Täuschungsträger

»Nicht unsere wirklichen Leistungsträger werden angeblich am besten bezahlt, sondern diejenigen, welche am besten bezahlt werden, sind angeblich unsere Leistungsträger.«

- Peter Finke, die süße Täuschung der Oberflächlichkeit, Blätter-Ausgabe 1/2010, Seite 40

Anmerkung: Da haben wir es wieder: Geld adelt. Völlig egal, welche Tätigkeit zu welchem Zweck, zu wessen Nutzen und zu wessen Schaden ausgeübt wird: Wer viel Profit macht oder groß geerbt hat, ist Leistungsträger. Nach dieser Logik müssten ja Kriminelle, die viel auf der Tasche haben, viel Schotter gemacht haben, auch Leistungsträger sein, oder? Ist es vielleicht sogar so, dass viele dieser vermeintlichen Leistungsträger sogar selbst Verbrecher sind?

Atomisiert

Zerhackt. Zerstückelt. In Einzelteile zerschlagen. Das eigene Leben auf den kleinsten Nenner bringen. Isoliert von der Außenwelt sein. Kalten Schweiß als Kaffee trinken, der nur noch müder macht. Betäubt sein. Benebelt von der eigenen Lüge. Vergrabene Sehnsucht und kein Antrieb. Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse als Rettungsanker im Treibsand. Hassliebe leben im wachen Koma. Gemeinsam einsam sein. Eine  Funktion erfüllen ohne erfüllt zu sein. Sich vom Geld zerfressen lassen. Flüchten ohne verfolgt zu werden. Sich vom Stillstand treiben lassen. Sich aushalten, unterhalten, verhalten ohne Haltung. Essen, und nie satt werden. Trinken und dabei verdursten. Ist das Freiheit?

Anstelle eines Weihnachtsgrußes...

...lässt uns Christine Kruttschnitt im Stern daran teilhaben, wie die wirklich wichtigen Menschen (ihr wisst schon: die Stars!) ihre Weihnachtseinkäufe machen und was sie so verschenken. Wenn nun jemand auf die Idee kommen sollte, dass wäre billigstes Boulevard-Niveau, der täuscht sich gewaltig. Selbst Gala und Bunte können von der lieben Christine noch was lernen. Knallhart recherchiert und brutalstmöglich geschrieben mit einem Hang zum Schwachsinn:

Wir wissen natürlich nicht, ob Pamela Anderson in diesem Jahr schon wieder ein Buch gelesen hat. Oder ob Kate Hudson ihren mittlerweile Sechsjährigen noch einmal in einen Zopfmusterpullover stopfen kann. [...] Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder »gute« Geschenke, die ein Hollywood-Star seinen hundert engsten Freunden machen kann. Patenschaften für Eisbären zum Beispiel. [...] Victoria Beckham ist Stammkundin, das sollte eine Warnung sein für all diejenigen, die 150-Euro-Jeans für eine Lebensinvestition halten.

Bei soviel geistigem Dünnpfiff können die Feiertage ja nur gut werden, oder? ;)

Frohes Fest euch allen!

Die totale Gleichschaltung

Ich glaube, es wird wieder einmal Zeit, die mediale Gleichschaltung zu thematisieren. Dieser Tage soll im Iran eine Trauerfeier des kritischen Geistlichen Großayatollah Hussein Ali Montaseriim stattfinden. Interessant ist die völlig gleiche Wortwahl, die sich durch viele Artikel unserer Leitmedien zu dem Thema ziehen. Wird nur noch abgeschrieben?

Spiegelonline: »Auf Websites der Opposition wird von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Süddeutsche: »Auf Websites der Opposition wurde von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

FAZ: »Auf Websites der Opposition wird von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Bild.de: »Auf Websites der Opposition wird von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.

Handelsblatt: »Auf Websites der Opposition wurde von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Berliner Zeitung: »Auf Websites der Opposition wurde von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Was ist eine Pressefreiheit wert, wenn alle das Gleiche schreiben?

Ein Appell an den Dieb

»Unbekannte haben am Eingangstor zum früheren KZ Auschwitz das Schild mit der Aufschrift »Arbeit macht frei« gestohlen. Zahlreiche Polizisten sind auf der Suche nach den Tätern. Von ihnen fehlt jede Spur.«

-Meldung von SpiegelOnline vom 18. Dezember 2009

Das ist doch eindeutig wer das war! Ein Anhänger der FDP! Schließlich sind bei dieser menschenfreundlichen Partei, die stets nur an das schwächste soziale Glied in der Gesellschaft denken, Arbeit und Freiheit die zentralen Begriffe: »Arbeit hat Vorfahrt«, »Arbeit muss sich wieder lohnen« oder »Aufbruch für mehr Arbeit« sind nur wenige Slogans der Freien Demokratischen Partei. Schon der Nachwuchs, die jungen Liberalen gehen mit geistigen Ergüssen dieser Art in die Offensive und schämen sich auch kein Stück dafür. Weiterlesen →

Links VIII

Anatomie der Buchstaben
Hier wurde eine schon sehr umfangreiche Liste über die Begriffe der Mikrotypografie zusammengestellt. Sehr gut für angehende Mediengestalter, die noch vor einer Prüfung stehen.

via DesignTagebuch

Clients From Hell
Hier findet man Zitate von Kunden, anonym von Designern eingereicht, wo man einfach nur den Kopf auf den Tisch fallen lassen will. Weiterlesen →

Neusprech: Personenschaden/Antipersonenminen

»Liebe Fahrgäste. Wegen eines Personenschadens verzögert sich die Weiterfahrt. Bitte haben Sie etwas Geduld.«

- Ansage der Deutschen Bahn

Als »Personenschäden« werden getötete oder verletzte Menschen bezeichnet. Ob im Verkehr, auf dem Arbeitsplatz oder bei Bahn-Suiziden — der Begriff klammert den Menschen aus und macht ihn zu einer Sache. Ähnlich verhält es sich bei dem Terminus der »Antipersonenminen«. Menschen, die von Minen verkrüppelt, entstellt oder getötet werden, sind semantisch »Antipersonen«. Beide Begriffe verschweigen sprachlich den Bezug zum Menschen und versuchen rein funktionell zu wirken. Schließlich soll eine normative oder gar moralisch-negative Assoziation vermieden werden. Weiterlesen →

Die sexualisierte Gesellschaft

Sex als gesellschaftliches Credo und als subtiles Herrschaftsinstrument. Aldous Huxley schrieb in seinem berühmten Buch »die Schöne Neue Welt«, dass die sexuelle Freiheit dazu beitragen würde, die Bevölkerung mit ihrem Sklaven-Dasein auszusöhnen. Bringt eine sexuell überreizte Gesellschaft nachhaltige Probleme mit sich?

»In der sexualisierten Gesellschaft reduzieren sich Menschen gegenseitig als Objekte der Begierde bzw. als Objekte der eigenen Bedürfnisbefriedigung. Der andere hat vor allem die eigenen Wünsche und Erwartungen zu erfüllen.«

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