstehen ist Anspruch genug, selbst wenn es so einfach zu sein scheint wie in der Schweiz.
@orinoco
».. dass sich die systemoppositionellen Kräfte darauf einigen und solidarisch agieren, sonst gibt es gar keine Chance.«
Ja, die Gefahr der ›großen Entwürfe‹ besteht wohl in einem neuen Modell dessen, was man zu überwinden glaubt(e). Sich also über seinen ›geistigen Tellerrand‹ hinaus bewegen und jene unterstützen, die Schritt für Schritt Veränderungen erzielen wollen.
Und doch bleibt auch hier das ungelöste Problem, wie man sich zu der jeweiligen Staatsgewalt verhalten soll, wenn von da her Gewalt ausgeübt wird, wenn es nicht im Interesse derjenigen abläuft. Denn die Strukturen sind nun mal derart aufgebaut, das die Exekutive i.d.R. am längeren Hebel sitzt.
Wechselnde Parteien ändern wenig an dem Prinzip, zumal systemkritische Programme als radikale (Demokratie feindliche Bewegungen) polemisiert werden.
Wenn ich mir nun die Frage stelle, welche Variante/welches Risiko höher zu bewerten wäre, die des desaströsen ›weiter so‹ oder ggf. Revolutionen in Kauf zu nehmen, dann kommt es wohl auf die Bewertung der aktuellen Weltlage an und die Einschätzung, ob man den Zug so weiter fahren lässt.
Eines dürfte klar sein, das Kapital wird nicht freiwillig auf seine Privilegien verzichten. Und im Gegensatz zur arbeitenden Bevölkerung sind deren Interessen weitaus kongruenter/verflochtener, daher auch leichter zu koordinieren.
Ich kenne keine Patentlösung außer Solidarität, kritisches Denken und Widerstand zu leisten (z.B. beim neuen Wehrdienst), mithin Aufklärung. Und wenn man ein wenig perspektivisch denken/arbeiten kann, desto besser.
Jedenfalls danke.
Grüße