In den USA gab es jetzt endlich wieder »Demokratiebomben« (Proletopia). Nachdem die ganzen haltungsbesoffenen Altmedien, Abgeordneten und Politblogger sich jahrelang nur auf den »Putin-Hitler« eingeschossen haben — stehen sie nun vor einem (doppel-)moralischen Dilemma.
Aber auch das wird, mithilfe von Doppeldenk, Täter-Opfer-Umkehr, Neusprech (»Regime« statt Regierung, »Machthaber« statt Präsident, »Gefangennahme« statt Entführung), Mietmäulern, vorauseilenden »Experten« und verschiedenen Maßstäben, ganz gut zu bewältigen sein. Versprochen! ![]()
»Freiheit«
Die alternativ-rechten Medien (Tichys Einblick, NIUS, Cicero, Reitschuster, Apollo News, Die Achse des Guten etc.) unterstützen hier die Altmedien und zeigen ihre häßliche Fratze, wie schon beim »Gaza-Krieg«. Im Kampf gegen alles vermeintlich »Linke«, gegen Sozialisten und Kommunisten sind offensichtlich alle Mittel zulässig. Regime Change. CIA-Putsch. Auftragsmorde. Bomben. Entführungen. Todesschwadronen. Die Geschichte von Mittel‑, Latein- und Südamerika ist voll davon. Und fast immer hatten rechte Kräfte, die CIA oder die US-Regierung ihre Finger im Spiel.
Der militärische Überfall auf Venezuela sowie die Entführung eines Präsidenten (keine »Gefangennahme«, liebe Tagesschau!) sind natürlich kein »unprovozierter, brutaler und völkerrechtswidriger Angriffskrieg«, sondern ein (Verteidigungs-)Kampf um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. So wie der Kampf in Gaza. Es ist wie Dirk Pohlmann immer treffend sagt: »eine regelbasierte Ordnung hat auch die Mafia.« Wir erleben gerade den Rückfall in die Barbarei, in dem der militärisch Stärkere sich über alle internationalen Gesetze stellt (UN-Gewaltverbot), die man in Jahrzehnten gemeinsam erarbeitet hat.

»Demokratie«
Weitere, alternative Analysen zum Thema:
- »Deutsche Medien und Trump Rede zum Angriff auf Venezuela« (Quelle)
- »Spielball der Großmächte« (Quelle)
- »Europas Ratlosigkeit nach Maduro-Festnahme: Viel Moral, wenig Macht« (Quelle)
- »Was über die Lage in Venezuela bekannt ist« (Quelle)
- »Trumps »neue Sicherheitsstrategie« — Fortsetzung der PNAC-Vordenker?« (Quelle)
- »EU bekräftigt nach Angriff auf Venezuela Unterstützung für regelbasierte Weltordnung« (Quelle)
- »Schlachtfeld Venezuela« (Quelle)
- »Das extralegale Sanktionsregime der EU« (Quelle)
- »Trump und der Bowring-Treaty« (Quelle)
- »Das ist Staatsterrorismus!« (Quelle)
- »Stunde der Wahrheit« (Quelle)
- »Wir debunken die ekelhafte Propaganda über den US Angriff auf Venezuela« (Quelle)
Ob die EU das »Freiheits-Gas« aus den USA boykottieren wird? Ob US-Vermögen in Europa eingefroren werden? Wird es EU-Sanktionen geben? Wird man Trump verhaften, sobald er europäischen Boden betritt? Wird man transatlantische US-Denkfabriken, wie die »Atlantikbrücke« schärfer beobachten? Schicken wir Waffen nach Venezuela? Werden US-Kulturgüter boykottiert oder sogar verboten werden? Wird man jetzt von »Trumpknechten« und »Trumpverstehern« sprechen?
Moral bleibt Moral! Aber nein, jeder Hinweis auf Doppelmoral, Heuchelei und unterschiedlichen Standards, ist ja »whataboutism«. Auch dafür gibt es bereits rhetorische Werkzeuge.
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Enttäuschend.
Aber viel enttäuschender wäre es für mich, wenn ich das »Völkerrecht« tatsächlich noch ernst nehmen würde.
Leider ist »Völkerrecht« ein genau so wertloser Begriff wie »Solidarität«, »Menschenrechte«, »Nächstenliebe« oder »Grundgesetz«.
Diese Begriffe werden einzig noch dazu gebraucht, um das leider notwendige Stimm- und Zahlvieh in eine von den Mächtigen gewünschte emotionale Stimmung zu versetzen. Eine tiefe und verbindliche Bedeutung haben diese Worte vermutlich nie gehabt.
Ansonsten gilt weltweit nur »das Recht des Stärkeren«.
Mein Blickwinkel auf D. Trump hat sich natürlich jetzt ein bisschen geändert. In das hysterische Geheul der Linken: »Seht ihr! Der ist auch nur ein rechter Teufel!«, werde ich nach dem Überfall allerdings nicht mit einfallen.
Der hat vor der Wahl gesagt, dass für ihn Amerika an erster Stelle steht, und das zieht er durch. Solche Überfälle hätten die Marionettenspieler hinter Biden ebenfalls ohne Gewissensbisse (aber dafür mit besserer Begründung und mehr westlichem Beifall) durchgeführt. Anstatt mir einen anderen Präsidenten in Amerika zu wünschen, würde ich mir in meinem eigenen Land lieber Politiker wünschen, die die Interessen Deutschlands an die erste Stelle stellen würden.
Aber das ist natürlich genau so Wunschdenken wie das »Völkerrecht«.
Einerseits haben unsere europäischen Politiker jetzt die beste Vorlage, um den Trump offensichtlich zu dämonisieren, aber andererseits haben sie sich auch in der Vergangenheit von den USA abhängig gemacht und müssen nun einmal den Mund zu und den Arsch hinhalten. Pech.
Fehlende Demokratie, korrupte Führer, Wahlfälschung, Unterdrückung der Meinungsfreiheit... all das trifft auch auf den ein oder anderen europäischen Staat zu.
Mein erster Gedanke dazu war: »Hm, vielleicht könnte man damit den Friedrich loswerden.«
Der zweite Gedanke dazu war dann: »Dann rückt der Vizekanzler nach...«
Vielleicht sollte man einfach mal ein wildes Experiment wagen und den Maduro zum deutschen Bundeskanzler ernennen. Das fände ich spannend und bestimmt sehr unterhaltsam. Und mehr kaputt machen als unser bisheriges Führungspersonal kann der auch nicht.
Selten hat ein »unprovozierter, brutaler und völkerrechtswidriger Angriffskrieg« bei dem betroffenen angegriffenen Volk so viel Zustimmung gefunden, wie bei den Venezolanern, die sich jetzt über das Ende der Terrorherrschaft eines korrupten Tyrannen freuen dürfen, der mittels einer gefälschten Wahl zur Macht gelangt ist und der sich durch brutalsten Terror gegen sein Volk an der Macht gehalten hat.
Übrigens war Maduro tatsächlich ein Machthaber und KEIN Präsident, da seine »Präsidentschaft« auf der Grundlage eines gefälschten Wahlergebnisses — zu Recht — in keinem demokratischen Staat anerkannt worden war.
Hätte doch nur im Sommer 1939 ein britisch-französisch-polnisches Kommandounternehmen in einem völkerrechtswidrigen feindseligen Akt den regulären Staatschef Adolf Hitler mitsamt seiner Entourage ins Ausland verschleppt und sie dort für ihre bis dahin begangenen Verbrechen hingerichtet! Was wäre der Welt dadurch nicht alles erspart geblieben!
@Klimaketzer
Wie wäre es, wenn man beim Thema »Wahlfälschung« zuerst vor der eigenen Haustür kehren würde, und mal die Bundestagswahl neu auszählt? Dann wäre mit ziemlicher Sicherheit das BSW im Bundestag und unsere gesamte Regierung samt Bundeskanzler Merz seit bald einem Jahr illegal im Amt.
Machthaber, Tyrannen, Diktatoren, whatever gibt es viele auf der Welt. Am Besten überall militärisch einfallen, alle entführen und vor ein US-Gericht stellen?
Am Ende folgt der obligatorische Hitler-Nazi-Vergleich. Geht »argumentieren« auch mal ohne?
@Klimaketzer: Ach wie schön einfach die Welt doch sein kann. Als ob das politische System in Venezuela so simpel wäre, dass es nur einen bösen Hitler braucht, den man abräumt und danach tanzt das Volk auf den Straßen und feiert Freiheit und Demokratie bis ans Ende der Zeit! ;)
Dieser Tage gab es für ein paar Stunden im VT der ARD die absurde Schlagzeile (mitsamt eigener Unterseite) »Maduro in New York angekommen« bevor den dafür verantwortlichen Buchstabensetzer-Eumeln auffiel, dass ein völkerrechtswidriges Kidnapping wohl nicht so unbedingt auf Freiwilligkeit beruht und es dann zumindest einen ganz kleinen Ticken weniger verharmlosend hieß »Maduro nach New York gebracht« ... kein Wunder, dass ein unterkomplexer Typ die Situation später als »komplex« relativiert bei solch medial-politischem Betrachtungsniveau hierzulande.
@epikur
Jaja, Hitler-Nazi-Vergleich geht gar nicht. Außer natürlich, wenn’s gegen die bösen Rechtspopulisten geht. Da ist es dann ganz ok, einen größenwahnsinnigen Massenmörder dadurch schön zu reden, dass man ihn mit einem vergleichsweise harmlosen reaktionären Hohlkopf wie z.B. Björn Höcke gleichsetzt.
Abgesehen davon dient in meinem Beitrag der »Hitler-Nazi-Vergleich« vor allem der Veranschaulichung, dass auch möglicherweise völkerrechtswidrige Handlungen legitim sein können. Wie z.B. auch — Vorsicht, nächster Nazi-Vergleich — die Entführung von Adolf Eichmann, an der allenfalls kritikwürdig ist, dass es nur dieser eine nach Südamerika geflohene Massenmörder war, der genau das bekommen hat, was er verdient hat. Hätten natürlich gerne noch sehr viel mehr von der Sorte sein sollen.
@ Yossarian
Ich weiß ein noch viel passenderes Beispiel für das »Kehren vor der eigenen Tür«. Nämlich der völkerrechtswidrige Angriffskrieg auf Rest-Jugoslawien im Jahr 1999, dessen Verantwortliche — dazu zählt auch das damalige Bundeskabinett — nach Kriegsvölkerrecht als mutmaßliche Kriegsverbrecher auf die Anklagebank des Internationalen Strafgerichtshofes gehören.
Aber dort wie auch in Venezuela gilt: keine Gleichheit im Unrecht. So wie auch z.B. ein Dieb vor Gericht wenig Erfolgsaussicht hat, wenn er zu seiner Verteidigung auf zahlreiche unbestrafte Diebstähle hinweist.
Ach, ja, das liebe Völkerrecht. Oder: Vom Gesundbeten eines toten Pferdes
Da haste dir aber eine nette Laus eingefangen..
Du wirst sehen, es wird alles so kommen wie ich es bei dir auch schon vor einer Dekade geschrieben habe.
Ich finde die Debatte darüber, ob Maduro jetzt legitim Staatsoberhaupt war, erst mal unsinnig. Ist ja nicht so, dass die Bevölkerung in die Welt bettelte, befreit zu werden, deswegen wäre das schon mit Vorsicht zu genießen. Sprich: sich allzu hart zu positionieren ist in der Sache wieder maximal unterkomplex.
Ich habe um den Spaß rum grob die letzten Monate an Berichterstattung durchforstet, um nur mal die Stimmungslage zum Land zu erhaschen, und dabei wird es sowieso wieder völlig irre. Unsere Leidmedien haben Maduro ziemlich kritisch beäugt, aber jetzt, wo Trump aka die Republikaner ins Land einfallen, wird man schon wieder etwas kleinlauter. Die Fähnchen-im-Wind-Taktik ist voll im Gange, zu blöd halt, wenn man sich zwischen zwei nicht genehmen Fronten entscheiden muss und dann nur »Es ist komplex« herausstottert.
Ich weiß, ich gucke nur auf die Nebeneffekte und Folgereaktionen darauf, aber davon kann man im Moment mehr ableiten als die eigentliche Thematik nochmal aufzuwärmen.