
»Ne Firma ist wie ne Ehefrau, die fickt dich wenn du gar nicht mehr damit rechnest.« (Bernd Stromberg)
»Seit 2004 sind Arbeitgeber verpflichtet, länger erkrankten Beschäftigten ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (kurz: BEM) anzubieten.«
Die Sprache ist und war schon immer verräterisch. Zwischen Bullshit-Bingo, Euphemismen, Marketing-Geblubber und verbrannten Begriffen (wie beispielsweise »Nachhaltigkeit«), tropft immer die eigene Weltanschauung hindurch, sowie die Werte, Normen und Narrative, die man den Leuten ins Gehirn impfen will. So auch beim »Betrieblichen Eingliederungsmanagement« (BEM). Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) betont, dass es darum gehe, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden. Die Lohnarbeitsdrohne habe eben unablässig zu funktionieren! Außerdem: »Für den Arbeitgeber rechnet es sich, weil es die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten fördert, Fehlzeiten verringert und damit Personalkosten senkt.«
Die Vokabel »Betriebliches Eingliederungsmanagement« verdeutlicht zwei Dinge. Zum Einen zeigt sie auf, dass nur wer lohnarbeite dazu gehöre, er »eingegliedert« sei. Warum Teilhabe an der Gesellschaft primär und immer Lohnarbeit bedeute, war mir schon immer suspekt. Es beweist, welcher Lohn-Arbeitsfetisch in Deutschland vorherrscht. Außerdem definiert der Begriff die Ware Arbeitskraft, die Haltung zum Lohnarbeiter als Ressource, Humankapital und Objekt. Den Menschen aber vor allem auf seine Funktion als Lohnarbeiter zu reduzieren, ist zutiefst menschenverachtend. Heute aber scheinbar allgemeiner Konsens.
Entgegen sämtlicher Job-Coacher behaupte ich, dass viele Personaler und Chefs unsichere, nervöse und eher schüchterne Bewerber bevorzugen. Sicher, sie müssen schon das Gefühl und den Eindruck haben (wissen können sie es zu diesem Zeitpunkt meist noch nicht), dass der Kandidat die Aufgaben lösen und die entsprechenden Kompetenzen für den Job vorweisen kann. Aber wie oft habe ich es erlebt (und auch von Freunden, Kollegen und Verwandten erzählt bekommen), dass wenn man im Bewerbungsgespräch zu locker, unaufgeregt und selbstbewusst war (einfach weil der Ablauf samt Fragen immer und immer gleich abläuft), man weniger Vitamin S (Sympathie) erhält. Ganz im Gegenteil habe ich es sogar öfters wahrgenommen, dass man im Gespräch irgendwann meinen Blicken ausgewichen ist und nervös mit dem Kugelschreiber gespielt hatte.




In vielen Unternehmen und in der Medienlandschaft gibt es ein vorwiegend negatives Bild von Praktikanten: »Das Werbeplakat sieht ja mies aus. Das war bestimmt der Praktikant!« Oder: »Hat man da wieder den Praktikanten rangelassen?« Sie würden zusätzliche Arbeit verursachen und keine Ahnung haben. Dabei muss jede neue Arbeitskraft in die lokalen Rahmenbedingungen, Strukturen, Absprachen, persönlichen Befindlichkeiten und Mentalitäten eingearbeitet werden. Ganz zu schweigen von technischen Methoden. Vor- und Fachwissen kann zwar helfen, die Einarbeitungszeit zu verkürzen, aber ganz ohne wird es nie gehen. Denn ein wesentlicher Bestandteil jedes Unternehmens sind die Mitarbeiter. Und die muss man immer wieder neu kennen- und mit ihnen umgehen lernen.
Du siehst überall nur Lügen, Korruption, Verlogenheit, Profitgier, Heuchelei und Doppelmoral? Selbst schuld! Sei doch einfach mal positiver eingestellt! Du musst nicht immer alles so