
© epikur
Wer heutzutage ein Rebell oder Außenseiter sein will, muss dafür nicht viel machen. Sich beispielsweise einfach kein smartphone zulegen. Nichts verunsichert das Heer der Kommunikations-Fetischisten mehr. Warum man denn keines habe, ob man denn kein Geld dafür hätte (als wenn die noch was kosten würden) oder ob man so ein Datenschutz-Fanatiker sei, darf man sich dann immer wieder rechtfertigen. Man habe doch eh nichts zu verbergen und selbst wenn, die Geheimdienste und Konzerne würden doch sowieso schon alles wissen. Außerdem sei so ein Teil doch total cool, man könne sich kostenlos (!) schreiben, Chat-Räume aufmachen, lustige Videos und Bilder schicken und vieles mehr. Sei man vielleicht so ein genereller Miese-Peter, Über-Kritiker oder Kultur-Pessimist? Man könne und wolle diese negative Verweigerungshaltung einfach nicht verstehen. Weiterlesen
P:S: Alltägliches Bild in der Berliner U‑Bahn.
In Bus, Bahn, Supermarkt, Schule, Arbeitsplatz und Öffentlichkeit wird per smartphone und Handy über sexuelle Vorlieben gesprochen, Konflikte werden ausgelebt, Beziehungen beendet und es wird über Freunde oder die Verwandtschaft getratscht. Vielen scheint es eine helle Freude zu bereiten, über ihr Privatleben in aller Öffentlichkeit zu sprechen. Mir ist das, nach wie vor, eher unangenehm. Wer mich unterwegs anruft, wird mich dann meist eher unfreundlich und kurz angebunden erleben. Einfach, weil bestimmte Dinge nicht jeden in der Öffentlichkeit zu interessieren haben und ich selbst entscheiden möchte, wem ich was erzähle. Bin ich jetzt neurotisch?