Die libertäre Jasmin Kosubek hat den fast schon sozialistisch anmutenden Kriegsdienstverweigerer, Ole Nymoen, zu einem Gespräch eingeladen. Es ging, unter Anderem, auch um unsere Arbeitswelt. Er kritisiert kapitalistische Selbstverständlichkeiten, die es in Deutschland in keinen Beitrag der Altmedien und in keine ÖRR-Talkshow mehr schaffen.
Ausbeutung. Umverteilung von unten nach oben. Parasitärer Reichtum. Eigentumsprivilegien. Armut als Herrschaftsinstrument. Westlicher Imperialismus. Profitorientierung. Selbstverwirklichung auch ohne Lohnarbeit. Und einiges mehr.
Profitmaximierung
Als es um Lohnarbeit, Profitmaximierung und Ausbeutung geht, haut Frau Kosubek die übliche neoliberale Formel raus, dass sich ja »jeder selbstständig machen« könne. Und da die Unternehmer ja »ein größeres Risiko« eingehen würden, hätten sie am Ende auch »ihren Gewinn verdient«. Diesen neoliberal-kapitalistischen Topos hören wir seit Jahrzehnten. Unterschlagen wird dabei jedesmal, dass es eben nicht Jedem möglich ist, sich selbstständig zu machen.
Wer kein Vermögen hat oder erbt, bekommt auch keinen Kredit von der Bank. Wer keine familiären und einflußreichen »Netzwerke« hat, wird es überall sehr schwer haben. Kaum Jemand der reich ist, hat es sich »hart erarbeitet«, sondern ist durch Erbschaft, Mieten, Beziehungen, (Finanzmarkt-)Glücksspiel, kriminelle Handlungen oder Zinsen reich geworden. Die wenigen Ausnahmen scheucht man seit Jahrzehnten durch die Massenmedien, um den kulturimperialistischen US-Mythos »vom Tellerwäscher zum Millionär« aufrecht zu erhalten.
Eigenverantwortung
Als Ole Nymoen behauptet, dass ein Großteil der Menschen nur deshalb arbeiten geht, um andere reicher zu machen, wirkt Frau Kosubek sichtlich überfordert (Minute 31). Denn er stellt indirekt die Eigentumsfrage, die in Deutschland im Jahr 2026 von Niemanden mehr thematisiert wird. Alles ist systematisch darauf ausgelegt, die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen.
Wo Arbeitskräfte keinen Profit erwirtschaften, werden sie auch nicht eingestellt. Diese simple, kapitalistische Logik ist für die libertäre Moderatorin ausserhalb ihrer Wahrnehmungsschwelle. Schließlich bemüht sie dann wieder die »Eigenverantwortungsrhetorik«, die schon immer als Rechtfertigung für die extrem ungleiche Verteilung gesellschaftlicher Reichtümer herhalten musste

»Da gibt es Herren und Knechte; denn da muss Geld verdient werden, da muss die Hazienda ertragreich gemacht werden, damit sie mit tausend Prozent Gewinn verkauft werden kann.«
- B. Traven. »Die weiße Rose«. Universitas Verlag. Berlin 1962. S. 12
Bürgergeld
Ab Minute 34 geht es dann um das Bürgergeld. Frau Kosubek redet wörtlich von »Sozialschmarotzern«. Ich vermute, sie hat ein Jobcenter noch nie von innen gesehen. Denn dann wüsste sie, wie stark dort die systematisch fest verankerte und gewollte Willkür, die Armenverachtung und die Schikanen gegenüber arbeitslosen Menschen in Deutschland ist. Es ist ein Hohn, ständig zu behaupten, ein Großteil der Erwerbslosen wolle gar nicht arbeiten. Von chronisch kranken Menschen oder Alleinerziehenden ganz zu schweigen.
Ole Nymoen entgegnet, ob es nun wirklich »das große Problem« sei, dass es sich ein paar Leute vermeintlich bequem machen würden? Außerdem könne man es auch aus der Perspektive betrachten, dass ein überbordender Sozialstaat auch bedeuten könnte, dass viele Menschen von ihrer Lohnarbeit und ihrer Rente nicht mehr (über-)leben können?
Fazit
Es sei »maximal asozial, wenn man Andere für sich arbeiten lässt«, so Frau Kosubek zum Thema der »Bürgergeld-Totalverweigerer«. Das jeder Unternehmer und Kapitalist das jeden Tag auf der ganzen Welt millionenfach genau so macht, fällt der Jasmin leider so gar nicht auf. Auf der anderen Seite zeigt sich im Gespräch, dass der gute Ole (wie viele Linke) auf die »C‑Solidaritätsrhetorik« hereingefallen ist, weil er bis heute einige C‑Maßnahmen verteidigt.
Ich schätze es sehr, dass Jasmin Kosubek aufgeschlossen und interessiert ist und deshalb auch Menschen aus allen politischen und ideologischen Lagern zu einem Gespräch einlädt. Ihrer libertären FDP-Einstellung kann ich leider wenig abgewinnen. Ole Nymoen hat ihr hier in diesem Interview klar ihre ideologischen Denklücken aufgezeigt.
Andererseits scheint Ole bis heute nicht verstehen zu wollen, dass Regierungen auf der ganzen Welt nichts anderes gemacht haben, als aggressives Impf-Marketing für »Big Pharma«. Er sollte als Linker wissen, dass Regierungen auch bei anderen Themen mit »Solidarität« und »Nächstenliebe« wenig, aber mit dem Bedienen von Konzerninteressen sehr viel am Hut haben. C war und ist hier keine Ausnahme, auch wenn sich das viele Linke gewünscht haben. Es wurden Milliardenprofite gemacht. Mit der »Solidarität« der Impfwilligen.
»Aber mein Chef braucht mich!«
»Der tägliche Lohnarbeitswahnnsinn 1–16«
Es wird massenmedial systematisch der eigentliche Sozialkonflikt arm vs. reich durch das Schüren von Sozialneiddebatten unter den Armen oder Fast-Armen vertuscht und die Reichen aus der Schußlinie genommen. Daran wird auch dieses Interview nicht viel ändern, so wie dieser und andere kleine Blogs, die es zum Thema machen. Bedauerlich, aber der Teufel scheißt nun mal auf den größten Haufen.
Andererseits hat das was Nymoen sagt dann auch wieder den Charakter von seinerseits links-populistischen Fensterreden wie sie auch von den Abgeordneten der Linken im Bundestag und etwas mehr rechts von Vertretern des BSW außerhalb gehalten werden. Denn sie stellen zwar die Sozialfrage, aber nicht die Machtfrage. Doch für das erste gibt es ohne das zweite keine Lösung. Und da ist es dann nur konsequent, dass er C‑unkritisch ist, denn da nähern wir uns der Machtfrage im Staate Dänemark. Noch zu weit weg vom Kern des Problems und der Lösung nach meiner Meinung, aber das ist dann noch eine andere Geschichte.
P.S. im Sinne einer Richtig-Dichtung hätte ich den Titel »Lohnsklavenwahnsinn« bezeichnet, frei nach den besten drei Minuten von George Carlin:
der sich nebenbei bemerkt schon in den 2000ern über fear of germs lustig gemacht hat.
@orinoco
Wer heute Machtkritik übt oder nach »follow the money« fragt — der betreibt eine Verschwörungserzählung oder delegitimiert den Staat. Wenn man bei Banken, Vermögensverwaltern oder der Finanzindustrie landet, ist man darüber hinaus auch ein Antisemit.