Bilder in Fernsehnachrichten

Die Themen in den Fernsehnachrichten werden primär durch Bilder vermittelt. Sie verleihen eine scheinbare Authentizität und machen den Zuschauer so zum vermeintlichen  Augenzeugen. Da man sich gegen Bilder argumentativ schwer wehren kann und sie sich selbst rechtfertigen sollen, wird häufig ein kritischer Bezug zu dem berichteten Thema schwer gemacht. Denn ein Bild hat eine höhere Glaubwürdigkeit bei den Zuschauern als die gesprochene Sprache.

Es gibt unzählige Beispiele, welche Macht und Wirkung Fernsehbilder auf den Zuschauer haben können. Die überragend große Spendenbereitschaft der Deutschen, für die Opfer der Tsunami — Flut Katastrophe in Thailand im Jahre 2004, infolge der großen Bebilderung im Fernsehen, ist nur ein Beispiel dafür. Zudem ist der gesprochene Text, bei den Fernsehnachrichten, meist zweitrangig oder nur bildbegleitend. Trotzdem können auch Bilder lügen. Bilder können absichtlich betont, herausgeschnitten, inszeniert, beleuchtet, konstruiert oder einfach weggelassen werden. Inwieweit man diesen Vorgang als Bild‐ oder Darstellungsmanipulation bezeichnen kann, sei mal dahingestellt. Festzuhalten ist vor allem, das ein Bild, welches in den Fernsehnachrichten gezeigt wird, weder unantastbar noch zwingend wahr sein muss. Bilder aus Fernsehnachrichten sprechen in erster Linie den Voyeur in uns an und bevorzugen einen affektiv — emotionalen Bezug zu dem gezeigten Ereignis. Zudem gibt es die Gefahr des Erinnerungsverlustes, da ein Bild sofort von einem nächsten Bild bzw. ein Bericht sofort von einem nächsten Bericht abgelöst wird. So wie ein Bild jedoch mehr als tausend Worte sagen kann, so können tausend Bilder womöglich überhaupt nichts mehr sagen.

9 Gedanken zu “Bilder in Fernsehnachrichten

  1. Richtig erkannt.
    Deshalb werden auch bei Demos in Russland,China,u.s.w. prügelnde
    Polizisten gezeigt und in Deutschland b.z.w. der EU prügelnde Demonstranten.

  2. Hallo,

    auch auf die Gefahr — wieder einmal — ins Fettnäpfchen zu stampfen, deine gute Beschreibung ist seit Marshall McLuhans « Das Medium ist die Botschaft« ein uralter Hut.

    Schon damals wurde die Manipulation mit Bildern vorausgesehen, die auch dt. Autoren wie z.B. Manfred Spitzer im Buch »Vorsicht Bildschirm!: Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft« in späteren Jahren auch noch sehr gut beschrieben haben.

    Das einzig Neue daran heutzutage, die Manipulation ist dank »moderner Medien« — Internet, Handy etc. — heute viel gewaltiger als McLuhan & Spitzer dies je voraussehen konnten.

    Übrigens, sogar Computerspielentwickler schrieben bereits vor Jahren Strategie‐Spiele wo folgende Sätze drin vorkamen:

    »Wer die Medien beherrscht, der beherrscht die Gesellschaft«

    Wie das Spiel hieß weiß ich nicht mehr, aber der Sinngehalt des Satzes ist in der Realität unseres 21. Jahrhunderts angekommen.

    Einige wenige — Superreiche und Politiker — beherrschen Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften, und wir, der Rest müssen konsumieren, wenn wir nicht das Glück haben auf wirklich unabhängige — die es leider nur noch vereinzelt gibt — zu stoßen.

    Gruß
    Nachdenkseiten‐Leser

  3. @Nachdenkseiten-Leser
    Da ich versuche auch zu mir selber ehrlich zu sein, muss ich hier mal ein noch
    viel grösseres Fettnäpfchen aufmachen, und eine anscheinend heilige Kuh angreifen.
    Mich erinnert der Artikel leider auch an einen Bericht in der Zeitschrift Natur aus
    den 90igern. ( Das Stern Magazin Natur, — nicht das einigermassen seriöse Journal
    nature ).
    Da gab es einen wissenschaftlichen Bericht im sience mit der Überschrift
    Der Meeressspiegel steigt im Pazifik, und fällt im Atlantik.
    Bei dem Artikel ging es um Bewegungen von Wassermassen bezüglich Erdrotation
    und Mondgravitation.
    Tags darauf war im Natur ein Riesenartikel zu lesen:
    Der Meeresspiegel steigt !
    Darauf folgte eine wahre Bilderflut von überschwemmten Gebieten, — wie z.B.
    den gesamten Niederlanden, Küstenbereichen Norddeutschlands, verküppelte
    Bäume, Wüstenflächen, — kurzum das gesamte Szenario was zu einer richtig guten
    Endzeitstory gehört.
    Fast wäre mir die kleine Quellenangabe am Ende des Berichtes, welche eindeutig
    auf oben genannten Artikel zeigte entgangen.
    Zwei Tage später kam fast die gesamte Magazinwelt mit ähnlichen Berichten, und
    Bildern auf den Plan, die meisten davon mit einer Quellenangabe auf die Zeitschrift
    Natur.
    Tatsächlich habe ich gerade in den 90igern im Zeichen des Club of Rome Tonnen
    solch manipulierender Berichte gefunden. Die Aufmachung war immer die gleiche.
    Mit Wahnsinnsbildern wurde jedesmal eindeutig von einer realen Einschätzung
    abgelenkt.
    Das Problem ist nur, hier waren keine Superreichen, oder Politiker am Werk,
    sondern sogenannte Wissenschaftsjournalisten.
    Mit heiliger Kuh meine ich übrigens den heutigen Umgang mit der Klimadiskussion.
    Was glaubt ihr wohl welche Leute diese Diskussion mit dem Begriff Klimakatastrophe begonnen haben ?

  4. @antiferengi

    Ich denke nicht, dass dein Fettnäpfchen größer ist, denn soviel ich weiß hat Marshall McLuhan sein Werk »Das Medium ist die Botschaft« bereits 1967 in den USA veröffentlicht — mehr dazu auch bei Wikipedia ;)

    Seither, du beschreibst es völlig richtig hat sich einiges in die negative Richtung entwickelt, viel schlimmer als Marshall McLuhan es schon 1967 befürchtet hat.

    Was die »Wissenschaftsjournalisten« angeht — Wo ist das Problem?

    Ich denke nicht, dass die Journalisten — weder damals noch heute — zur Mittelschicht gehört haben, die waren schon immer, zumindest die erfolgreichen, die du hier beschreibst, sogenannte »Besserverdiener«, zwar keine Superreichen, aber Schreiberlinge in deren Diensten — wie ich befürchte auch in den Diensten der damaligen PolitikerInnen ;)

    Was die »Klimakatastrophe« angeht, da sehe ich die Sache eher grau — Ich denke, die Pessimisten haben ebenso richtige Erkenntnisse wie die Optimisten. Deren Problem? Das unserer Mainstream‐Journalisten? Die verbreiten überwiegend die schwarz‐weiß Sicht — nicht die Grausicht.

    Mir wurde 1985 als Schüler beigebracht, dass wenn das Waldsterben so weitergeht wir im Jahr 2000 in Deutschland eine Steppenlandschaft haben — Seltsam ist nur, dass wir immer noch einen Rheinwald — völlig intakt — vor der Tür haben, und auch im Rest Deutschlands keine Steppe ist.

    Ich denke das Problem sind nicht nur »Wissenschaftsjournalisten« sondern auch das völlig kritiklose Verbreiten — schon damals — als Lehrstoff in Schulen.

    Hirn? Selber denken? Fehlanzeige — Schon damals im Schulwesen.

    Besser geworden?

    Also wenn ich da dran denke was meine Neffen und Nichten so heute alles beigebracht bekommen was vorher via Journalisten in deren Hirne gehämmert wurde Fehlanzeige.

    Dennoch, ich seh mich als lebendes Beispiel dafür, dass die Propaganda nicht bei jedem ankommt — ich hab die Mär vom Waldsterben schon damals mehr bunt gesehen als schwarz‐weiß, was sich aber, zum Glück, nicht auf meine Schulnoten ausgewirkt hat — ich hatte im betreffenden Fach immer erstklassige Noten ;)

    Gruß
    Nachdenkseiten‐Leser

  5. Hmm, also ich wollte auf gar keinen Fall dein Kritikbewusstsein in Frage stellen.
    Damit siehts bestimmt hervorragend aus.
    Aber ich denke der Sinn des Artikels hier hat ja auch den Hintergrund auf etwas
    aufmerksam zu machen.
    Wenn jetzt aber die Kritikbewussten sagen, — wo ist das Problem, meins jedenfalls
    nicht ?
    Ich meine man will ja auch den einen, oder anderen mitnehmen und auf etwas
    aufmerksam machen.
    Damit meine ich Leute welche dieses Kritikbewusstsein viellleicht nicht haben.
    Ich habe den Sinn des Zeitgeistartikels jedenfalls so verstanden, das auch ein
    Bestreben vorhanden ist solche Leute zum Nachdenken zu bewegen.
    Eine Aussage, dass es schon immer so war, und nichts neues ist, ist ja eigentlich
    die Motivation dafür es zu ändern.

  6. »[...]Ich habe den Sinn des Zeitgeistartikels jedenfalls so verstanden, das auch ein
    Bestreben vorhanden ist solche Leute zum Nachdenken zu bewegen.
    Eine Aussage, dass es schon immer so war, und nichts neues ist, ist ja eigentlich
    die Motivation dafür es zu ändern.[...]«

    Danke für den Hinweis — sehe ich eigentlich ganz genauso, d.h. sorry für das Mißverständnis, wir sehen es beide ähnlich — und sind in ähnliche Fettnäpfchen getrampelt ;)

    Gruß
    Nachdenkseiten‐Leser

    PS: Was meine Kritikfähigkeit angeht, danke für’s Kompliment, da sehe ich es genauso wie du — ich lass mir einfach schon seit meiner Schulzeit nix mehr vormachen....und lese — schon als Freidenker — immer gerne zwischen den Zeilen.

    Wäre übrigens auch einmal eine Thematik, denn die Freidenkerei war ja auch der Beginn der Großen Französischen Revolution 1789, d.h. gäbe es mehr Menschen wie uns, dann hätten überzeugte marktreligiöse Neoliberale noch schlechtere Karten als eh schon, trotz vermeintlich medialer Machtverhältnisse.

    Ich denke manchmal z.B. Voltaire stand zuerst mit seiner kritischen Denke — in punkto Religion — auch allein auf weiter Flur, bis immer mehr Anhänger die Religion kritisiert haben, und dadurch auch über andere gesellschaftlich relevante Punkte nachgedacht haben, was die Ungerechtigkeiten unter Ludwig XVI angeht, und so kam dann fast zwangsläufig die Große Französische Revolution 1789.

    Was Ähnliches stelle ich mir heute auch vor — es braucht ja nicht gleich eine Revolution wie anno 1789 zu sein, aber ich denke einmal der Punkt kommt nicht aus unserem Deutschland, wenn die neue Revolte — oder was auch immer — kommt, dann bin ich mir fast sicher, dass es wieder ein anderes europ. Land sein wird — Oder hat Island bereits den Anfang gemacht, trotz medialer Verdummung — oder gerade deswegen?

  7. Ich hoffe, es lesen noch ein paar Menschen, für die das ganze nicht unbedingt ein alter Hut ist. Und wenn doch, dass sie sich wenigstens noch einmal daran erinnern, welch Wirkung und Zweck Bilder in TV‐News wirklich haben ;)

  8. @epikur

    Stimmt auch wieder, trotz »oller Kamellen« ;)

    Die mediale Volksverdummung entwickelt sich ja auch weiter im 21. Jahrhundert, und da ist es nur gut, epikur, wenn man immer wieder darauf hinweist — auch auf moderne Möglichkeiten der Volksvera.... ;)

    Gruß
    Nachdenkseiten‐Leser

  9. @ Nachdenkseiten‐Leser

    Ich will dir nicht ans Bein treten, aber ist dir bekannt, dass weder du noch ich noch irgendwelche Journalisten zur Mittelschicht gehören?

    In den Sozialwissenschaften hat eine Veränderung des Begriffs »Mittelschicht« stattgefunden.
    Heute ist so ziemlich jeder »Mittelschicht«, der lesen und schreiben kann und (oder) ein Einkommen hat bis hin zu denjenigen, die in den Landesparlamenten und auch im Bundesparlament sitzen.
    Früher war die Mittelschicht diejenige, die es sich mindestens leisten konnte, ihre Kinder auf Privatschulen und Internate zu schicken, die Hausangestellte (Plural) hatten, die in der Politik ab höherem Lokalniveau mitgemischt haben und die in der eigenen Firma mindestens 500 Angestellte hatten.

    Wie gesagt, die Definition des Begriffs hat sich verändert. Scheinbar sind fast alle heute Mittelschicht, was einem anzeigen soll, dass gesellschaftliche Gleichheit verwirklicht sei.
    Tatsächlich ist diese Definition von Mittelschicht aber schlicht nutzlos, denn aus sozialem Blickwinkel haben Straßenkehrer, Putzfrauen und Bundestagsabgeordnete wenig gemeinsam. Trotzdem glauben Straßenkehrer und Putzfrauen gerne, sie seien »Mittelschicht«, denn schließlich ist es etwas schönes, höher als andere zu stehen, nicht?
    [Letzter Satz sehr zynisch aber ehrlich.]

    Apropos »Manipulation der Bilder«.
    Alter Hut, Werbung funktioniert ja auch gerade deshalb.
    Spricht eher dafür, dass Kunstunterricht und Deutschunterricht besser werden müssen, um solche Manipulationen aufdecken zu können.
    Auch bei Türkei‐Marko war ja schön auf Bildern zu sehen, wie sehr der arme, kahlgeschorene, heruntergehungerte kleine Junge von schlappen 17 Jahren und immerhin alt genug, Sex mit einer 13jährigen zu versuchen, im phösen phösen Türkei‐Knast in U‐Haft gelitten hat.
    Damals haben Kommentatoren dann gegen die Türkei und deren angebliches 3.-Welt-Rechtssystem gehetzt.
    Wären die Töchter aber eben dieser Kommentatoren betroffen gewesen, hätte die Hetze wohl genau andersherum ausgesehen.

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