Presseblick (93)

Flavio von Witzleben war mal gelegentlich bei Manova und Apolut zu sehen. Nun geht sein YouTube-Kanal durch die Decke. Und Warum? Weil er Journalismus der alten Schule macht. Er reist vor Ort (Sankt Petersburg / Thomas Röper) und er bringt Menschen an einen Tisch, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Er wertet nicht. Er framt nicht. Er diffamiert nicht. Er stellt kritische Fragen, bleibt aber immer fair. Er überlässt das Denken und die Wertung seinen Zuschauern. Das ist Diskurs. Das ist Vielfalt. Das ist Demokratie. Die Altmedien haben das ‑vor lauter Aktivismus gegen Rechts- vollkommen vergessen.


Medien
Die Mainstream-Medien haben am Verleger der Berliner Zeitung, Holger Friedrichs, einen Narren gefressen. Immer wieder erscheinen Schmähartikel über ihn. Zuletzt in der TAZ mit dem Titel »Der Systemsprenger.« Im Artikel heißt es dann:

»So stellt Holger Friedrich sich gerne dar: als Verleger, der für die Meinungsfreiheit einstehe, der mit allen rede

Ja, schon klar, liebe TAZ, Spiegel, Zeit, ARD und Tagesspiegel — genau das wollt Ihr nicht mehr. Ihr wollt ja den »Bösen« keine Plattform geben. Also redet Ihr nur noch mit Leuten, die eure Meinung und Haltung teilen und nennt das auch noch »Journalismus«. Weiter heißt es dann:

»Friedrichs Kritiker [...} sehen in ihm aber vor allem einen populistischen und russlandnahen Verleger

Gähn. Immer die gleiche Leier. Hier spricht der Neid und die Feigheit, mal selbst wieder echten Journalismus zu betreiben. Regierungskritisch zu sein. Nein, den Mut habt Ihr alle nicht mehr.

Wie das so geht, mit der Feigheit, zeigt leider auch Harald Neuber von Telepolis. Erst wurde das Archiv monatelang gesperrt, nun will man »einordnen« und »Kontaktschuld« vermeiden. Sissis, wohin man schaut.


Migration
Der Vorschlag von Bildungsministerin Prien (CDU), zu einer 40-Prozent-Migranten-Obergrenze an Schulen, wurde erwartungsgemäß von allen kritisiert. Linke, SPD, Grüne haben den Vorschlag verurteilt, weil sie ideologisch verblendet sind und vor lauter Angst, die Realität könnte der AfD nützen, alles verdrehen müssen (siehe Bild unten). Rechte, CDU, CSU finden den Vorschlag blöd, weil sie gerne weiterhin ihre Kinder (vor allem Töchter) auf wohlbehütete Schulen schicken wollen. Da wären wohl selbst 40-Prozent-Migrationsanteil zu viel.

Dabei war der Vorschlag von Frau Prien sachlich und an den tatsächlichen Bedarfen vom pädagogischen Personal sowie an den Kindern orientiert. Weder kann das dortige Personal entsprechende familiäre und/oder kulturelle Differenzen auffangen, noch den Kindern gerecht werden, wenn man einen Anteil von über 80 Prozent Migranten hat. Und die Schulen, die kaum und/oder sehr wenige, vor allem türkische und arabische Migrantenkinder haben, dürfen gerne auch mal an der Integrationsaufgabe teilnehmen!

Plakat im Freibad in Büren.


Krieg
Die NZZ fragt, fast schon naiv, was kolumbianische Söldner in den Ukraine-Krieg treibt? Natürlich der Kampf um Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit. Was sonst? Es geht hier nicht darum, dass die Ärmsten der Armen dieser Welt, mit Geld gelockt werden, um die Interessen von Oligarchen und Superreichen (BlackRock hat schon die halbe Ukraine gekauft), mit ihrem Leben »verteidigen« sollen. Denn das wäre Schwurbel und Verschwörungserzählung.

Bei der Tagesschau menschelt es derweil in völliger Kriegsbesoffenheit: »Erste Familien leben bereits an der NATO-Ostflanke [...] Anders als in seinen vorherigen Einsätzen konnte die Familie dieses Mal mitkommen. Mit Hund und Katze lebt sie nun in einem Einfamilienhaus.« Sie sprechen bereits von der »NATO-Ostflanke«. Das ist die Sprache des Krieges.

Der Spiegel wünscht sich schon gar keine Abwendung eines großen Krieges mehr oder gar Verhandlungen, Diplomatie oder Friedensinitiativen. Nein, stattdessen:

»Für die allermeisten Menschen ist Auswandern keine Option, zum Glück. Deutschland muss widerstandsfähig werden, militärisch und psychologisch. Mit einer Gesellschaft, die resilient ist gegenüber der Angst vor einem Krieg

Das ist wirklich harter Tobak. Die Militarisierung und Wehrkraft der Bevölkerung soll gefördert werden. Kein Humanismus. Keine Demokratie. Keine Menschenrechte. Nochmal für alle Sofa-Generäle und Hobby-Bellizisten: Krieg heißt millionenfacher Tod. Unendliches Elend. Verstümmelung. Vergewaltigungen. Plünderungen. Zerstörungen ganzer Landstriche. Ich fordere weiterhin: alle Journalisten und Sofa-Generäle, die für »Kriegstüchtigkeit« trommeln, beim nächsten Krieg sofort an die Front zu schicken.

Plakat der Bundeswehr.


Bildung
Auch das sind Fakten und Wahrheiten, die Niemand hören will: »Berliner Lehrer machen mehr als zwei Millionen unbezahlte Überstunden pro Jahr.« Mecker-und-Anspruchs-Eltern sowie Klugscheißer, mit den tollsten Pädagogik-Konzepten empfehle ich, einen Tag an einer Schule und in einer Klasse zu hospitieren. Was die pädagogischen Fachkräfte (Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter etc.) mittlerweile alles leisten sollen — ist nur noch utopisch. Und das bei Kindern und Eltern, die immer schwieriger werden. Von den »Willkommensklassen« fange ich gar nicht erst an.

Dazu passt dann auch: »Immer mehr Kinder müssen die erste Klasse wiederholen.« Logisch. Wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr erziehen, sich keine Zeit nehmen, mit ihnen auch mal ein Buch zu lesen oder ein Brettspiel zu spielen, weil alle nur noch digital versumpfen — ja, dann werden Kinder eingeschult, die weder ihren Namen schreiben, noch die Zahlen von 1–10 können.

Aber die pädagogischen Fachkräfte sollen dann wieder die großen Magier sein und die Kleinen zu Hochbegabten machen. Wenn das nicht passiert, sind natürlich die pädagogischen Fachkräfte und die Schule daran schuld.


Presseblick
Ziegenjournalismus

14 Gedanken zu “Presseblick (93)

  1. So eilen sie mit langen Schritten voran in ihrer Transformation zum Neuen Deutschen Stürmer*.

    *Als Abkürzung mit den Nachdenkseiten zu verwechseln, sehr praktisch.

  2. zu Meiden:
    Zu Causa Holger Friedrich und der scheinheiligen Kritik von taz und Neuberpolis an ihm hab ich schon einen eigenen Artikel verfasst.

    zu Bildung:
    Es kann auch zu viel Erziehung sein. Von Helikoptereltern, die ihr Kind in Watte packen und auf die Kita-Uni schicken. Es soll aus der Brut ja mal was werden und im neoliberalen Windhundrennen um die letzten halbwegs gut bezahlten Jobs eine Chance haben.
    Zur Frage: Erziehung? oder nicht doch besser Begleitung? empfehle ich den //Podcast »Wer bin ich? Früh verletzt und spät verstanden«// (für lange Autofahrten o.ä.)

    zu Flavio von Witzleben:
    die Videos hab ich mir noch nicht angehört und ich tue mich mit politischen Videos auch etwa schwer weil schlecht zitier- und damit kritisierbar:

    verba volant, scripta manent

    Aber zur AfD hat im Grunde //Schwerdtfeger beta// im aktuellen Artikel »Verschwörungsteorie (oder ‑praxis) des tages« (Donnerstag, Juli 17, 2025 15:39) alles gesagt:

    Und nein, das wird mit der AFD nicht anders.
    ...
    Von diesem riesigen, verbrecherischen geldgrabsch ein teil zu werden, tritt die AFD an. Zu sonst nix.

    (Direktlinks im Zitatelink)

  3. @orinoco

    Ich fand das Gespräch zwischen Ulrike Guerot und Bernd Höcke nocht nicht einmal groß interessant. Viele Buzzwords und wohlkligende Sätze auf beiden Seiten. Aber darum geht es gar nicht. Sondern das sie zu Wort kommen, gemeinsam sprechen »dürfen«, dass der Moderator nicht framt, wertet, ständig unterbricht oder »einordnet«. Ein ganz normales Gespräch zwischen zwei politischen Kontrahenten. Das war vor 20 Jahren noch völlig normal in Deutschland im ÖRR. Heute ist das schon »demokratiegefährdend« und »rechts«.

    Das ist das Problem.

    Und dennoch lese ich weiterhin die Berliner Zeitung und kann sie jedem empfehlen. ;-)

  4. Es wächst zusammen, was zusammen gehört:

    »Hoch angesehene Staatsrechtslehrerin“: Ex-Ethikratschefin Buyx solidarisiert sich mit Brosius-Gersdorf«

    Ausgrenzung und Diskriminierung von Millionen von Menschen, die sich nicht fügen (aka »impfen«) lassen wollen, anti-demokratische Maßnahmen (Parteiverbot, Zensur etc.) im »Kampf gegen rechts« — alles okay für diese Damen.

    Ich verwehre mich dagegen, dass das »links« sein soll. Ist es nicht.

  5. @epikur

    »Ausgrenzung und Diskriminierung von Millionen ...«, sicher, die kritische Aufarbeitung ist schon allein für die Behandlung zukünftige Epidemien unverzichtbar und sollte daher jenseits aller politischen Schattierungen von allgemeinen Interesse sein.

    Aber unter »links« verstehe ich das Bewusstsein über eine andere Grundfrage und die drückt sich mit der Systemfrage aus! Und das haben viele der sich links vermeinenden leider längst aus dem Auge verloren und basteln mit an/in einem System, was es letztlich zu überwinden gilt.

    Und weil das so ist: »Die Militarisierung und Wehrkraft der Bevölkerung soll gefördert werden. Kein Humanismus. Keine Demokratie. Keine Menschenrechte.«

  6. @epikur

    vom äußeren her könnten diese damen auch leibliche schwestern sein.
    beide teilen die typisch-kalten züge (insbes. um die augen) und den habitus der gewohnheitsmäßigen regime-protagonist:innen.

    die geisteshaltung sowieso.

    jo, das ist ad hominem.
    aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass sich die durchdringung mit vorauseilender konformität und seelenloser neoliberalität ‑deutlicher: mit kapfa*** ideologie- in der physiognomie solcher gestalten niederschlagen.

    es gibt zahlreiche beispiele, die das zu bestätigen scheinen, egal, ob männlich, weiblich oder was auch immer.

  7. Echten Journalismus wird man per se nie finden. Immer ist etwas ideologisch angestrichen, aber reden wir ja heute nicht um die absolute Neutralität, sondern der Duldung wie der Gewährung anderer Sichtweisen. Und darin ist die Berliner Zeitung wenigstens noch annähernd Vorbild, wenn auch augenscheinlich ebenso eigenparteiisch. Fast alle anderen sehen nur ihren sehr lange gehegten/ausgelebten Hoheitsstatus bedroht (vor allem alle, die sich als »links« sehen), läuft heute bei diesem Machtverlust alles nach dem Motto »getroffener Hund bellt«. Lasst sie nur bellen. Auch wenn sie eher vor Verzweiflung winseln.

  8. Der Niedergang der staatlichen Erziehung ist ein Phänomen, das in allen sogenannten westlichen Staaten katastrophale Ausmaße angenommen hat. Resourcenkürzungen, Inhalte werden mehr und mehr durch nicht staatliche Stellen vorgegeben, die nicht an kritischen selbst denkenden Menschen interessiert sind, sondern an angepassten funktionierenden Untergebenen, die glauben frei und selbstbestimmt zu sein, dies aber nicht sind.. Dieses System produziert bewusst Schulversager, irgendwoher muss das Kannonenfutter ja kommen.

  9. Irgendwie gelingt es allen kommerziellen¹ Meiden, egal ob Mainstream, alternativer Mainstream oder ganz alternativ, den Abstand zwischen selbstgewähltem Anspruch und Wirklichkeit gleich groß zu halten. Je mehr ein Medium angeblich »ausgewogener«, »kritischer«, »lesernäher«, »meinungsvielfältiger« und »open source« berichtet um so mehr schlagen sie sich damit auf die Brust.Ich vermute dieser Abstand ist die Profitmarge. Man kann es aber auch als Heuchelei bezeichnen.

    ¹ egal ob durch Werbung, Abos, Spenden oder Buchverkäufe finanziert

  10. »Mit einerr Gesellschaft, die Rrresilient ist gegenüberr derr Angst vorr einem [ATOM]-Krieg.«
    Als erstes muss der Niedlichkeitsfaktor weg: knallhart ATOM-Krieg statt nostalgischer (Kabinetts-)Krieg nach Altväter-Art mit behäbigem Leichen-Zählen. Und immer schön das Rrr rollen, so kommt Bomben-Stimmung auf...

  11. Nachtrag:

    Noch so ein richtig gutes, kontroverses Gespräch zwischen Kayvan Soufi-Siavash & Tahir Chaudhry mit der Frage, ob die »AfD wirklich eine Alternative« ist?

    (Ist sie in meinen Augen nicht. Auch sie wird, sobald sie an der Macht ist, alle ihre Wähler enttäuschen. Die Strukturen und die Mechanismen der Macht sind stets gleich. Big Tech. Big Pharma. Big Money.)

    Rund 2,5 Stunden lang. Ich bin noch nicht durch. Aber ich bin bisher sehr begeistert vom Niveau und den Argumenten. Das gibt es nicht mehr im ÖRR oder in den Mainstream-Medien. Da herrscht nur noch infantile Hypermoralisierung.

    Wer Zeit und Lust hat: hört mal rein!

  12. Der Kaivan redet sich in diesem Interview m.E.um Kopf und Kragen.
    Selten so einen Schwachsinn als Begründung für die Wahl der Afd gehört.

  13. @PV

    Allerdings. Ich meinte auch eher Tahir Chaudry. Das Ken so abdriftet, ist schade. Er hat viel für die Alternativmedien in Deutschland getan. Seine alten Interviews sind noch im Web zu finden.

  14. Ich fand die Metapher vom »blauen Wunder« sehr passend. Dass er sich so um die ambivalente Bedeutung herumgedrückt hat ... naja ... und dass Deutschland erst so richtig gegen die Wand gefahren werden muss, ist irgendwie auch richtig. Es geht »uns« bzw. 23 der Bevölkerung immer noch zu gut. Die Frage ist nur: wie total muss die Niederlage eines revolutionsuntauglichen Volkes nach zwei verlorenen Weltkriegen sein, dass sich wirklich was ändert?

    Wir Deutschen seh’n uns selber gern
    als fleißig und genügsam,
    als tapfer vor dem Feinde
    und vor dem Staate fügsam
    — Ulrich Roski, »Wir müssen’s mal beweisen«

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