ZG‐Rückblick: Anachronist im digitalen Zeitalter?

Ansgar Heveling, CDU‐Bundestagsabgeordneter und Mitglied in der Enquetekommission »Internet und digitale Gesellschaft«, hat dem Web 2.0 in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt den Krieg erklärt. Jetzt hat er den resultierenden Shitstorm am Hacken.

Ist das Web 2.0 das Ende der Demokratie? Ist Heveling besser als Lobbyist aufgehoben? Sind wir, die wir einen Browser öffnen können, der Untergang des Abendlandes? Beginnt nun der Kampf zwischen Bourgeoisie und digitaler Bourgeoisie, bzw. zwischen einer undefinierbaren Masse an Leuten gegen die Andere?

todesglupsch sagt:
Es ist fünf vor Zwölf. Wenn wir jetzt nicht anfangen die Werte unserer Ahnen gegen die Unterminierung durch das Piratentum zu verteidigen, dann wird es zu spät sein. Niemand wird mehr motiviert sein morgens das Bett zu verlassen, da man gar nicht mehr weiß wie man den eigenen Wissensvorsprung kapitalisieren soll. Der Buchdruck war schon eine echte Katastrophe für die Werte der französischen Revolution und die Aufklärung und so, aber das jetzt ist wirklich nicht mehr lustig. Vermutlich hätte die französische Revolution nie stattgefunden, wenn BTX und Akkustikkoppler damals schon existiert hätten. Ganz zu schweigen vom WWW und so. Die einzig praktikable Lösung ist ein Killswitch für das Internet auf den jeder Urheberrechtsinhaber Zugriff hat, um so sein geistiges Eigentum bei Bedarf schützen zu können.

jtheripper:
Wenn Politiker oder deren Schreiber über das Internet schreiben und die berühmten »0 und 1« zitieren, kann man davon ausgehen, dass sie keine Ahnung von der ganzen Materie haben. Dafür haben sie aber ganz große Angst davor, was man mit dem Internet so machen kann.

»Nothing in life is to be feared, it is only to be understood. Now is the time to understand more, so that we may fear less.«
— Marie Curie

Die eine Seite hat er auf jeden Fall aufgerüttelt, denn #Heveling ist auf Twitter ein Deutschland‐Trend (also der Shitstorm wie oben schon gennant). Dafür Glückwunsch. Naja und die anderen haben mit dem Internetz ja nichts am Hut.

epikur:
Es ist kein Wunder, dass die Damen und Herren Angst vor dem Einfluss, der Wirkung und der vermeintlichen Macht des Internets haben. Wobei man schon etwas konkreter werden sollte, denn ich vermute die eigene Homepage von Herrn Heveling oder auch Konzern‐ bzw. Firmenseiten (wie. z.B. facebook) sind nicht sein Problem. Aber Wikileaks, die Plagiatsaufdecker (sog. »Plagiatsjäger«), die Guttenberg zu Fall gebracht haben und auch regierungskritische Blogs dürften eher in seinem Raster sein, auch wenn dies natürlich nie öffentlich gesagt werden wird. In der Öffentlichkeit geht es immer nur um die bösen Terror‐ und Kinderporno‐Seiten.

Dennoch sollte man die Kirche im Dorf lassen. Die Revolutionen im arabischen Raum (Ägypten, Tunesien usw.) haben letztlich die Menschen auf den Straßen und nicht die Schreibtischhengste entschieden. Das sollte man auch nicht vergessen.

6 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Anachronist im digitalen Zeitalter?

  1. Spannend. Der Kämpfer für Recht und Ordn.. äh Freiheit, erklärt neuen Ideen der Freiheit den Krieg. Ziemlicher Stumpfsinn (und auch ziemlich widersprüchlich), was der Mann so ablässt, — und vor allen Dingen, — pures Polaritätsdenken eines Konservativen, der anderen ein Feindbild vorwirft, welches er selber hat. Aber das ist ein Problem von allen Seiten. Die heilige Kuh, — Internet, heißt schlicht und einfach Markt. Schon von den reinen Dimensionen und Verhältnismäßigkeiten her. Wer hier was, — wem, zu schaufelt, erstickt von allen Seiten in Unehrlichkeiten und heiligen Bildern.

    Ein kleines Beispiel. Die Revolutionen im arabischen Raum, — haben natürlich letztendlich die Menschen auf den Straßen entschieden. Aber ohne diese Kommunikation untereinander auf Facebook, — wäre dies niemals möglich gewesen. Ganz schwieriges Thema, — nicht wahr? Der große hässliche Marktführer, benutzt als Kommunikationsplattform für Freiheitskämpfe. Der gleiche, — der andernorts so ziemlich jedes Bit von jedem einzelnen für den eigenen Profit missbraucht. Der Gleiche, auf dem mittlerweile sogar richtig‐gehende Werbekriege mit den übelsten Mitteln für unterschiedlichste Interessen abgewickelt werden. Der gute Heveling, — ist nicht mal ansatzweise ernst zu nehmen.

    Letztendlich, ist die Geschichte lediglich ein Spiegel. Und Herr Heveling, hat Angst in den Spiegel zu sehen. Und die Leute im Spiegel, haben Angst nach draußen zu sehen. Die Feigheit der Ideologen. Pawlowsche Hunde in analoger, — und digitaler Form.

  2. Eine freie Meinung und dann noch öffentlich ins Netz stellen? Alles Sytemgegner und Verrückte ;)

    Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein.” (Albert Einstein)

    Leider mehren sich die schwarzen unter der Familie in den Augen von Heveling...... tztz

  3. Das Establishment sieht seine Pfründe bedroht, da werden die Töne dann schon mal schriller.
    Der CDU‐Irre (übrigens ein lebender Beweis dafür, dass auch Tolkien‐Lektüre im Übermaß nicht gesund ist) versteigt sich zu der abenteuerlichen These, geistiges Eigentum sei eine Erfindung der Französischen Revolution. Konnte man ja damals nicht ahnen, dass es irgendwann dieses Internet geben würde, in dem jeder einfach so seine Meinung nicht nur äußern, sondern auch noch veröffentlichen kann — so war das aber nicht gemeint mit der freien Meinungsäußerung.
    Wie sagte Gorbatschow vor gut 20 Jahren im ehemaligen Ost‐Berlin sinngemäß? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben...

  4. Dann bitte auch das Telefon verbieten.

    Und Big Brother, rote Knöpfe...

  5. @EB

    Es gibt eben das gute und das böse Internet...übrigens, Du befindest Dich auf einer eher böse bewerteten Seite, deine IP wird von Heveling gerade gecheckt ;)

  6. @epikur
    Meine IP ist eine ständig wechselnde Dienstleistung meines Providers. Ich bezweifele, ob er da überhaupt weiter rein gestiegen ist. Aber ich unterhalte mich mit dem Mann gerne über die französische Revolution. Mal sehen, — was er wirklich drauf hat. Ich befürchte, — da ist genauso wenig, — wie in Sachen Internet. Und ehrlich, — wenn ich mich so mit manchen Piraten unterhalte, — sieht’s da auch nicht besser aus. Wie du sagst. Es gibt das böse und das gute Internet. Beide sind aber die Minderzahl. Der Rest, — ist eine irre Show.

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