»Geh zum Arzt!«

Sobald man anfängt, im Internet nach Symptomen, Krankheiten und Ursachen zu suchen, stößt man früher oder später auf »Krebs« und auf den Spruch »Geh zum Arzt!« Sollten wir nicht spätestens seit C den Glauben an die Halbgötter in Weiß endlich abgelegt haben?

Oder fluten womöglich auch PR-und-Social-Media-Agenturen, im Auftrag von Big Pharma, die User-Spalten im Web, um Medikamente und profitable Therapien an die Bevölkerung bringen zu können?


Ganzheitlichkeit
In sämtlichen Foren und Kommentarsektionen wird früher oder später regelrecht dazu aufgefordert zum (Tier-)Arzt zu gehen. Immer schwingt der subtile Vorwurf mit, dass, wer das nicht schnell genug machen würde, seinem Tier großes Leid zufügen würde. Natürlich gibt es Symptome, die einen sofortigen Tierarzt-Besuch erfordern. Keine Frage.

In den letzten Jahren habe ich, wegen meinen zwei chronisch kranken Meerschweinchen, dutzende Internet-Seiten besucht, und nie kam auch nur irgendwo mal der Gedanke auf, dass vielleicht auch jeder Tierarzt-Besuch für jedes Haustier eine sehr große Stress-Situation sein könnte? Und das man das, wenn nötig, auch vermeiden müsse?

Nein, diese Gedanken gibt es nicht. Dabei sollten alle wissen, dass Stress ein großer Faktor ist, der Krankheiten begünstigen, verstärken oder sogar erzeugen kann. In diesem Sinne kann ein Tierarztbesuch eben auch verschlimmbessernd oder sogar schädlich sein.

»Das Problem liegt nicht darin, frühe Veränderungen zu erkennen, sondern darin, medizinische Interventionen automatisch als die einzige oder beste Reaktion zu betrachten

- Sheramy Tsai, Krankenschwester


Achtsamkeit
Hinzu kommen Fehldiagnosen, Nicht-Erkennungen, Falsch- und Überbehandlungen bei Menschen und Tieren. Falsche oder zu viele Medikamente. Auftretende Nebenwirkungen. Übertriebene, vermeintlich präventive Behandlungsmethoden. Und vieles mehr. Das alles ist kaum Thema in diversen Online-Foren und/oder ‑Tierportalen. Stattdessen immer der Imperativ: »Geh zum Arzt!«

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: ich will keineswegs die Expertise von (Tier-)Ärzten in Frage stellen. Natürlich bin auch ich froh, dass es gute Ärzte gibt. Und ja, es gibt sicher viele Symptome, wo ein frühzeitiger Arztbesuch bzw. ein Nicht-Besuch über Leben und Tod entscheiden kann.

In unserem Fall, war es sogar so, dass wir unverschämtes Glück hatten, weil bei uns in der Nähe zwei richtige Meerschweinchen-Expertinnen waren. Die meisten Tier-Ärzte sind auf Hunde und Katzen spezialisiert und kennen bei Meerschweinchen vielleicht Zehn Diagnosen. Ansonsten sind die Tierärzte bei Meerschweinchen schnell überfordert, pumpen die Tiere mit Medikamenten voll und hoffen das Beste.

Nur: zu glauben, dass die Halbgötter in Weiß alles können und alles wissen (»Autoritätshörigkeit«) und dabei noch komplett selbstlos handeln — das ist schon sehr naiv! Leider ist diese Denkweise immer noch sehr weit verbreitet. »Geh zum Arzt!« ist mitunter auch eine Redewendung einer typischen Verantwortungsdelegation. So muss man sich selbst keine Gedanken mehr, um seine eigene Gesundheit machen. Der Arzt verschreibt ein Mittelchen und weiter gehts mit der ungesunden Lebensweise.



Neulich im Krankenhaus

6 Gedanken zu „»Geh zum Arzt!«

  1. Da darf ausnahmsweise unverschämt auf meinen Blog verweisen wo das Thema »Geh zum Arzt oder bleib gesund« ein Schwerpunkt ist. Ich kenne fast niemanden der mit Ärzten gleich welcher Couleur noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hat. Ich hab zwei Ärzte in der Familie und da liegt zumindest in allgemeinmedizinischen Fragen eine zweite Arztmeinung auf dem kurzen Dienstweg.

    Hab jetzt auch einen neuen Zahnarzt gefunden, der gleich beim ersten Besuch zu meiner Schilderung der schlechten Erfahrungen mit seinen Berufskollegen kollegenkritisch anmerkte, dass manche zwar Zahnarzt von Beruf sind, aber nicht von Berufung.

    Mit Tierärzten auch schon ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht und es waren »nur« Behandlungen für Katzen. Da hoffe ich jetzt einen an der Hand zu haben, der besser ist. Zumindest war der Eindruck beim ersten Besuch nicht schlecht: auf gegenseitige Freundlichkeit wurde sehr viel wert gelegt, was den Stress für alle Beteiligten reduziert.

    Auch bei der Medikamentenabgabe hat man da schon mal ein Auge zugedrückt, denn normalerweise muss das Tier vorher in Augenschein genommen werden aber ein Arztbesuch bedeutet bei meiner extrem ängstlichen Katze enormen Stress, schon beim Einfangen angefangen. fight, flight, freeze — sie lässt nichts unversucht und am Ende bleibt eben nur das Erstarren. Da sollte es bei Standardmedikation wie Entwurmung und Zeckenbekämpfung und eben bei Angstpatienten Ausnahmen geben. Aber wir sind ja im Alles-nach-Vorschrift-Deutschland ...

    P.S. vielleicht nur mein persönlicher Eindruck aber ich kann mich dessen nicht erwehren, dass es vor allem Ärztinnen sind, die am wenigsten selbstkritisch und am arrogantesten sind.

  2. Bei Ärztinnen ist, glaube ich zumindest, deren Inkompetenz und Intelligenzfreiheit nur wesentlich besser sichtbar als bei Ärzten. Liegt wohl daran, dass die Jüngeren von denen so aussehen, wie diese gebügelte, geföhnte, tetanisch grinsende, piepsende und fiepsende Nasentussi, aus der Lenor-Werbung, die vor der offenbar unerträglichen olfaktorischen Belästigung dieses eigentlich doch sehr süßen Jungspunds beim First Date, entfleucht. Ich hatte es allerdings auch schon mit männlichen Medizinern zu tun, die offenbar während ihres gesamten Medizinstudiums gepennt hatten und zudem noch unfreundlich, arrogant und schlichtweg ganz und gar unerträglich waren. Bei älteren Medizinern und Medizinern fühle ich mich generell etwas wohler (sofern man überhaupt von »Wohlfühlen« bei mir in der Gegenwart von Medizinern reden kann) und obwohl ich auch hierzu anmerken muss, dass es da ebenfalls absolute Flachpfeifen gab und gibt, die m E eine regelrechte Gefahr für die Menschheit darstellen. Meine Mutter wurde regelrecht von einem unfähigen Arzt in den 1970er Jahren umgebracht. Sie hatte stets heftige Bauchschmerzen, mit blutigem Durchfall und Blut im Urin. Der »Arzt« hatte sie erst mal monatelang mit Antibiotika vollgepumpt, weil er auf eine bakterielle Darminfektion geschlossen hatte. Kein Erfolg.

    Dann behandelte er sie mit Lebertherspeutika, weil er meinte, es wäre ein Leber-Galle-problem, er empfahl Wermuttee und warme Wickel, röntge den Magen. Kam dann zu dem Schluss es seien wohl »neurasthenische« Magen-Darm-probleme und viel Bettruhe würde alles wieder ins Lot bringen. Es war aber eine Endometriose im Darm. Die Symptome meiner Mutter waren geradezu klassische Textbuch-Symptome für Endometriose, die schon damals in jedem medizinischen Lehrbuch standen. Nachdem meine Mutter vor Schmerzen nur noch geschrien hatte und völlig abgemagert ins Krankenhaus kam, konnte auch eine schnelle Notoperation, bei der ihr fast ein halber Meter völlig zerstörter Dünndarm entfernt wurde, nicht mehr helfen. Vielleicht ist diese Erfahrung, die ich als 13 Jahre alter Junge anno 1973 machen musste, der Grund für meine Aversion gegenüber Weißkitteln.

  3. Die moderne Schulmedizin kann heute jedes Organ reparieren und/oder austauschen, nur den Menschen wirklich heilen kann es nicht.

    Wie vielen Menschen wurde besser geholfen, weil sämtliche medizinischen Begrifflichkeiten auf Latein ausgedrückt werden?

    Die gesamte westliche moderne Medizin ist selbst von Grund auf krank. Denn sie basiert auf diesem unsäglichen materialistischen Weltbild, das den Menschen, das Leben, überhaupt alles als seelenlose Maschine begreift.

    Dass der Mensch, das Leben, überhaupt alles unendlich viel mehr umfassen, ist in dieser einbetonierten Weltsicht nicht eingepreist.

  4. > Wie vielen Menschen wurde besser geholfen, weil sämtliche medizinischen Begrifflichkeiten auf Latein ausgedrückt werden?

    Es gibt die Anekdote — ob wahr oder erfunden sei dahingestellt — in der ein Patient sterbenskrank im Krankenhaus liegt und die Ärzte nicht wissen was er hat. Der Patient fragt immer wieder welche Krankheit er hat und die Ärzte wissen nicht was sie ihm sagen sollen. Bei der täglichen Visite stehen die Ärzte mal wieder ratlos um das Krankenbett des Patienten und sie werden von ihm wieder gefragt, was er denn habe. Da sagt einer der Ärzte: »Moribuntur«, Der Patient ist überglücklich dass seine Krankheit einen Namen hat und er wurde in kurzer Zeit wieder gesund. Dabei hat der Arzt nur gesagt: »Er wird sterben« eben auf Latein ;-)

    Das mit der seelenlosen Medizin kann man sogar wörtlich nehmen. Schon im übertragenen Sinn geht es auch in der Medizin — egal ob schul- oder alternativ — nur ums Geld oder andere Dinge (youtube). Der Einfluß der Seele (oder Psyche) auf die Gesundheit wird maßlos unterschätzt und wenn dann wird sie falsch, auch rein mechanisch in der Psychotherapie, behandelt. Das menschliche Gehirn ist eben kein austauschbares Organ wie so ziemlich alles andere, sondern ein historisches Organ, das wenn einmal »falsch abgebogen« sich nicht einfach wieder auf die richtige Straße zurückfahren lässt.

  5. @orinoco

    Das Seele und Psyche primär im Gehirn stattfinden, und damit wieder mechanisch messbar werden, würde ich ebenso bezweifeln. Da gibt es viele, weitere Ebenen. Aber das würde hier wohl den Rahmen sprengen und zu esoterisch/spirituell werden.

  6. @epikur
    Ja, mag sein, dass wir da nicht auf einen Nenner kommen. Für mich ist nicht entscheidend was die einfacherer Erklärung ist, sondern was die bessere Erklärung im Sinne der Übereinstimmung mit und Voraussagen in der Realität ist. Und da ist die wissenschaftliche Methode für mich die bessere als die esoterische. Und wenn im Sinn von Seele und Psyche im menschlichen Körper wirklich was Interessantes los ist, dann im Gehirn. Das ist nicht einfach zu verstehen und es braucht viel logisches Denk- und Kritikvermögen um aus den Beobachtungen die richtigen und nicht die falschen Schlüsse zu ziehen. Irrtümer müssen erkannt, eingestanden und korrigiert werden. Nur so ist wissenschaftlicher Fortschritt möglich. Und damit man sich keine auf Dogmen basierenden Lebenslügen eingestehen muss, ist es sinnvoll alles Erkenntnis immer unter den Vorbehalt der besseren Erkenntnis zu stellen. Ja, das ist anstrengend, das muss man aushalten, aber sind wir hier um uns das Leben einfach zu machen?
    Das Gehirn mechanisch messbar? Man kann verschiedenes im Gehirn messen, ja. Aber das ist per se nicht schlecht und vor allem nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass man aus den Beobachtungen die richtigen Schlüsse zieht und vor allem keinem Zahlenfetisch verfällt, wie ich es den Erbsenzählerstudien immer vorwerfe. Ja, gute von schlechter Wissenschaft zu unterscheiden ist auch anstrengend, alles andere als einfach und muss man wie alles andere auch üben. Auch hier gilt: glaube nichts, hinterfrage alles. Glauben bedeutet immer die Welt anstrengungslos verstehen zu wollen ohne dass es mit der Realität übereinstimmen muss. Gute Wissenschaft irrt sich empor und gleicht sich immer mit der Realität ab. Man kann auch aus Wissenschaft einen Glauben machen, indem man anfängt religiöse Dogmen aufzustellen, die nicht mehr hinterfragt werden dürfen. Und da muss man ständig auf der Hut sein, da nicht jemandem oder in die eigne Falle zu tappen.

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