ZG‐Rückblick: Katar, Dubai, Sotschi

ZG-RückblickFußball‐WM in Katar, Expo in Dubai, Winterspiele in Sotschi. Wenn man dem Kaiser glauben will, ist es unnötig sich Gedanken um die ethische Dimension der WM zu machen. Womöglich sieht das nicht jeder so. Sind die Vergabekriterien für Großereignisse in den letzten Jahren unter »pragmatischeren« Gesichtspunkten definiert worden oder ist die öffentliche Wahrnehmung eine Andere?

todesglupsch:
Ich bin nicht überzeugt, dass die Bedingungen unter denen Infrastrukturprojekte für Großereignisse durchgeführt werden, in anderen Ländern wirklich gut wären, aber es beschleicht einen der Verdacht, dass dies für die Vergabeverantwortlichen auch nicht unbedingt von vorrangiger Relevanz ist für ihre Entscheidung. Andererseits beim Bau der Pyramiden oder der Großen Mauer sind ja auch ein bis zwei Leute umgekommen. Für so ein tolles Prestigeprojekt ist man doch gerne bereit, wirklich alles zu geben und vielleicht wird man postum ja auch zum Mitarbeiter des Monats gekürt. Mit der richtigen Einstellung passt das schon, der Kaiser machts vor. In diesem Sinne: Frohes Schaffen.

epikur
Für mich wieder ein Beweis dafür, dass der internationale Sport vor allem ein Riesen‐Geschäft ist. Ob TV‐Übertragungsrechte, Baufirmen, die Stadien errichten, die Hotel‐ und Tourismus‐Branche, die Tausende Gäste bewirten, Werbe‐ und Sponsoring‐Firmen, die Wettindustrie und so weiter. Bei solchen Großveranstaltungen fließen regelmäßig Milliarden Summen. Wen interessiert da schon die Ethik?

Überhaupt werden solche Fragen von Moral, Ethik und Menschenrechten nur noch dann erhoben, wenn man sie als Werkzeug und Waffe zur Durchsetzung der eigenen Interessen verwenden kann. Ansonsten sind sie eher nur hinderlich beim reibungslosen Kasse machen. Aber auch dafür gibt es Lösungen: das Outsourcen von Ausbeutung, prekären Arbeitsbedingungen und/oder Massen‐Erwerbslosigkeit, Armut und Elend. Ob nach Spanien, Griechenland, Bangladesch und eben auch nach Katar. Und was man nicht sieht, existiert auch nicht. Da ist der »Kaiser« leider nicht anders als ein Großteil der deutschen Bevölkerung.

jtheripper
Und was ist mit den Sportlern? Kann denn nicht ein einziges Mal jemand an die Sportler denken? Wie sie mir Leid tun. Und alle versuchen den vorgegebenen PR‐Text mit eigenen Worten wiederzugeben. Ist es denn so abwegig, dass ein Leistungssportler sich für Menschenrechte interessiert und dazu eine eigene Meinung haben kann? Wo sind die starken Charakterköpfe, die auch wenn sie im deutschen Nationaltrikot gekleidet waren unverblümt die dreckige Wahrheit ausgesprochen haben. Dem Athleten wäre es natürlich am liebsten scheiß egal, wo er seine gedopte Leistung abrufen muss, aber er wird leider von jedem Reporter gefragt, was er von den Zuständen in XY hält. Und wenn er dann gekonnt antwortet: »Also ich konzentriere mich nur auf meine Leistung. Die Politik überlasse ick den Verantwortlichen.« Richtig, dann ist der Zuschauer erleichtert, der macht das nämlich auch so.

Ein Gedanke zu “ZG‐Rückblick: Katar, Dubai, Sotschi

  1. Der Sport ist überfordert mit der Lösung der Probleme der Welt , Forderungen nach Boykotten entspringen häufig der nicht minder egoistischen Sportverachtung , die es in Teilen der Linken und Ökologen immer gibt.
    Auch stammen die meisten Funktionäre aus einer Zeit , in der es weit weniger demokratische(?) Staaten gab als heute , da war es deutlich schwieriger , »anständige« Länder zu finden als Austragungsorte.
    Was der Sport und insbesondere die nicht gerade machtlosen Organisationen wie FIFA und IOC aber durchaus leisten können und müssen , ist das Durchsetzen ordentlicher Bedingungen im Umfeld der Errichtung von Sportstätten und Ähnlichem , also bei allem , was mit den Spielen oder der WM selber zu tun hat , es geht nicht und wird auch dem Sport selber auf Dauer schaden , wenn Leute wie Dreck behandelt werden oder gar umkommen .

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